IHK-Konjunkturanalyse Herbst 2020

Noch lange keine Normalität für Mainfrankens Wirtschaft

Nach dem pandemiebedingten Konjunkturabsturz sind in Mainfranken vorsichtige Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung erkennbar. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der Lagebeurteilungen und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, klettert gegenüber der Frühjahrsumfrage um 18 auf 102 Punkte nach oben. Damit überschreitet er knapp die 100-Punkte-Marke, die für eine ausgeglichene Stimmung, d.h. ein Gleichgewicht von Optimisten und Pessimisten, steht.

Ein Blick ins Detail

Die Geschäfte laufen aktuell wieder etwas besser. Gut jedes zweite Unternehmen bezeichnet die Lage als "befriedigend", 31 Prozent berichten von guten und 23 Prozent von schlechten Geschäften. Per saldo erreichen die Lagebeurteilungen einen Wert von sieben Punkten (Frühjahr: -11 Punkte). Industrie- und Tourismusbetriebe bewerten ihre derzeitige Situatino nach wie vor schlechter als die übrigen Branchen. Trotz Verbesserung der Lage werden die Umsätze im Jahr 2020 mitunter deutlich hinter jenen des Vorjahres zurückbleiben, dies vermeldet jeder zweite Betrieb. Dennoch spielen Liquiditätsengpässe bislang eine untergeordnete Rolle. 55 Prozent der Befragten geben an, dass die Corona-Krise bisher keine negativen Auswirkungen auf die Finanzlage des Unternehmens hatte.

Doch der Weg zurück zur wirtschaftlichen Normalisierung ist lang und von hoher Unsicherheit geprägt. Jedes zweite Unternehmen rechnet damit, dass das Vor-Corona-Niveau spätestens bis Ende des nächsten Jahres erreicht werden kann, gleichzeitig sieht dies ein Viertel noch in weiter Ferne oder überhaupt nicht mehr. Die kurzfristigen Geschäftserwartungen hellten sich zwar gegenüber der Vorbefragung deutlich auf - acht von zehn Unternehmen rechnen mindestens mit stabilen Geschäften -, doch der Saldo bleibt mit minus vier Punkten im negativen Bereich (Frühjahr: -22 Punkte). Je nach Branche variieren die Aussichten mitunter stark: In der Industrie wird, auch dank verbesserter Exportaussichten, mit etwas besseren Geschäften gerechnet, während sich Bau- und Dienstleistungsbetriebe eher zurückhaltend äußern.

Da die Erwartungen an die künftigen Geschäfte stark vom Infektionsgeschehen sowie den damit in Verbindung stehenden Beschränkungen des Wirtschaftslebens abhängen, wägen die Unternehmen ihre Ausgaben stark ab und planen eher sparsam. 36 Prozent möchten in den kommenden Monaten weniger oder gar nicht investieren, höhere Investitionsausgaben plant lediglich ein Sechstel. Ebenfalls zurückhaltend zeigen sich die Betriebe bei Ihren Personalplanungen. Zwar hat sich die Einstellungsbereitschaft gegenüber dem Frühjahr etwas verbessert, dennoch plant jeder Fünfte Stellenstreichungen. Andererseits möchten sieben von zehn Unternehmen ihre Arbeitskräfte halten, weshalb nach wie vor viele Unternehmen auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen, wenn auch mit rückläufiger Tendenz.

Fazit: Die mainfränkische Wirtschaft kämpft mit den konjunkturellen Folgen der Covid-19-Pandemie. Zwar mehren sich die Anzeichen für eine leichte Erholung, doch das Fundament ist fragil. Weiter steigende Infektionszahlen sowie erneute bzw. weitere Beschränkungen des Wirtschaftslebens wären Gift für das zarte Aufkeimen der wirtschaftlichen Aktivität. Bis die mainfränkische Wirtschaft wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreicht, ist es ein langer Weg.

Ansprechpartner

Elena Fürst

M. Sc. Economics

Referentin Konjunktur und Statistik

Würzburg

Telefon: 0931 4194-320

E-Mail: elena.fuerst@ wuerzburg.ihk.de

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Dr. Sascha Genders

Diplom-Volkswirt, LL. M. Eur.

Stellvertretender Hauptgeschäftsführer

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Jessica Philipp

Sachbearbeiterin Standortpolitik

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