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Umwelt- und Ressourcenschutz

FNS-Studie: Schiefergasförderung in Deutschland

#Umwelt- und Ressourcenschutz #Umwelt

In einer Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung hat der ehemalige Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hans-Joachim Kümpel die Förderung von Schiefergas in Deutschland neu eingeordnet. Anlass dafür sind unter anderem die zuletzt gestiegenen Energiekosten und das Näherrücken der Klimaziele. Damit sowohl Energiekosten gesenkt werden können und auch Klimaneutralität in naher Zukunft erreicht werden kann, hält der Autor den Einsatz von Fracking in Deutschland für sinnvoll.

 

Vor dem Hintergrund hoher Gasimportpreise und Abhängigkeiten von geopolitischen Krisen wird die Förderung heimischen Schiefergases durch Fracking diskutiert. Aktuell besteht in Deutschland ein kommerzielles Fracking-Verbot, geregelt im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) von 2016/2017 und ergänzt durch weitere Regelungen im Umwelt- und Bergrecht.

Sollte Deutschland seine Gasreserven weiter anzapfen wollen, müsste zunehmend auf Fracking zurückgegriffen werden. Das Förderpotenzial in Deutschland wird auf rund 1.000 Mrd. m³ Erdgas geschätzt, davon ca. 800 Mrd. m³ Schiefergas und 220 Mrd. m³ Flözgas. Bei einem realistischen Förderansatz ließen sich ungefähr 20 Mrd. m³ Erdgas pro Jahr fördern. Das ergab die Auswertung einer Studie basierend auf 15.000 Gesteinsproben aus dem Jahr 2016. Dabei beschränken sich die Abbauregionen auf Norddeutschland und Teile von Nordrhein-Westfalen (Schiefergas), sowie das Münsterland, den Niederrhein und das Saarland (Flözgas).

Beim Fracking wird die Technik des Horizontalbohrens eingesetzt, wodurch mit wenigen Bohrstellen an der Oberfläche große Gasvorkommen effizient erschlossen werden können. Jedoch stellt sich die Frage, wie schädlich Fracking ist. Vor allem in der Bevölkerung kursieren viele Ängste, die laut Kümpel weitestgehend unbegründet sind. Er listet folgende mögliche Schäden auf, die auftreten könnten und argumentiert wieso diese in Deutschland ausgeschlossen oder sehr unwahrscheinlich sind:

  • Abteufung von vertikalen und horizontalen Bohrlöchern: die Sorge, dass es zu Lecks an den Leitungen kommen könnte und Gas und Flüssigkeit austrete, entkräftet Kümpel mit der Gegebenheit der Stahlrohre (Mehrschichtiger Stahl, Zementschichten, Sicherheitsventile bei Druckproblemen). Zudem solle es eine ständige Überwachung geben, so dass im Falle eines Lecks unverzüglich agiert werden könnte.
  • Risiken für das Grundwasser: die Verunreinigung des Grundwassers sei nur möglich, wenn an der Oberfläche Unfälle oder Fehler passieren, da die Bohrungen in über 1000 Metern Tiefe erfolgen und so keinen Kontakt mit dem Grundwasser, was sich in 10-100 Metern Tiefe befindet, entstehe. Obwohl der Großteil des Fracfluids und auch des Gases an die Oberfläche befördert würden, könnten kleine Reste in der Tiefe verbleiben. Aufgrund der natürlichen Begebenheiten des Gesteins in über 1000 Metern Tiefe, sei es jedoch ausgeschlossen, dass Gas oder Flüssigkeit unkontrolliert bis an die Erdoberfläche aufsteigen könnte. Das zurückbeförderte Fracfluid würde entweder ordnungsgemäß entsorgt oder gereinigt wieder dem Wasserkreislauf zugeführt. Ein ernstzunehmendes Problem sei die Knappheit an Grundwasser, die entstehen könnte - doch mit der richtigen Planung sei auch dies kein Problem, meint Kümpel.
  • Erdbebengefahr: ein Erdbebenrisiko besteht laut Kümpel eher bei konventioneller Gasförderung, nicht aber bei gezieltem kurzfristigem Fracking.
  • Gesundheitsrisiken: das Argument, das in Regionen in denen Fracking betrieben wird, Krankheitsraten höher sind, wird laut Kümpel dadurch entkräftet, dass diese nicht direkt auf den Einsatz von Fracking zurückgeführt werden können. Das Fracfluid ist laut Kümpel in geringen Mengen ähnlich schädlich für Menschen wie geringe Mengen von Schwimmbadwasser.
  • Bevölkerungsdichte: die Fracking-Eingriffe wären nach Kümpels Einschätzung zeitlich begrenzt und nicht dauerhaft. Die Anlagen wären für die Zeit der Förderung sichtbar, würden danach aber dekonstruiert und Bohrlöcher wieder verschlossen. Der Aufwand und die Sichtbarkeit wären vergleichbar mit anderen Energieprojekten.

Die Studie verweist ergänzend auf die zahlreichen Vorteile, die ein Einsatz von Fracking zur Gewinnung von Schiefergas in Deutschland hätte:

  • Klimaschutz: durch die Verringerung von Importen energieintensiven LNGs (Verflüssigung, Transport, Erwärmung) könnten laut Kümpel über 20 Jahre rund 100 Mrd. m³ Gas sowie etwa 200 Mio. Tonnen CO₂ eingespart werden. Zudem wäre aufgrund moderner Technologien in Deutschland eine emissionsärmere Förderung als in vielen Importländern möglich, was die globalen Emissionen senken könnte.
  • Stärkung des Wirtschaftsstandortes: die Förderung eigener fossiler Energie würde Devisen sparen, Wertschöpfung im Land halten, Arbeitsplätze schaffen und zusätzliche Staatseinnahmen generieren. Die Förderkosten für deutsches Schiefergas könnten zwischen 25 und 42 Euro pro Megawattstunde liegen. Obwohl diese beispielsweise in den USA deutlich günstiger sind, dürfte laut Kümpel durch den Entfall von Transport- und Verflüssigungskosten, sowie den Bau von zusätzlicher Infrastruktur wie LNG-Terminals, der Endpreis von deutschem Schiefergas dennoch wirtschaftlich sein. Gleichzeitig würden Abhängigkeiten von Importen reduziert, was stabilere Preise, mehr Versorgungssicherheit und größere politische Handlungsfreiheit ermöglichen. Das zusätzliche Gas könnte zudem den Übergang zu erneuerbaren Energien absichern, da diese noch nicht vollständig ausgebaut sind. Erdgas fungiert dabei als zeitlich begrenzte Brückentechnologie mit abnehmenden Fördermengen.
  • Nachnutzung: zusätzlich gäbe es laut Kümpel die Option, die Bohrlöcher und Infrastruktur im Anschluss für Geothermie zu nutzen, was enorme Kosten sparen und den Weg in die erneuerbare Energie erleichtern würde.

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