EU: Effizientere Zollprozesse durch die neue European Business Wallet (EBW)

Die European Business Wallet (EBW) ist eine von der Europäischen Kommission im Rahmen des Digitalpakets vorgeschlagene digitale Unternehmensidentität und Verwaltungslösung. Sie ergänzt die EUDI-Wallet (für Bürgerinnen und Bürger) speziell auf Unternehmensseite.

Mit der Business‑Wallet für Unternehmen und der EUDI‑Wallet für natürliche Personen lassen sich Identitäten einfach prüfen. Die EUDI-Wallet richtet sich an natürliche Personen und dient als digitale Brieftasche für persönliche Dokumente. Die EBW ist auf Unternehmen und wirtschaftlich Tätige zugeschnitten und bildet insbesondere Unternehmensidentitäten, Rollen und Vertretungsbefugnisse ab.

Die Einführung der European Business Wallet (EBW) wird auch Auswirkungen auf internationale Lieferketten und behördliche Zollprozesse haben. Da europäische Behörden per Gesetz zur Akzeptanz der Wallet verpflichtet sind, wird sie zu einem zentralen Werkzeug zur Reduzierung von Bürokratie und Medienbrüchen an den Außengrenzen.

Bisher müssen Importeure und Exporteure ihre Firmenstammdaten und die zugehörige EORI-Nummer bei den Zollbehörden oft in separaten, teils manuellen Verfahren hinterlegen. Mit der EBW weisen Unternehmen ihre verifizierte juristische Identität und Handelsregisterdaten in Echtzeit digital nach. Die Zollbehörden können die Echtheit der Firmenexistenz ohne manuelle Rückfragen grenzüberschreitend prüfen.

Für viele Waren sind beim Zoll spezielle Lizenzen, Ursprungszeugnisse oder Konformitätsbescheinigungen erforderlich. Diese Nachweise können künftig als kryptografisch gesicherte digitale Zertifikate direkt in der Wallet des Unternehmens hinterlegt werden. Statt Dokumente einzuscannen oder per Post zu senden, werden die Nachweise automatisiert per Schnittstelle aus der EBW an die IT-Systeme des Zolls übermittelt.

Viele Unternehmen wickeln ihren Zoll nicht selbst ab, sondern beauftragen Zollspediteure oder Zollagenturen. Die dafür notwendigen Zollvollmachten lassen sich über die EBW digital erstellen, mit einem qualifizierten elektronischen Siegel versehen und manipulationssicher verwalten.

Die EBW fügt sich technologisch in die umfassenden Pläne der EU-Kommission zur Modernisierung des Zolls ein, insbesondere in das geplante neue Portal für Wirtschaftsbeteiligte (EU Customs Data Hub). Die EBW baut auf der eIDAS 2.0-Verordnung und dem europäischen Rahmen für digitale Identität auf. Nach Inkrafttreten haben die Mitgliedstaaten rund zwei Jahre Zeit für die Umsetzung; in Deutschland wird die Wallet als Ergänzung zu bestehenden Systemen wie “Mein Unternehmenskonto” und “ELSTER” vorbereitet. Die Nutzung durch Unternehmen wird freiwillig sein, während öffentliche Stellen zur Akzeptanz verpflichtet werden.

Die deutsche EUDI-Wallet für natürliche Personen startet Anfang Januar 2027 mit 40 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Es wird zwei Datentypen geben, Trust Services werden eingebunden und mehrere Anbieter sind möglich. Am 09.09.2026 teilte das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) in einer Pressemitteilung mit, dass "d-you" die deutsche Umsetzung des europäischen digitalen Identitätswallets (EUDI-Wallet) ist. Die App soll ab 2. Januar 2027 verfügbar sein.

Noch nicht so weit entwickelt ist die Umsetzung der EU Business Wallets (für Unternehmen), die sich noch im Gesetzgebungsprozess befindet.

Weitere Informationen:

EU-Brieftaschen für Unternehmen | Gestaltung der digitalen Zukunft Europas

Vorschlag für eine Verordnung über die Einrichtung europäischer Brieftaschen für Unternehmen | Gestaltung der digitalen Zukunft Europas

Im Kabinett: Die digitale Brieftasche kommt | Bundesregierung

DIHK-Stellungnahme zur geplanten European Business Wallet

d-you, EUDI & European Business‑Wallet (EBW) | IHK München