Wenn am Abend die letzten Mitarbeitenden das Betriebsgelände verlassen, kehrt bei H-Möller Fahrzeugbau in Motten heute etwas zurück, das vielerorts selten geworden ist: Dunkelheit. Wo früher die ganze Nacht über Außenleuchten brannten, bleiben die Lampen inzwischen aus. Nur dort, wo tatsächlich gearbeitet wird, wird Licht eingeschaltet.
Für diese bewusste Entscheidung wurde das Unternehmen „Helmut Möller GmbH & Co. Fahrzeugbau und Landtechnik KG“ am 18. August 2026 als erster Betrieb im Bayerischen Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön mit dem Prädikat #lichtbewusstsein ausgezeichnet.
Der Weg dahin begann mit einer einfachen Frage: Wie kann ein Unternehmen selbst dazu beitragen, die natürlichen dunklen Nächte der Rhön zu bewahren? „Durch die Arbeit des Sternenparks Rhön bin ich auf das Thema Lichtverschmutzung aufmerksam geworden und habe mich gefragt, welchen Beitrag wir als Unternehmen leisten können. Unsere Lösung ist erfreulich unspektakulär: Wo kein Licht gebraucht wird, bleibt es aus“, erklärt Sebastian Klüh, Geschäftsführer von H-Möller Fahrzeugbau.
Was einfach klingt, hat eine große Wirkung. Die dauerhafte Beleuchtung des Geländes wurde abgeschaltet. Nur noch vereinzelt kommen Leuchten zum Einsatz, wenn Arbeiten im Außenbereich dies erfordern. Um auch diese Beleuchtung möglichst naturverträglich zu gestalten, wurden die LED-Fluter mit speziellen Farbfilterfolien ausgestattet. Das zuvor grelle Licht wirkt nun deutlich wärmer und enthält weniger blaues Licht. Zusätzlich wurden die Strahler so ausgerichtet, dass sie gezielt Arbeitsflächen beleuchten, statt die Umgebung oder den Nachthimmel aufzuhellen.
„Der Effekt ist enorm. Man sieht deutlich, dass nun insgesamt weniger Licht in die Umgebung leuchtet. Auch die Mitarbeitenden sind zufrieden und kommen gut mit der angepassten Beleuchtung zurecht“, berichtet Klüh.
Dunkle Nächte sind Lebensraum
Für den Sternenpark Rhön ist das ein wichtiges Signal. Lichtverschmutzung entsteht überall dort, wo künstliches Licht die natürliche Dunkelheit verdrängt. Der Verlust dunkler Nächte betrifft jedoch nicht nur den Blick auf die Sterne. Zahlreiche Tierarten orientieren sich am natürlichen Wechsel von Tag und Nacht. Besonders Insekten, Fledermäuse und viele andere nachtaktive Tiere leiden unter dauerhaftem Kunstlicht. Auch Pflanzen reagieren sensibel auf veränderte Lichtverhältnisse.
„Die Rhön gehört zu den wenigen Regionen Deutschlands, in denen die Nacht noch vielerorts wirklich dunkel ist. Damit das so bleibt, brauchen wir Partner, die Verantwortung übernehmen. Gerade bei Unternehmen schlummert oft großes Potenzial. Häufig reichen schon kleine Anpassungen aus, um die Lichtverschmutzung deutlich zu reduzieren und gleichzeitig Energie und Kosten zu sparen“, betont Philipp Vögele, der die Initiative auf Seiten der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön betreut.
Mit gutem Beispiel für den Schutz der Nacht
„Als Sternenpark-Kommune im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ist uns der Schutz der Nacht ein wichtiges Anliegen. Unsere besondere Sternenlandschaft gilt es zu erhalten – für die Natur, für die Tierwelt und für die Menschen in unserer Region. Ich finde es sehr positiv, dass die Firma Möller hier aktiv wird und mit gutem Beispiel vorangeht. Entscheidend ist, nicht nur über das Thema zu sprechen, sondern etwas zu tun“, bringt es Katja Habersack, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Motten, auf den Punkt.
„Jeder kann bei sich selbst anfangen und prüfen, wo Beleuchtung wirklich notwendig ist und wo sich etwas verbessern lässt. Oft braucht es den ersten Schritt einzelner Akteure, damit Bewegung entsteht. Wenn viele mitmachen, können wir gemeinsam einen Beitrag zum Schutz unserer Rhöner Nacht leisten.“
„H-Möller zeigt beispielhaft, dass sich betriebliche Anforderungen und der Schutz der natürlichen Dunkelheit mit einfachen, praxistauglichen Maßnahmen gut verbinden lassen. Davon profitieren Biodiversität, Energieverbrauch und letztlich auch das Unternehmen selbst. Gleichzeitig ist der Erhalt dunkler Nächte nicht nur ein wichtiges Thema für die Nachhaltigkeit, sondern auch für den Tourismus in der Rhön“, sagt Dr. Christian Seynstahl von der IHK Würzburg-Schweinfurt. „Umso mehr freut es uns, H-Möller nicht nur als erstes mit #lichtbewusstsein ausgezeichnetes Unternehmen, sondern auch als Mitglied in unserem Bündnis Biodiversität Mainfranken begrüßen zu dürfen. Das Unternehmen zeigt damit, wie vielfältig betriebliches Engagement für biologische Vielfalt sein kann.“
Mit der Auszeichnung #lichtbewusstsein möchten die Bayerische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und die IHK Würzburg-Schweinfurt weitere Unternehmen ermutigen, ihre Außenbeleuchtung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Denn jede unnötig ausgeschaltete Leuchte trägt dazu bei, die besondere Nachtlandschaft der Rhön zu erhalten.
Weitere Informationen zum Prädikat #lichtbewusstsein und zur Bewerbung finden Interessierte unter www.wuerzburg.ihk.de/csr/lichtbewusstsein/.