Eine gemeinsame Befragung der IHK Würzburg-Schweinfurt und der Universität Würzburg zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen zeigt: Die Werkzeuge sind im Arbeitsalltag angekommen, in den automatisierten Prozessen jedoch noch nicht. Die wichtigste Fähigkeit ist das kritische Nachprüfen der KI-Ergebnisse.
„Wenn in Mainfranken von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, geht es selten um Roboter und fast immer um den Schreibtisch“, fasst Professorin Carolin Wienrich von der Universität Würzburg das Bild zusammen, das eine gemeinsame Umfrage der IHK Würzburg-Schweinfurt und der Julius-Maximilians-Universität zeichnet. KI ist in den Firmen längst verbreitet, im Schnitt sind 3,7 verschiedene Werkzeuge im Einsatz. Am häufigsten wird ChatGPT mit rund 62 Prozent genannt, gefolgt von Claude und Microsoft Copilot mit jeweils 45 Prozent sowie dem Übersetzungsdienst DeepL mit 36 Prozent. Rund ein Drittel der Befragten nutzt eine unternehmenseigene KI-Lösung.
Die Anwendungen sind weniger spektakulär als die Debatte vermuten lässt. Mit je 91 Prozent stehen gleichauf an erster Stelle die Recherche und das Verfassen von Textentwürfen, dahinter folgt das Zusammenfassen von Informationen mit 66 Prozent. Sobald es tiefer in die betrieblichen Abläufe geht, wird es dünn: Nur 19 Prozent nennen Prozessautomatisierung. „KI ist am Arbeitsplatz angekommen, in den Prozessen hingegen noch nicht“, bilanziert IHK-Digitalisierungsreferentin Julia Holleber.
Dazu passt auch, welche Rolle die Befragten der Technik zuschreiben. Am häufigsten wurde das Bild der persönlichen Assistenz gewählt, die bei Organisation und Routineaufgaben hilft (32 Prozent). Auf den weiteren Plätzen folgen der Sachbearbeiter, der klar definierte Aufgaben selbstständig erledigt, mit 17 Prozent und der Projektpartner mit 15 Prozent. Nur 13 Prozent sehen KI auf Augenhöhe oder darüber. Auffällig dabei ist, dass diejenigen, die der KI die Rolle eines eigenständigen Partners oder Kollegen zutrauen, ihre eigenen Kenntnisse auch höher einschätzen als diejenigen, die in ihr vor allem eine Assistenz sehen.
Die Skepsis ist keine Wissenslücke
In der Gesamtschau überwiegt unter den Firmen beim Thema KI die Zuversicht. Auf einer Skala von 1 („großes Risiko“) bis 10 („große Chance“) liegt der Durchschnitt bei 6,8, wobei gut jeder Zweite (43 Prozent) 8 Punkte oder mehr vergibt. 30 Prozent der Befragten sehen in KI für die eigene berufliche Entwicklung eher Risiken. Diese Gruppe unterscheidet sich in ihren KI-Kenntnissen kaum vom Rest, sodass sich die Zurückhaltung nicht mit fehlendem Wissen erklären lässt.
Das spiegelt sich auch in der Frage wider, welche Fähigkeiten künftig zählen. Gut die Hälfte der Befragten nennt die Kompetenz, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen und einzuordnen. Datenschutz, rechtliche Fragen und ethische Verantwortung folgen, rein technische Fertigkeiten landen dahinter.
Fast die Hälfte der Firmen hat Regeln
Beim betrieblichen Regelwerk sind die Unternehmen weiter, als man erwarten würde: Fast die Hälfte (49 Prozent) verfügt über eine schriftliche Richtlinie oder Betriebsvereinbarung, 30 Prozent untersagen den Einsatz privater KI-Anwendungen ausdrücklich. Zugleich arbeitet rund ein Viertel der Befragten (23 Prozent) bislang ohne jede Regelung. Der Unterschied verläuft entlang der Betriebsgröße: Bei den Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten haben gut 70 Prozent eine Richtlinie, bei den Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten ist es keines. Dabei zeigen die Daten, dass klare Regeln den Einsatz nicht ausbremsen, denn Betriebe mit Richtlinie nutzen KI im Schnitt breiter und intensiver als solche ohne Richtlinie.
Entsprechend gefragt ist praktische Orientierung. So wünschen sich 70 Prozent Anwendungsbeispiele aus der Praxis, 53 Prozent Veränderungen von Arbeitsprozessen und 47 Prozent rechtliche Rahmenbedingungen. Grundlagenwissen zur Funktionsweise von KI steht mit 38 Prozent am Ende der Liste.
Der Bedarf entsteht im Betrieb
Die Umfrage liefert eine überraschend klare Antwort auf die Frage, wann genau eine KI-Weiterbildung benötigt wird: nämlich bei der Einführung neuer digitaler oder KI-gestützter Prozesse im Unternehmen. Die klassischen Stationen einer Berufsbiografie – Einstieg, Rückkehr nach einer Pause oder Übernahme einer neuen Position – landen dagegen allesamt im Mittelfeld.
Den hohen Bedarf sehen Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht sich in ihrer persönlichen Weiterentwicklung weiter als das eigene Unternehmen. Es hapert weniger an den Menschen als an der Umsetzung im Betrieb. Bei den Formaten werden die Wünsche sehr konkret: Rund vier Fünftel wollen Angebote von höchstens einem halben Tag, am liebsten online mit Trainerin oder Trainer oder als begleitetes Selbstlernen.
Zur Umfrage
An der Online-Befragung im Sommer 2026 haben sich 53 Unternehmen aus Mainfranken beteiligt, überwiegend aus den Bereichen Industrie, IT und Handel. Aufgrund der Teilnehmerzahl und der freiwilligen Teilnahme handelt es sich um eine qualitative Erhebung, die Tendenzen aufzeigt, jedoch keine repräsentativen Werte für die regionale Wirtschaft liefert.