In einer Sondersitzung am 23. September befasste sich der IHK-Bezirksausschuss Würzburg mit dem aktuellen Stand des Mobilitätsplans 2040 der Stadt Würzburg. Dr. Sandra Vorlová, zweite Bürgermeisterin und Referentin für Umwelt und Klima, stellte die Ziele, den Planungsstand und ausgewählte Maßnahmen vor. Anschließend diskutierten die Mit-glieder mögliche Auswirkungen auf die Erreichbarkeit und die wirtschaftliche Entwicklung.
Würzburg ist als Regiopole und wirtschaftliches Zentrum Mainfrankens von zentraler Bedeutung für die Region. Stadt und Umland sind eng miteinander verbunden. Rund 60.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind als Einpendler registriert. Hinzu kommen Kunden-, Besucher-, Liefer- und Dienstleistungsverkehre. Veränderungen wirken daher weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Ausschussmitglieder um den Vorsitzenden Dr. Klaus D. Mapara machten deutlich, dass die Wirtschaft weiterhin Fragen zu den Auswirkungen einzelner Maßnahmen auf die Erreichbarkeit und die Standortattraktivität hat. Aus Sicht der Unternehmen ist ein funktionsfähiges Mobilitätssystem wichtig, das gemeinsam mit dem Landkreis und weiteren regionalen Akteuren funktionsfähig gestaltet wird.
Erst Alternativen, dann Einschränkungen
„Die Weiterentwicklung des Verkehrssystems der Stadt ist dringend notwendig. Genauso wichtig ist aber auch die Erreichbarkeit“, erklärte der Ausschussvorsitzende Dr. Klaus D. Mapara. Mit Blick auf den Mobilitätsplan 2040 sei aus Sicht der Wirtschaft ein Grundsatz besonders wichtig: Erst Alternativen schaffen, dann Einschränkungen vornehmen. Konkret: Zunächst sollten leistungsfähige Alternativen wie die Bündelung von Besucherverkehren in Parkhäusern, ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr sowie leistungsfähige Park-and-Ride-Angebote bereitstehen, bevor bestehende Verkehrsangebote eingeschränkt werden. Auch überregionale Themen wie die B26n würde für Entlastung von Verkehrsströmen sorgen können, weshalb deren Realisierung nach wie vor hohe Priorität habe. Einerseits seien Mobilitätsfragen rational zu beantworten, andererseits sind deren Wirkungen und hierdurch erfolgreiche Umsetzungen höchst emotional. „Veränderungen brauchen Akzeptanz. Deshalb müssen zuerst funktionierende Alternativen vorhanden sein, bevor bestehende Verkehrsangebote reduziert werden. Die Mobilitätswende braucht Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, so Mapara.
Die Ausschussmitglieder diskutierten insbesondere die Verkehrsachsen im Umfeld der Innenstadt und des Hauptbahnhofs. Die Unternehmerinnen und Unternehmer wiesen auf die aus ihrer Sicht hohe Belastung der Veitshöchheimer Straße, der Friedensbrücke, des Haugerrings und des Röntgenrings hin. Veränderungen an Fahrspuren, Verkehrsführungen und Parkraumangeboten müssten deshalb sorgfältig auf ihre Auswirkungen auf die Innenstadt, das Parkhaus Hauptbahnhof und die Wirtschaftsstandorte untersucht werden.
Der Ausschuss sprach sich zudem dafür aus, die im Planungsprozess eingesetzte Verkehrsmodellierung konsequent zu nutzen. Da Eingriffe Verlagerungseffekte im Gesamtnetz auslösen könnten, dürften einzelne Maßnahmen nicht isoliert betrachtet werden. Die Auswirkungen auf Pendler-, Kunden-, Liefer- und Dienstleistungsverkehre sollten transparent dargestellt, nachvollziehbar bewertet und bei Bedarf vertieft untersucht werden. Nebst Modellierung wurde über weitere Potenziale der Digitalisierung gesprochen, bspw. bei der aktiven Lenkung von Verkehrsströmen in der Innenstadt und darüber hinaus.