Nach Hochrechnungen US-amerikanischer Medien haben die Demokraten bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress gewonnen. Für die international tätigen Unternehmen in Mainfranken ändert sich dadurch nach Einschätzung der IHK zunächst wenig.
„Der neue Kongress tritt erst im Januar zusammen und auch danach verfügt der Präsident in der Außen- und Handelspolitik über weitreichende Befugnisse. Donald Trump hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er diese Spielräume konsequent nutzt“, sagt Kurt Treumann, Außenwirtschaftsexperte der IHK. „Wir erwarten daher nicht, dass sich in den kommenden Wochen für die mainfränkischen Unternehmen etwas Grundlegendes ändert. Sie sollten sich auf zwei weitere Jahre mit Überraschungen und Unsicherheiten im US-Geschäft einstellen.“
Ab Januar werden die neuen Mehrheiten den Spielraum von Trump bei der Gesetzgebung und beim Haushalt einschränken und die parlamentarische Kontrolle stärken. Eine Abkehr vom protektionistischen Kurs oder die Aufhebung bestehender Zölle folgt daraus jedoch nicht automatisch, denn viele handelspolitische Maßnahmen hat der Präsident per Anordnung auf Grundlage bestehender gesetzlicher Ermächtigungen umgesetzt.
Die USA sind und bleiben Bayerns wichtigster Exportmarkt: 2025 lieferten bayerische Unternehmen Waren im Wert von rund 26 Milliarden Euro dorthin. Die US-Zollpolitik hat jedoch deutliche Spuren hinterlassen. So sanken die Ausfuhren in die USA 2025 um 9,8 Prozent und im ersten Halbjahr 2026 um weitere 9,5 Prozent.
Auch Mainfranken ist stark vom Auslandsgeschäft abhängig. Die mainfränkischen Industrieunternehmen erwirtschafteten 2024 rund 8,7 Milliarden Euro im Ausland, was etwa 41 Prozent ihres Gesamtumsatzes entspricht. Mehr als 250 Unternehmen aus der Region unterhalten Geschäftsbeziehungen in die USA, rund 200 exportieren dorthin und 39 unterhalten eine eigene Produktionsstätte oder Niederlassung. Besonders eng sind die Verbindungen im Maschinenbau, in der Automobilzulieferindustrie sowie in der Automatisierungs- und Medizintechnik.
Aus IHK-Sicht sind nun auch die Bundesregierung und die EU-Kommission gefordert. „Ein starker, wettbewerbsfähiger Binnenmarkt und vertiefte Partnerschaften mit weiteren Wirtschaftsräumen erhöhen Europas wirtschaftliches Gewicht und erweitern die Handlungsmöglichkeiten seiner Unternehmen“, so Treumann abschließend.