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„Ich war schon immer ein Genussmensch!“

Marlis Bohnengel hat den Praxisstudiengang zur geprüften Sommelière an der IHK in Würzburg absolviert. Eine Investition, die sich für die 40-jährige Weinliebhaberin in jeder Hinsicht gelohnt hat. Schon während der Weiterbildung baute sie eine Vinothek mit auf, die sie heute mit viel Liebe im traditionellen Stil führt.

Interview mit Marlis Bohnengel

IHK: Frau Bohnengel, Sie haben früher im sozialen Bereich gearbeitet. Wie kam es zu dem Wechsel?

Bohnengel: Ursprünglich bin ich gelernte Kinderpflegerin. Zwölf Jahre habe ich in einer Tagesstätte mit geistig behinderten Kindern gearbeitet. Das Kochen war meine zweite Leidenschaft. Ich habe meinen Hauptjob, der sehr stressig war, laufend reduziert und gleichzeitig immer mehr in der Gastronomie Fuß gefasst. Das Gastgewerbe ist zwar auch anstrengend, aber das empfinde ich eher als positiven Stress.


IHK: Wann kamen Sie zum ersten Mal mit dem Thema Wein in Berührung?

Bohnengel: Privat habe ich mich schon immer sehr für Wein interessiert. Meine Verwandten sind Genussmenschen; daher haben wir Zuhause immer hervorragend gegessen - und dazu gab es gute Tropfen. Ich komme ursprünglich aus Österreich, wo es einige schöne Weingüter gibt.


IHK: Wann wussten Sie: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Weiterbildung gekommen?

Bohnengel: Als ich die Entscheidung traf, arbeitete ich in einer Vinothek in Volkach. Ich wollte mich besser auskennen, um die Kunden professionell beraten zu können. Dafür hat das Hobby-Interesse irgendwann nicht mehr ausgereicht. Zuerst habe ich den Zertifikatslehrgang zur Assistant Sommeliére (IHK) bei der IHK Würzburg-Schweinfurt absolviert. Die Weiterbildung eignete sich dafür, in alle Bereiche reinzuschnuppern. Nach dieser Lehrgangswoche war mir bewusst "Ich will mehr!". Kurze Zeit später habe ich mich dann für den Praxisstudiengang "Geprüfte/r Sommelier/Sommeliére (IHK)" angemeldet. Ich wurde in diesem Jahr vierzig und dachte mir: "Jetzt oder nie!"


IHK: Gab es auch kritische Stimmen aus Ihrem Familien- und Bekanntenkreis?

Bohnengel: Es gab auch kritische Stimmen. Meine Freunde haben mir davon abgeraten, da sie meinten, der Studiengang sei zu schwierig für jemanden, der erst so kurz in diesem Bereich arbeitet. Auch mein damaliger Chef hatte Zweifel, ob ich das schaffe. Davon habe ich mich aber nicht beeinflussen lassen und die Weiterbildung in Teilzeit absolviert. Zwei Tage die Woche war ich bei der IHK und habe parallel dazu gearbeitet. Acht Monate lang hatte ich also eine Sechstagewoche und investierte einige Urlaubstage. Aber das war es mir absolut wert. Meine Erwartungen wurden zu 100 Prozent erfüllt.

 

IHK: Wie ging es nach dem Studiengang bei der IHK weiter?

Bohnengel: Bereits während des Praxisstudienganges hat sich eine einmalige Chance ergeben. Einer meiner Lehrgangskollegen leitete ein Restaurant in Bamberg. Er hat mich eingeladen, ihn dort zu besuchen, allerdings nannte er mir keinen Grund dafür. Dort angekommen, wartete meine heutige Chefin auf mich. Wir führten ein langes Gespräch und abschließend stellte sie mir die Frage, ob ich Interesse hätte, mit ihr eine Vinothek aufzubauen und zu leiten.

 

IHK: Wie hat sich die Weiterbildung auf Ihr Leben ausgewirkt?

Bohnengel: Die Ausbildung hat sich auf verschiedene Bereiche meines Lebens ausgewirkt. Allein der Entschluss, mich für den geprüften Sommelier anzumelden, hat mein Leben um 180 Grad gedreht. Von einem Moment auf den anderen war ich wieder in Ausbildung. Ein halbes Jahr vorher hatte ich meinen Job im Sozialbereich komplett aufgegeben. Und dann kam auch noch dieses unschlagbare Angebot. Ich war noch nicht einmal mit dem Praxisstudiengang fertig und sollte schon eine Vinothek aufbauen und leiten. Zudem habe ich nach meiner Weiterbildung angefangen, an der IHK das Thema Speisen und Wein zu unterrichten. Diese Erfolge deute ich als klare Zeichen, dass meine Entscheidung genau richtig war.

 

IHK: Sie sind in dem Jahr 40 geworden. Hatte das etwas mit Ihrer Entscheidung zu tun?

Bohnengel: Irgendwie kam in diesem Jahr alles zusammen. Mein Sohn wurde 18 und als Mutter hatte ich dadurch das Gefühl, wieder mehr Zeit für mich zu haben. Mein Alter hat vielleicht schon eine Rolle gespielt, weil ich mir dachte: "Jetzt oder nie." Ob ich mich mit 50 auch noch getraut hätte, mein Leben so umzukrempeln - das weiß ich nicht. Der Zeitpunkt war jedenfalls genau richtig. Alles hat harmoniert und zusammengepasst. Heute arbeite ich wieder in Vollzeit und stehe Mitten im Berufsleben.

 

IHK: Wie sieht Ihr Tagesablauf heute aus?

Bohnengel: Weinberatung ist ein wichtiger Teil meines Tagesgeschäfts. Jeden Tag kommen anspruchsvolle Kunden in die Vinothek, die viel über unser Weinsortiment erfahren möchten. Zusätzlich führen wir Weinverkostungen, Weinproben und Weinabende durch. Manchmal laden wir dazu Winzer aus der Region ein und organisieren gemeinsame Aktionen. Das Fachwissen, das ich mir bei der IHK angeeignet habe, kann ich in der Praxis also wunderbar anwenden.

 

IHK: Inwieweit spielt die Digitalisierung in Ihrem Berufsfeld eine Rolle?

Bohnengel: Wein ist ein sehr analoges Thema. Die Vinothek gehört zum Einzelhandel. Wir haben also das Ziel, unseren Kunden eine umfassende und professionelle Beratung zu bieten. Das, was ich mache, ist richtig "Old-School". Wir bauen nachhaltige Beziehungen auf, haben Stammkunden und werden von ihnen weiterempfohlen. Genauso will ich es auch haben! Wir haben keinen Online-Shop. Aber sicherlich muss man den Trend zur Digitalisierung irgendwann mitgehen. Ein Stückweit machen wir das bereits. Beispielsweise mit unserem eigenen Social Media Auftritt, den wir für die Bewerbung unserer Events nutzen.

 

IHK: Was kommt als Nächstes - haben Sie bereits Pläne für die Zukunft?

Bohnengel: Klar! Ich habe mich für einen Kompaktkurs speziell zum Thema "Champagne" angemeldet. Es geht also weiter! Sprudel und Sekt sind Leidenschaften von mir, die sich durch die Weiterbildung zum Geprüften Sommelier herauskristallisiert haben. Diese Weiterbildung mache ich noch und danach kann ich erstmal etwas runterfahren (lacht).


IHK: Was raten Sie Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich weiterzubilden?

Bohnengel: Unbedingt machen und dabei auf das eigene Bauchgefühl hören. Damit liegt man nie falsch. Egal, ob sich danach etwas verändert oder nicht. Es lohnt sich immer in Weiterbildung zu investieren. Diesen Praxisstudiengang bei der IHK kann ich wirklich empfehlen und ich würde diesen Schritt immer wieder wagen.

 

Frau Bohnengel, vielen Dank für das Gespräch.