Laut der aktuellen Herbstumfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer zeigt sich die deutsch-britische Wirtschaft weiterhin widerstandsfähig, sieht sich jedoch zunehmend schwierigeren Geschäftsbedingungen gegenüber.
Eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU bleibt dabei die wichtigste politische Forderung: 75 Prozent der Befragten unterstützen damit im Grunde den britischen Premierminister, diesem Ziel hohe Priorität einzuräumen.
Insgesamt bewerten 47 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage im Vereinigten Königreich positiv, 35 Prozent als stabil und 18 Prozent als negativ. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Frühjahr verschlechtert: Damals hatten 51 Prozent eine positive und lediglich 6 Prozent eine negative Einschätzung abgegeben. Auch die Erwartungen für die eigene Geschäftsentwicklung für das kommende Jahr haben sich etwas eingetrübt.
Die Zuversicht hinsichtlich der britischen Gesamtwirtschaft ist in den vergangenen sechs Monaten hingegen etwas gestiegen. Dennoch bleiben die Unternehmen zurückhaltend: 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, während nur 20 Prozent mit einer Verbesserung rechnen.
Die Investitionsabsichten ergeben ein gemischtes Bild. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Aktivitäten ausweiten wollen, ist von 14 auf 23 Prozent gestiegen. Gleichzeitig reduzieren 10 Prozent ihre Investitionspläne, während 7 Prozent diese vorerst zurückstellen. Bei den Beschäftigungsplänen gehen die Erwartungen noch weiter auseinander. Wie bereits im Frühjahr beabsichtigen 31 Prozent der Unternehmen, in den kommenden zwölf Monaten zusätzliche Mitarbeitende einzustellen. Der Anteil der Unternehmen, die einen Personalabbau erwarten, ist jedoch deutlich von 8 auf 27 Prozent gestiegen.
Dr. Ulrich Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, kommentiert die Ergebnisse: „Viele Unternehmen behaupten sich weiterhin gut, und der gestiegene Anteil derjenigen, die ihre Aktivitäten ausweiten wollen, ist ermutigend. Der deutliche Anstieg der Unternehmen, die mit einem Personalabbau rechnen, deutet jedoch auf wachsenden Druck und zunehmende Unsicherheit hin. Wichtig ist deshalb, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmen Sicherheit für Investitionen und Neueinstellungen geben. Engere Beziehungen zur EU spielen dabei eine zentrale Rolle. Weniger Hürden im Handel und bei der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit sowie wettbewerbsfähigere regulatorische Rahmenbedingungen würden Unternehmen helfen, Chancen zu nutzen und Wachstum zu schaffen.“
Im Rahmen dieser Studie wurden 60 webbasierte Interviews mit Unternehmen der deutsch-britischen Wirtschaft, die im Vereinigten Königreich operativ aktiv sind, durchgeführt. Die Studie war Teil des World Business Outlooks der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Der Durchführungszeitraum war vom 19. bis 23. Oktober 2026. Die gesamten Ergebnisse sind unter https://grossbritannien.ahk.de/de/marktinformation/deutsch-britischer-wirtschaftsausblick abrufbar.