IHK-Standortreport: Wirtschaftsstandort erhält die Note 2,7

Nach 2016 und 2021 hat die IHK Würzburg-Schweinfurt den Standortreport Mainfranken neu aufgelegt. Zwischen März und Juli wurden 2.500 Mitgliedsunternehmen zu 64 Einzelindikatoren aus sechs Themenfeldern befragt. Die regionale Wirtschaft benotet ihren Standort mit der Schulnote 2,7.

Bemerkenswert ist vor allem eine Zahl: Fast drei Viertel der Betriebe würden sich heute wieder für einen Standort in Mainfranken entscheiden. „Sieben von zehn Unternehmen sagen Ja zu dieser Region – und das nach drei Krisenjahren, nach Energiepreissprüngen und gerissenen Lieferketten“, sagt IHK-Präsidentin Caroline Trips. „Das ist ein klares Bekenntnis für Mainfranken, das wir nicht kleinreden sollten.“

Jedes zweite Unternehmen vergibt für seinen Standort die Note „gut” oder „sehr gut”. In Verkehr und Logistik sind es sogar zwei Drittel. Insgesamt weist die Studie 20 klare Standortstärken aus. Gelobt werden beispielsweise die Lebensqualität, die Umwelt und Natur, die Anbindung ans Fernstraßennetz, die Erreichbarkeit für den Zu- und Ablieferverkehr, die Energieversorgung und -versorgungssicherheit, die medizinische Versorgung sowie das Kultur-, Sport- und Freizeitangebot.

„Das klingt weich, ist es aber nicht“, so Trips. „Im Wettbewerb um Fachkräfte ist Lebensqualität eine harte Währung. Wer eine Ingenieurin oder einen Facharbeiter gewinnen will, konkurriert nicht nur über das Gehalt, sondern auch über die Frage, ob ihre Familie hier gut leben kann. Auf diese Frage hat Mainfranken eine gute Antwort.“ Die IHK-Präsidentin hebt besonders den Zehnjahresvergleich hervor: Am stärksten haben sich seit 2016 die Breitbandinfrastruktur, die Mobilfunkanbindung und die Praxisnähe der Schulen verbessert. „Vor zehn Jahren haben wir noch über Funklöcher gesprochen. Heute gilt die Mobilfunkanbindung hingegen als klare Stärke der Region. Das ist der Beweis, dass Standortpolitik wirkt, wenn man ein paar Jahre lang dranbleibt.“

Standortreport benannt klare Handlungsfelder

Bei allen positiven Entwicklungen weist die Studie jedoch auch auf Problemfelder hin. Fünf Themen stechen als dringlichster Handlungsbedarf heraus: die Dauer von Genehmigungsverfahren, die Erreichbarkeit und Serviceorientierung der Behörden samt fehlender digitaler Verwaltungsverfahren, die Attraktivität der Innenstädte, der Zustand der Straßen und das Wohnraumangebot. Die lange Dauer von Genehmigungsverfahren zieht sich als gemeinsa-mer Nenner durch nahezu alle Branchen und Landkreise. „Ich lese diese Liste nicht als Anklage, sondern als Tagesordnung für die kommenden Gespräche mit den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung“, sagt Trips. Vier der fünf Punkte lägen in kommunaler und regionaler Hand. Das sei die gute Nachricht: „Wir müssen nicht auf Berlin warten.“ Über zehn Jahre eingetrübt haben sich zudem die Bewertungen der Energiekosten, der Verfügbarkeit gewerblicher Flächen, der Lohn- und Arbeitskosten sowie der Widerstandsfähigkeit der Region in Wirtschaftskrisen. Mit 2,7 ist die Gesamtnote schlechter als bei früheren Befragungen: 2021 lag sie bei 2,5 und 2016 bei 2,4. Knapp zehn Prozent der Betriebe ziehen eine Standortaufgabe in Betracht. 2016 waren es gut zwei Prozent. „Diese Zahl nehme ich sehr ernst“, so Trips. „Aber ich lese sie im richtigen Verhältnis: Zwei Drittel planen keine Veränderung und jedes fünfte Unternehmen will sogar erweitern. Der Standort wird nicht abgeschrieben, sondern kritisch begleitet. Und das ist auch gut so.“

Große Unterschiede zwischen den Regionen

An der Spitze der Skala liegt der Landkreis Schweinfurt mit der Note 2,3, gefolgt von Main-Spessart mit 2,5. Am kritischsten fällt das Urteil in der Stadt Schweinfurt und im Landkreis Haßberge aus. Es gebe in Mainfranken keinen Automatismus nach unten, betont Trips. „Wo Verwaltung, Politik und Betriebe eng zusammenarbeiten, kommt das in der Bewertung an. Genau deshalb haben wir so tief ausgewertet – damit die Regionen voneinander lernen können.“ Die Ergebnisse gehen nun an alle Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Wirt-schaftsförderer der Region sowie an die Abgeordneten. Vorgesehen sind Diskussionen in allen IHK-Gremialausschüssen sowie regionale Dialoggespräche vor Ort. Die Note 2,7 sei keine Bilanz, sondern, wie in den Vorjahren auch, eine Zwischenmessung, so Trips abschließend. „Mainfranken hat schon einmal bewiesen, dass es Schwächen in Stärken verwandeln kann. Machen wir das jetzt bei den Genehmigungsverfahren, bei den Gewerbeflächen und in unseren Innenstädten. Die Zahlen liegen auf dem Tisch.“

Weitere Informationen finden Interessierte online unter: www.wuerzburg.ihk.de/standortumfrage2026


Sonderauswertungen aller mainfränkischen Teilregionen

Würzburg, Stadt

Die Würzburger Unternehmen benoten ihre Stadt mit 2,6 und liegen damit über dem mainfränkischen Schnitt. 58 Prozent vergeben „gut“ oder „sehr gut“, und mit 80 Prozent Standorttreue erreicht Würzburg einen der Spitzenwerte der Region. Als Stärken nennen die Betriebe beispielsweise die medizinische Versorgung, das Profil und die Qualität der Hochschulen, die Anbindung ans Fernstraßennetz, das Kultur- und Freizeitangebot sowie die Lebensqualität. Gegenüber 2016 hat sich die Note allerdings um 0,3 Punkte verschlechtert, 38 Prozent sehen die Standortqualität der letzten fünf Jahre eher oder stark rückläufig.

Der dringendste Handlungsbedarf liegt in Würzburg spürbar im Alltäglichen: Parkplatzsituation, Dauer von Genehmigungsverfahren, Erreichbarkeit der Behörden, Wohnraumangebot und Straßenzustand. Dazu kommen als weitere Risiken die Grund- und Gewerbesteuer, die Baustellenkoordination, gewerbliche Immobilienpreise und die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen. Das Muster ist typisch für eine wachsende Oberzentrumsstadt: Was Würzburg attraktiv macht, erzeugt Druck auf Flächen, Wohnraum und Verkehr. Ungenutztes Potenzial sehen die Betriebe beim Stellenwert des Wissenschaftsstandorts und bei Unternehmensnetzwerken.

Schweinfurt, Stadt

Schweinfurt erhält mit 3,1 die kritischste Bewertung der Region und der Rückgang gegenüber 2016 und 2021 fällt mit jeweils 0,8 Notenpunkten am deutlichsten aus. Ein Viertel der Betriebe vergibt „gut“ oder „sehr gut“, zwei Drittel sehen die Standortqualität der letzten fünf Jahre verschlechtert. Zugleich würden zwei Drittel der Unternehmen die Stadt erneut als Standort wählen – das Fundament trägt also, aber es steht unter Belastung. Als Stärken benennen die Betriebe die Anbindung ans Fernstraßennetz, die Lebensqualität, das Kultur-, Sport- und Frei-zeitangebot, die Mobilfunkversorgung und die Praxisnähe der Berufsschulen.

Der Handlungsbedarf ist klar umrissen: Attraktivität der Innenstadt, Engagement der Politik für den Wirtschaftsstandort, Serviceorientierung und Erreichbarkeit der Behörden, Genehmigungsdauer sowie die Einschätzung der Zukunftsfähigkeit. Auffällig ist, dass mehrere dieser Punkte gleichzeitig zu den Faktoren mit der höchsten Bedeutung zählen – hier fallen Anspruch und Erfahrung besonders weit auseinander. Als Chancen weist die Studie den Stellenwert des Wissenschaftsstandorts, die Hochschulen, Unternehmensnetzwerke und die Akzeptanz von Wirtschaftsprojekten aus. 

Bad Kissingen

Bad Kissingen ist der einzige Landkreis Mainfrankens, dessen Note gegenüber 2016 leicht besser ausfällt: 2,6 gegenüber 2,7 vor zehn Jahren. 53 Prozent der Betriebe bewerten den Landkreis mit „gut“ oder „sehr gut“, 74 Prozent würden sich erneut hier ansiedeln. Bemer-kenswert ist die Entwicklungseinschätzung: 26 Prozent sehen eine Verbesserung der Standortqualität in den letzten fünf Jahren – ein Wert deutlich über dem mainfränkischen Durchschnitt. Zu den Stärken zählen Umwelt und Natur, die Anbindung ans Fernstraßennetz, die Erreichbarkeit für Zu- und Ablieferverkehr, die Mobilfunkversorgung und die Energieversorgungsicherheit. Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Genehmigungsdauer, der Breitbandinfrastruktur, den Energiekosten, dem Straßenzustand und der Verfügbarkeit von Auszubildenden. Beim ÖPNV, der Schienenanbindung und der öffentlichen Ladeinfrastruktur liegt die Zufriedenheit niedrig; hier zeigt sich der Mobilitätsnachteil des ländlichen Raums.

Rhön-Grabfeld

Mit 2,8 liegt Rhön-Grabfeld leicht unter dem mainfränkischen Schnitt, hat sich gegenüber 2016 aber stabil gehalten. 43 Prozent der Betriebe vergeben „gut“ oder „sehr gut“, zwei von drei Unternehmen würden sich erneut für den Landkreis entscheiden. Die Stärken liegen dort, wo der ländliche Raum seine Karten ausspielt: Umwelt und Natur, medizinische Versorgung, Nahversorgung, Lebenshaltungskosten für Mitarbeitende und – ein in Mainfranken seltener Befund – das Wohnraumangebot. Der Handlungsbedarf konzentriert sich auf zwei Blöcke. Erstens der Arbeitsmarkt: Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften sowie deren Qualifikation werden kritisch bewertet, ebenso die Lohn- und Arbeitskosten. Zweitens das Verhältnis zur Politik: Das Engagement zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts steht ganz oben auf der Liste des dringenden Handlungsbedarfs, dazu kommen fehlende digitale Verwaltungsverfahren. Gerade weil Rhön-Grabfeld beim Wohnen und bei den Lebenshaltungskosten günstige Voraussetzungen bietet, könnte die Region beim Werben um Arbeitskräfte mehr aus ihren Stärken machen.

Haßberge

Der Landkreis Haßberge erhält mit 3,1 die schwächste Note der Region und verliert gegenüber 2021 0,7 Punkte. 38 Prozent bewerten den Standort mit „gut“ oder „sehr gut“, jedoch sieht rund die Hälfte der Betriebe die Standortqualität der letzten fünf Jahre verschlechtert. Mit 51 Prozent ist auch die Standorttreue der niedrigste Wert Mainfrankens – hier besteht der deutlichste Handlungsdruck der gesamten Region. Die Stärken sind dabei durchaus vorhanden: Umwelt und Natur, Lebensqualität, Nahversorgung, günstige Lebenshaltungskosten und eine gut bewertete Energieversorgungssicherheit. Der dringende Handlungsbedarf betrifft die Infrastruktur der Daseinsvorsorge und der Verwaltung: Breitband, digitale Verwaltungsverfahren, Betreuungs- und Pflegeangebote für Senioren, Erreichbarkeit der Behörden und die medizinische Versorgung. Auffällig ist, dass Breitband hier weiterhin als Schwäche erscheint, während es mainfrankenweit zu den größten Fortschritten der letzten zehn Jahre zählt. Der Ausbau ist offenbar ungleich in der Fläche angekommen.

Kitzingen

Kitzingen liefert eines der bemerkenswertesten Ergebnisse dieser Befragung: Als einer von zwei Landkreisen Mainfrankens sehen hier mehr Unternehmen eine Verbesserung der Standortqualität in den letzten fünf Jahren (32 Prozent) als eine Verschlechterung (23 Prozent). Die Note liegt mit 2,7 im regionalen Mittel, 52 Prozent vergeben „gut“ oder „sehr gut“. Mit 82 Prozent gehört die Standorttreue zu den höchsten Werten Mainfrankens. Als Stärken nennen die Betriebe die Anbindung ans Fernstraßennetz, die Nähe zu Berufsschulen, das Angebot an Unternehmensnetzwerken, das Kinderbetreuungsangebot und die gewerblichen Immobilienpreise. Das ist ein bemerkenswertes Profil: Kitzingen punktet dort, wo Betriebe konkret planen – bei Flächenkosten, Ausbildung und Vereinbarkeit. Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Genehmigungsdauer, der Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften, dem Wohnraumangebot, dem Straßenzustand sowie bei Integrations- und Sprachangeboten für internationale Arbeitskräfte. Letzteres passt zum Wachstumskurs des Landkreises: Wer Personal aus dem Ausland gewinnt, braucht die passende Infrastruktur dazu.

Main-Spessart

Main-Spessart erreicht mit 2,5 die zweitbeste Note der Region – und ist der einzige Landkreis, dessen Bewertung sich gegenüber 2021 verbessert hat. Mit 83 Prozent erreicht die Standorttreue den höchsten Wert ganz Mainfrankens: Mehr als vier von fünf Unternehmen würden sich erneut hier niederlassen. 53 Prozent vergeben „gut“ oder „sehr gut“. Die Stärken sind breit gestreut: Energieversorgungssicherheit, medizinische Versorgung, Weiterbildungsangebote, die Praxisnähe der Schulen und die Parkplatzsituation. Handlungsbedarf sehen die Betriebe bei der Genehmigungsdauer, dem ÖPNV, der Verfügbarkeit von Auszubildenden, dem Engagement der Politik für den Wirtschaftsstandort und der Attraktivität der Innenstädte. Kritisch bewertet wird zudem die Anbindung ans Schienennetz – ein wiederkehrendes Thema im westlichen Mainfranken.

Schweinfurt, Landkreis

Der Landkreis Schweinfurt führt das mainfränkische Feld an: 2,3 lautet die Durchschnittsnote, 68 Prozent der Betriebe vergeben „gut“ oder „sehr gut“ – der höchste Wert der Region. Die Note hat sich gegenüber 2016 und 2021 nahezu vollständig gehalten. Auch die Entwick-lungsbilanz fällt positiv aus: 26 Prozent sehen eine Verbesserung, nur 19 Prozent eine Verschlechterung. Drei Viertel der Unternehmen würden sich erneut hier ansiedeln. Gelobt werden die Anbindung ans Fernstraßennetz, die Nähe zu Berufsschulen, der Stellenwert des Wissenschaftsstandorts, Umwelt und Natur sowie die Nahversorgung. Der Hand-lungsbedarf ist stark kostengetrieben: Energiekosten, Lebenshaltungskosten für Mitarbeitende und Lohn- und Arbeitskosten stehen oben, dazu die Genehmigungsdauer und die Akzeptanz von Wirtschaftsprojekten in der Region. Beim Flächenthema zeigt sich der Preis des Erfolgs: Verfügbarkeit gewerblicher Flächen und Immobilienpreise werden als Risiken ausgewiesen. Wer wächst, braucht Platz.

Würzburg, Landkreis

Der Landkreis Würzburg liegt mit 2,6 über dem Regionsschnitt, 58 Prozent der Betriebe vergeben „gut“ oder „sehr gut“, 71 Prozent würden erneut hier investieren. Die Entwicklungsbilanz ist nahezu ausgeglichen: 26 Prozent sehen eine Verbesserung, 29 Prozent eine Verschlechterung. Gegenüber 2021 hat die Note allerdings um 0,4 Punkte nachgegeben. Die Stärken liegen im Umfeld: Lebensqualität, Nahversorgung, medizinische Versorgung, Mobilfunkanbindung und das gastronomische Angebot. Der Landkreis profitiert erkennbar von seiner Lage im Umland des Oberzentrums. Der dringende Handlungsbedarf ist dagegen deutlich wirtschaftspolitisch geprägt: Energiekosten, fehlende digitale Verwaltungsverfahren, Lohn- und Arbeitskosten, Straßenzustand und das Verständnis der Politik für betriebliche Belange. Hinzu kommen Arbeitsmarktthemen – Verfügbarkeit und Qualifikation von Arbeits-kräften – sowie die Verfügbarkeit gewerblicher Flächen. Chancen sieht die Studie bei der Akzeptanz von Wirtschaftsprojekten und beim Weiterbildungsangebot.