Trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen gibt es in vielen Bereichen der Energie- und Mobilitätswende weiterhin positive Entwicklungen. Aktuelle Daten und Praxisbeispiele zeigen Fortschritte bei der Elektromobilität, der Batterietechnologie sowie beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Die Entwicklungen verdeutlichen, wie Innovationen, Investitionen und Infrastrukturprojekte zur Transformation von Wirtschaft und Industrie beitragen können.
TOP 1: Elektromobilität
1) Sinkende Preise, größere Auswahl, wachsende Kaufbereitschaft sowie weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur
Elektroautos werden für immer mehr VerbraucherInnen attraktiv. Laut einer Studie von ICCT und Fraunhofer ISI sind vergleichbare Elektrofahrzeuge in Deutschland zwischen 2020 und 2025 inflationsbereinigt um rund 18 Prozent günstiger geworden. Gleichzeitig stieg die Zahl der verfügbaren Modelle von 38 auf 159 Modelle. Sinkende Batteriepreise und ein wachsendes Angebot könnten den Preisrückgang künftig weiter beschleunigen.
Auch die Nachfrage entwickelt sich positiv. Nach einer Analyse von McKinsey stieg die Kaufbereitschaft für Elektroautos in Deutschland von 22 Prozent im Jahr 2023 auf 31 Prozent im Jahr 2026.
Auch europaweit zeigt sich eine positive Entwicklung. Nach Angaben des EV Charging Index der Strategieberatung Roland Berger stiegen die Verkäufe 2025 um rund ein Drittel auf 3,7 Millionen Fahrzeuge. Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen lag damit bei knapp 30 Prozent.
Neben privaten Haushalten setzen auch Unternehmen verstärkt auf elektrische Antriebe. Laut einer Studie von IKND und Dataforce verfügen bereits 94 Prozent der Großunternehmen mit mehr als 50 Fahrzeugen, über mindestens ein Elektrofahrzeug im Fuhrpark. Gleichzeitig waren batterieelektrische Fahrzeuge mit einem Anteil von 30 Prozent an den Neuzulassungen im Flottenmarkt im ersten Halbjahr 2026 erstmals die führende Antriebsart. Zudem gehen zwei Drittel der Großunternehmen davon aus, ihre Flotten bis 2035 nahezu emissionsfrei betreiben zu können.
Parallel wächst die öffentliche Ladeinfrastruktur weiter. Nach Angaben der Bundesnetzagentur (Ladeinfrastruktur in Zahlen) erhöhte sich die Zahl der Ladepunkte innerhalb eines Jahres um 18.779 Normalladepunkte und 13.251 Schnellladepunkte. Insgesamt standen zum 1. Juli 2026 rund 209.605 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung.
2) Neue Entwicklungen in Batterietechnologie und Kreislaufwirtschaft
Das Unternehmen Norcsi aus Halle entwickelt Batteriezellen mit einer reinen Silizium-Anode. Silizium kann deutlich mehr Energie speichern als Graphit-Anoden, galt bisher jedoch aufgrund seiner starken Ausdehnung beim Laden als schwierig einsetzbar. Norcsi setzt hierfür auf ein aus der Halbleiterindustrie bekanntes Vakuumbeschichtungsverfahren, mit dem stabile Nanostrukturen im Silizium erzeugt werden sollen. Ziel ist es, die Herstellung reiner Silizium-Anoden industriell skalierbar zu machen. Gelingt die Überführung in die Serienfertigung, könnten höhere Energiedichten, ein geringerer Materialeinsatz und niedrigere Produktionskosten erzielt werden. Dies könnte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Batterie- und Automobilindustrie stärken. Das Unternehmen baut derzeit eine Pilotproduktion auf und führt nach eigenen Angaben Gespräche mit Automobilherstellern wie Volkswagen, über mögliche Lizenzfertigungen.
Auch alternative Batteriekonzepte werden weiterentwickelt. Nach erfolgreichen Tests einer Batterietechnologie auf Basis von Keramik und Kochsalz im Jahr 2024, die ohne Lithium, Kobalt oder Kupfer auskommt, wird das geplante Batterieprojekt „Cerenergy“ im Lausitzer Industriepark Schwarze Pumpe aufgrund fehlender Investitionen eingestellt. Das Fraunhofer IKTS will die Weiterentwicklung und mögliche industrielle Anwendung dennoch weiter vorantreiben.
Neben der Forschung an neuen Batteriezellen entstehen auch neue Formate, um Innovationen schneller in die industrielle Anwendung zu bringen. Mit der „Cell Giga Challenge“ öffnet Tesla beispielsweise seine Batteriezellfertigung in Grünheide für Startups. Unternehmen können neue Technologien für Materialien, Fertigungsprozesse, Automatisierung und Künstliche Intelligenz im Rahmen von Pilotprojekten gemeinsam mit Tesla unter realen Produktionsbedingungen erproben. Das Programm soll Innovationen schneller in die industrielle Batteriezellproduktion überführen und begleitet den weiteren Ausbau der Zellfertigung am Standort Grünheide. Die Bewerbungsfrist endete Ende Juli, der Programmstart ist für August vorgesehen.
Neben der Weiterentwicklung von Batterientechnologien, rücken zunehmend Themen wie Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz in den Fokus. Mit dem neuen "Center for the Transformation of Chemistry" (CTC) in Delitzsch und Merseburg entsteht derzeit eine Forschungsplattform, die unter anderem an vollständig recyclebaren Fahrzeugen und nachhaltigen Materialien für die Automobilindustrie arbeitet.
TOP 2 Wasserstoffprojekte erreichen wichtige Meilensteine
1) AquaDuctus erreicht nächsten Meilenstein
Für das Offshore-Wasserstoffpipelineprojekt AquaDuctus haben vor Norderney die Baugrunduntersuchungen begonnen. Mit dem Beginn der Untersuchungen wird ein weiterer Schritt von der Planung hin zur Umsetzung vollzogen. AquaDuctus soll künftig große Mengen grünen Wasserstoffs aus der Nordsee an das deutsche Festland transportieren. Das Projekt gilt als wichtiger Baustein für den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur und die Versorgung von Industrie und Wirtschaft mit klimafreundlichen Energieträgern
Kurz erklärt: AquaDuctus ist eine geplante Offshore-Pipeline, die grünen Wasserstoff aus der Nordsee nach Deutschland transportieren soll. Sie ist Teil der AquaVentus-Initiative und soll künftig Offshore-Windenergie mit der entstehenden Wasserstoffinfrastruktur an Land verbinden.
2) Erster grüner Wasserstoff fließt durchs Kernnetz
Mit dem Projekt GET H2 Nukleus wurde erstmals erneuerbar erzeugter Wasserstoff aus der Elektrolyse in Lingen über ein im Aufbau befindliches Wasserstoffkernnetz zu einem Industriekunden transportiert. Der von RWE produzierte Wasserstoff fließt über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz zum Chemiepark Marl von Evonik im Ruhrgebiet.
3) Drei Wasserstoffzüge für die Strecke Mühldorf–Burghausen
Am 17. Juli 2026 haben die Südostbayernbahn und Siemens Mobility gemeinsam mit Vertretern aus Bundes- und Landespolitik den ersten Wasserstoffzug für den Regelbetrieb in Bayern vorgestellt. Bei der offiziellen Präsentation in Mühldorf wurde der Siemens Mireo Plus H symbolisch in die Flotte der Südostbayernbahn aufgenommen. Aktuell absolvieren die Fahrzeuge Test- und Schulungsfahrten, bevor ab Dezember 2026 drei Wasserstoffzüge regulär auf der Strecke Mühldorf–Burghausen verkehren werden.
Die Wasserstoffversorgung erfolgt über eine neu errichtete Tankstelle von DB Energie in Mühldorf, die vollständig mit Ökostrom betrieben wird. Unterstützt wird das Vorhaben durch Fördermittel des Bundesministeriums für Verkehr. Für die Beschaffung der Wasserstoffzüge wurden 4,4 Millionen Euro bereitgestellt, weitere 3,8 Millionen Euro flossen in die Tankstelleninfrastruktur. Die Finanzierung erfolgt teilweise über den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan (DARP) sowie über das europäische Programm NextGenerationEU.