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Konjunkturerwartungen stürzen auf Allzeittief

Besonders düster bewerten die regionalen Unternehmen die aktuelle Lage auf dem Strom- und Gasmarkt. Jeder zweite Betrieb ist auf eine vollumfängliche Gasversorgung angewiesen.

Zwar vermeldet die mainfränkische Wirtschaft derzeit noch überwiegend positive Geschäfte, doch explodierende Energiepreise, Inflationsraten im zweistelligen Bereich und die Gefahr einer Gasmangellage im Winter lassen den Konjunkturhimmel massiv verdunkeln: Die Geschäftserwartungen der heimischen Unternehmen stürzen auf ein Allzeittief. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen der regionalen Wirtschaft abbildet, bricht auf 85 Punkte ein (Frühjahr: 108 Punkte).

Die gute Nachricht vorneweg: Noch berichten rund acht von zehn Unternehmen von guten (36 Prozent) oder zufriedenstellenden (48 Prozent) Geschäften, 16 Prozent äußern sich unzufrieden. Per Saldo erreichen die Lagebeurteilungen mit 20 Punkten zwar ein etwas niedrigeres Niveau als im Frühjahr (26 Punkte), sie liegen aber weiterhin über ihrem langfristigen Durchschnitt von 19 Punkten. Doch ein tieferer Blick in die Daten zeigt branchenspezifische Unterschiede. „Während die mainfränkischen Industriebetriebe ihre derzeitigen Geschäfte besser beurteilen als im Frühjahr und der Bau sowie der Dienstleistungssektor trotz Einbußen weiter positive Geschäfte vermelden, überwiegen im Handel die pessimistischen Urteile“, erklärt Dr. Sascha Genders, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. „Die Auftragsbücher in der Industrie und im Bau sind noch gut gefüllt und ein Sommer ohne Coronabeschränkungen ließ auch den Tourismus wieder aufblühen. Massive Preissteigerungen bei nahezu allen Gütern des täglichen Bedarfs lassen jedoch die Kaufkraft der Konsumenten dahinschmelzen, was der Einzelhandel bereits heute deutlich zu spüren bekommt“, so Genders weiter.

Jedes zweite Unternehmen erwartet schlechtere Geschäfte

Sorgen bereiten Genders vor allem die düsteren Aussichten auf die Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten. „Unserer Wirtschaft stehen harte Monate bevor, die Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung sind über alle Branchen hinweg von großem Pessimismus gekennzeichnet. Noch nie wurden die wirtschaftlichen Aussichten so schlecht beurteilt wie heute.“ Lediglich eines von zehn Unternehmen rechnet künftig mit einem Anziehen der wirtschaftlichen Aktivität, rund jeder Zweite erwartet eine Verschlechterung. Die Unternehmen planen mit einer deutlich geringeren Nachfrage aus dem Inland, zeitgleich sieht auch die exportorientierte Industrie aufgrund der sich abkühlenden Weltkonjunktur nur wenige Lichtblicke im Auslandsgeschäft: Mit Ausnahme des nordamerikanischen (positive Prognose) und des chinesischen (stabile Prognose) Marktes rechnen die Firmen insgesamt mit einem rückläufigen Exportgeschäft.

Energiekosten, Inflation und Zukunftsängste

Die Unternehmen begründen die düsteren Geschäftserwartungen mit maximaler Unsicherheit. „Und Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“, sagt Genders. Als größtes Risiko für die kommenden zwölf Monate melden 80 Prozent der Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise. „Die Preisexplosion bei verschiedensten Energieträgern trifft die gesamte Breite der mainfränkischen Wirtschaft“, so Genders. Die Folge: Acht von zehn Unternehmen sehen sich gezwungen, die Preise ihrer Produkte anzuheben. Entsprechend rechnet der Volkswirt auch in den kommenden Monaten mit hohen Inflationsraten – verbunden mit negativen Auswirkungen auf die ohnehin getrübte Konsumlaune der Bevölkerung. Doch fernab der hohen Energiepreise schwebt noch ein weiteres Damoklesschwert über Unternehmen und Verbrauchern: Die Energieversorgung im nahenden Winter. „Die Gefahr, dass nicht ausreichend Gas zur Verfügung steht, um die Bedarfe von Unternehmen und Verbrauchern zu decken, ist keinesfalls vom Tisch. Diese drohende Gefahr abzuwenden, muss oberste Priorität haben“, fordert Genders. Jeder zweite Betrieb sei auf eine vollumfängliche Gasversorgung angewiesen. Zwar würden die Unternehmen umfangreiche Maßnahmen ergreifen, um sich auf eine Drosselung bzw. Einstellung ihrer Gasversorgung vorzubereiten, doch bei einem Drittel der Unternehmen seien derartige Absicherungsmaßnahmen gar nicht erst möglich. „Unsere Unternehmen brauchen eine sichere Versorgung mit bezahlbarer Energie. Sonst ist unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit stark gefährdet und unserer Wirtschaft drohen erhebliche Wohlstandsverluste.“ 

Investitions- und Beschäftigungspläne

In Folge der vielfältigen Unsicherheiten sowie der sich abzeichnenden Rezessionsgefahr ist auch die Investitionsbereitschaft stark zurückgegangen. 18 Prozent der Unternehmen möchten ihre Investitionstätigkeit erhöhen, ein Drittel hingegen Investitionen kürzen. Mit Blick auf den akuten Fachkräftemangel (mit 63 Prozent das zweitgrößte Konjunkturrisiko) halten die Unternehmen trotz düsterer Konjunkturaussichten mehrheitlich an ihren Beschäftigten fest. Acht von zehn Unternehmen planen mit einer gleichbleibenden oder steigenden Beschäftigtenzahl, wenngleich die Planungen per Saldo im Vergleich zum Frühjahr von plus zwei auf minus sechs Punkte zurückgehen.

Keine Denkverbote bei der Energieversorgung

In Anbetracht der aktuellen Energiekrise richtet Genders klare Forderungen an die Politik: „Wichtigstes Ziel muss es sein, die Unsicherheit aus dem Markt zu nehmen. Die Politik muss alles daransetzen, schnell Energieversorgungssicherheit herzustellen und – auch langfristig – bezahlbare Preise zu gewährleisten.“  Um die vorhandene Energiemenge auf dem Markt zu erhöhen, sollten heimische Ressourcen stärker genutzt und Genehmigungsverfahren massiv beschleunigt werden. „Es kann nicht sein, dass es fünf bis acht Jahre dauert, bis eine neue Windkraftanlage am Netz ist“, kritisiert Genders. Bei der Sicherung der Energieversorgung sollte es keine Denkverbote geben. Die Laufzeitverlängerung der drei verbliebenen Kernkraftwerke bis April 2023 sei ein wichtiges Signal. Zwar bleibe das Thema Kernkraft in der Wirtschaft umstritten, in der aktuellen Lage gebe es jedoch breite Unterstützung für einen Weiterbetrieb – unter Umständen auch über den April 2023 hinaus.

Die Befragung wurde im Zeitraum vom 26. September bis 10. Oktober 2022 durchgeführt. Von 758 befragten Unternehmen haben sich 259 beteiligt. Die vollständigen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage mit ausführlicher Branchenauswertung finden Interessierte online unter: www.wuerzburg.ihk.de/konjunktur

Information:
Elena Fürst
Tel. 0931 4194-320
E-Mail: elena.fuerst@wuerzburg.ihk.de