Die Nachfrage nach Kapazitäten im geplanten Wasserstoff-Kernnetz hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Nach Angaben der beteiligten Netzbetreiber haben sich die zahlungspflichtigen Reservierungen seit dem Start des Reservierungsverfahrens im März von rund 3 GW auf knapp 6 GW Ein- und Ausspeisekapazität erhöht.
Die reservierten Kapazitäten betreffen überwiegend Zeiträume ab 2030. Besonders hohe Buchungen wurden in den Clustern Nord-West, Aachen und MosaHYc entlang der deutschen Westgrenze verzeichnet. Dort sind ab 2031 jährlich rund 2 GW Einspeise- und etwa 1 GW Ausspeisekapazität reserviert. Im Cluster Ost belaufen sich die Reservierungen ab 2030 auf knapp 1,2 GW Einspeise- sowie rund 0,6 GW Ausspeisekapazität. Darüber hinaus wurden zwischen den Clustern Nord-West und Ost Kapazitäten von mehr als 0,5 GW gebucht.
Bereits ab 2027 besteht in den bayerischen Clustern Burghausen und Ingolstadt Nachfrage nach Ausspeisekapazitäten. Dort sind nach Angaben der Netzbetreiber jährlich mehr als 0,6 GW reserviert. Dem stehen bislang vergleichsweise geringe Einspeisereservierungen gegenüber.
Die Netzbetreiber berichten zudem, dass die Nachfrage in mehreren Fällen die ursprünglich ausgewiesenen Kapazitäten überstieg. Um zusätzliche Reservierungen zu ermöglichen, wird ein sogenannter Übernachfrageprozess angewendet. Dabei wird geprüft, ob Kapazitäten innerhalb der jeweiligen Angebotszonen verlagert werden können, um weitere Buchungen zu berücksichtigen. Die Netzbetreiber weisen darauf hin, dass dieser Prozess weiterhin genutzt werden kann und auch Anfragen für Kapazitäten oberhalb der aktuell ausgewiesenen Verfügbarkeiten möglich sind.
Das Wasserstoff-Kernnetz wird schrittweise aufgebaut. Für das Jahr 2026 sind zunächst kleinere Cluster in Nordrhein-Westfalen, Nordostdeutschland, Mitteldeutschland und Bayern vorgesehen. Bis Ende 2029 sollen die beiden großen Cluster Nord-West und Ost entstehen und miteinander verbunden werden. Ergänzt wird das Netz durch die regionalen Cluster Aachen, MosaHYc sowie Ingolstadt und Burghausen.
Die aktuellen Reservierungszahlen werden als Hinweis auf das wachsende Interesse von Marktteilnehmern an der zukünftigen Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland gewertet.