Kaffeebohnen statt Weintrauben

Die beiden Studenten Selina Schimmel und Sebastian Wieber haben den Corona-Lockdown im vergangenen Jahr genutzt, um ihr eigenes Start-up zu gründen. Im Weinort Ramsthal (Landkreis Bad Kissingen) rösten die beiden Kaffeebohnen und vermarkten sie über den eigenen Online-Shop.

Die beiden Studenten Selina Schimmel und Sebastian Wieber haben den Corona-Lockdown im vergangenen Jahr genutzt, um ihr eigenes Start-up zu gründen. Im Weinort Ramsthal (Landkreis Bad Kissingen) rösten die beiden Kaffeebohnen und vermarkten sie über den eigenen Online-Shop.

Die Gemeinde Ramsthal bei Bad Kissingen ist für gute Frankenweine bekannt. Doch seit Herbst 2020 durchzieht hin und wieder das würzige Aroma frisch gerösteten Kaffees die Gassen. Der Duft kommt aus einer Garage, in der statt eines Mittelklassewagens eine mannshohe Kaffeeröstmaschine steht. Sie ist das Herzstück des im Sommer 2020 gegründeten Start-up-Unternehmens „Majas Coffee UG“. Die Jungunternehmer Sebastian Wieber (26) und Selina Schimmel (24) vermarkten seit September im Haus selbst gerösteten, klimaneutralen und biozertifizierten Kaffee aus nachhaltigem Anbau.

Die im Frühjahr 2020 verordnete Kontaktsperre im Verbund mit Umstellung auf Online-Vorlesungen veranlasste die beiden Studenten des Masterstudiengangs Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg, in der unausgefüllten Freizeit ihre Geschäftsidee umzusetzen: „Wir wollen mit unserem Bio-Kaffee den Klimaschutz und mit dem Einkauf bei kleinen Farmergenossenschaften in Peru, Kolumbien oder Honduras deren soziale Projekte fördern.“ In seiner Marktanalyse stellte Wieber fest, dass es in seiner Heimatregion viele Winzer, aber kaum Kaffeeröster gibt. Nachdem über das Internet passende Rohkaffee-Lieferanten gefunden waren, startete das Paar „mit geringstem Aufwand und ohne Einsatz von Fremdkapital“ die Herstellung von zwei Produkten – einem Espresso und einem Kaffee. Das Rösten wurde aus Kostengründen noch an eine Fremdrösterei vergeben. Erst nach beginnendem Vertriebserfolg und positiver Rückmeldung entschlossen sich Wieber und Schimmel im Dezember zur Anschaffung der eigenen Kaffeeröstmaschine.

Mithilfe eines aus Standardelementen gebauten Softwaresystems, über das Bestellungen und Lagerhaltung laufen, konnten sie arbeitsintensive Prozesse minimieren. Das System zeigt den aktuellen Lagerbestand und berechnet aufgrund bisheriger Bestellmengen den künftigen Bedarf je Sorte. Schimmel: „Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, was und wie viel wir produzieren müssen.“ Um Nachhaltigkeit und Klimaschutz bis ins letzte Detail durchzuhalten, brauchte es eine besondere Verpackung. Im Einzelhandel wird Kaffee üblicherweise in Kunststoff-Aluminium-Tüten verkauft, die im Restmüll landen.

„Majas Coffee“ wird dagegen in recycelbaren sortenreinen Polyethylen-Kunststoffpackungen geliefert. Im Nahbereich werden größere Bestellungen sogar in lebensmittelechten Metalleimern abgegeben, die wiederverwendet werden. Wieber: „Wir wollen Verpackungsmüll vermeiden, wo immer dies möglich ist.“

Innerhalb der ersten sechs Betriebsmonate baute sich das Kleinstunternehmen über soziale Medien, den eigenen Online-Shop und professionelle Direktvermarkter bereits einen beachtlichen Kundenstamm aus Endverbrauchern, aber auch Firmenkunden aus der Gastronomie, Hotellerie und anderen Branchen auf. Wieber: „Monatlich verkaufen wir etwa 200 Kilogramm Kaffee.“ Den größten Umsatz machen beide mit ihrer schon bekannten Röstung La Esparanza. Schimmel: „Damit haben wir damals angefangen, das ist unser Renner.“ Vor allem auf das Firmengeschäft setzen beide ihre Hoffnung: „Wenn ein Unternehmen wirklich den Anspruch hat, im Sinne des Klimaschutzes umweltfreundlich arbeiten zu wollen, kann es mit unserem Bio-Kaffee auf genussvolle Art CO2-Emissionen einsparen.“ Momentan sind die beiden Firmengründer zufrieden, wenn sie nach Abschluss des Masterstudiums ihr Unternehmen ab kommendem Sommer ohne viel Aufwand nebenberuflich betreiben können. Doch bei wachsendem Erfolg sei der Betrieb von „Majas Coffee“ auch hauptberuflich vorstellbar.

Sigismund von Dobschütz

Majas Coffee UG
Siedlung 23
97729 Ramsthal
Mobil: 0176 712 000 33
info@majascoffee.com

Die Personen
Sebastian Wieber (26),
Selina Schimmel (24)

Die Idee
Verkauf von klimaneutralem und biozertifiziertem Kaffee, von kleinen Farmen mit nachhaltiger und biologischer Landwirtschaft, umweltverträglich und in hoher Qualität

Die größte Herausforderung
Kaffeebohnen aus nachhaltigem Anbau in geeigneter Qualität und Quantität zu finden sowie bei der Verpackung die richtige Balance zwischen Nachhaltigkeit und Frischehaltung zu sichern

Pläne
Nach den Produkten soll in Kürze auch die Kaffeerösterei als klimaneutral zertifiziert werden

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