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2025

Neue IHK-ibi-Handelsstudie: Einzelhandel steht vor tiefgreifendem Strukturwandel

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Der regionale Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen. Die Unternehmen leiden vor allem unter der bürokrati-schen Regulierung. Zudem stehen viele Händler vor der Herausforderung der Unternehmensnachfolge. Dies sind zentrale Ergebnisse der neuen IHK-ibi-Handelsstudie.

Der mainfränkische Einzelhandel befindet sich weiter in einer Umbruchphase. Zwar ist das stationäre Geschäft nach wie vor der mit Abstand wichtigste Vertriebskanal, der Multi-Channel-Vertrieb ge-winnt jedoch zunehmend an Bedeutung. Die Digitalisierung bietet der Branche Chancen, stellt sie aber – neben anderen Faktoren wie Nachhaltigkeit, Bürokratie oder Unternehmensnachfolge – auch vor große Herausforderungen.

Dies nehmen die IHK Würzburg-Schweinfurt und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Anlass, die aktuelle Situation im Einzelhandel genauer zu beleuchten. Unterstützt werden sie dabei vom ibi-Institut an der Universität Regensburg, das zwischen August und November 2024 bundesweit rund 2.100 Einzelhändler zu verschiedenen Themen befragt hat. Neben Themen wie IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit, Bürokratie und Unternehmensnachfolge stehen Chancen und Herausforderungen im Fokus der Studie „Der deutsche Einzelhandel 2024“. Eine Sonderauswertung für Mainfran-ken geht näher auf regionale Strukturen und Entwicklungen ein.

Ein Blick in die Details

Mit rund neun von zehn Nennungen betreibt die Mehrheit der mainfränkischen Einzelhändler ein stationäres Ladengeschäft. Allerdings setzt mehr als jeder Zweite auf den Multi-Channel-Vertrieb: Neben dem stationären Geschäft werden die Waren auch über Online-Vertriebskanäle angeboten. Der rein stationäre Handel und der reine Online-Handel sind mit gut einem Drittel bzw. einem Zehntel in der Minderheit. Dieser Trend spiegelt die Entwicklung in ganz Deutschland wider.

Umsatzpotenziale über digitale Vertriebskanäle

Die Digitalisierung spielt für viele Händler bereits heute eine wichtige Rolle, wobei eine Mehrheit weitere Umsatzpotenziale in den kommenden fünf Jahren sieht. Insbesondere beim Vertrieb über Apps, Online-Shops, Plattformen wie Amazon sowie über Social Media erwarten die befragten Händler eine steigende Bedeutung. Im stationären Geschäft rechnen sie dagegen mehrheitlich mit sinkenden Umsätzen. Digitale Marketingstrategien wie eigene Websites, Google-Profile und die Nutzung sozialer Medien sind weit verbreitet. Bei der Frage nach dem digitalen Wissen im Unternehmen und der Vorbereitung auf die Herausforderungen der Digitalisierung bescheinigen sich viele Händler eine eher mittlere Kompetenz. Sie geben an, dass die Digitalisierung vor allem Chefsache ist: Nur jedes vierte Handelsunternehmen hat einen Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut. Auffällig ist, dass 60 Prozent der Unternehmen weder über eine Digitalisierungsstrategie verfügen noch eine solche planen.

Bürokratie und Wettbewerb sind zwei große Belastungen für den Handel. Die bürokratische Regulierung wird von über 80 Prozent der Befragten als große Belastung empfunden. Hinzu kommt der Wett-bewerbsdruck, insbesondere durch Marktplätze wie Amazon und eBay, den 70 Prozent der Händler als problematisch empfinden. Im Vergleich zu den deutschlandweiten Ergebnissen ist die Belastung durch diese Aspekte in Mainfranken stärker ausgeprägt. Weitere Herausforderungen ergeben sich aus den hohen Energiekosten, die bei 56 Prozent der Befragten für eine getrübte Stimmung sorgen. Auch der Fachkräftemangel (52 Prozent) und sinkende Passantenfrequenzen (50 Prozent) belasten das Geschäft.

Herausforderung Unternehmensnachfolge

Als weitere Herausforderung identifiziert die Studie die Unternehmensnachfolge. Vier von zehn Unternehmen planen in den nächsten zehn Jahren eine Nachfolgeregelung. Bedenkt man, dass 63 Pro-zent der Unternehmen inhabergeführt sind, ergibt sich daraus ein Risiko für die gesamte Branche. Denn fällt der Chef aus, ist die Zukunft des gesamten Unternehmens ungewiss. „Leider stellen wir fest, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer erst wenige Jahre vor dem angestrebten Ruhestand ernsthaft mit der Unternehmensnachfolge beschäftigen. Dabei bedarf auch die Nachfolge innerhalb der eigenen Familie oder der Belegschaft einer mehrjährigen Vorbereitung, etwa um die notwendigen Qualifikationen zu erwerben und die neue Generation vernünftig einzuarbeiten. Wenn in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, wird sich die Situation verschärfen, weil einfach immer weni-ger junge Menschen zur Verfügung stehen. Und auch auf Notfälle sind viele Unternehmen nicht vorbereitet“, gibt Dr. Christian Seyn-stahl, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik und Unternehmensförde-rung, zu bedenken. Die IHK berät und unterstützt ihre Mitglieder bei diesen Themen. Wichtig sei jedoch, sich möglichst frühzeitig Gedan-ken darüber zu machen, wie die Unternehmenssicherung gestaltet werden kann.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, so Seynstahl, dass der Einzelhandel vor erheblichen strukturellen Veränderungen stehe. „Neben der Notwendigkeit, die Digitalisierung voranzutreiben, stehen die Unternehmen unter dem Druck, sich an neue Wettbewerbsbedingungen und regulatorische Anforderungen anzupassen und gleichzeitig Lösungen für eine nachhaltige Zukunftssicherung zu finden.“ Die Politik sei gefordert, die Rahmenbedingungen wirtschaftsfreundlicher zu gestalten und die Planbarkeit durch mehr Verlässlichkeit zu verbessern. „Hier ist in den letzten Jahren leider viel Vertrauen verspielt worden, was sich in der konjunkturellen Entwicklung wider-spiegelt. Die Ergebnisse der Studie zeigen große Herausforderungen auf. Die Erkenntnisse müssen nun in die wirtschaftspolitische Arbeit einfließen“, so Seynstahl.

Information:
Dr. Christian Seynsthal
Tel. 0931 4194-314
E-Mail: christian.seynstahl@wuerzburg.ihk.de    
 

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