Am 1. September beginnen im Bezirk der IHK Würzburg-Schweinfurt 2.638 junge Menschen eine Ausbildung. Das sind 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 921 Verträge entfallen auf gewerblich-technische Berufe (ein Rückgang um 37 Verträge), 1.717 auf kaufmännische Berufe (ein Anstieg um 65 Verträge).
„Wir bewerten das Ergebnis insgesamt positiv“, sagt Stefan Göbel, Leiter des Ausbildungsbereichs der IHK. Trotz angespannter Rahmenbedingungen hätten die Betriebe erneut zahlreiche Ausbildungsplätze besetzt. „Die duale Ausbildung bleibt attraktiv – für junge Menschen wie für Unternehmen.“ Geholfen hat dabei auch der reguläre Abiturjahrgang. Im vergangenen Jahr hatte die Umstellung von G8 auf G9 in Bayern für einen kleineren Jahrgang gesorgt. Entsprechend wenige Schulabgängerinnen und Schulabgänger standen dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung. Dieser Sondereffekt fällt in diesem Jahr weg.
Industrie im Umbruch
Das Plus bei den Ausbildungsverhältnissen ist allerdings nicht in allen Regionen gleichermaßen zu beobachten. So wurden vor allem im nördlichen IHK-Bezirk – im Landkreis Schweinfurt und im Landkreis Bad Kissingen – weniger Ausbildungsverhältnisse als im Vorjahr registriert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Landkreis Bad Kissingen ist beispielsweise stark durch die Gastronomie und den Tourismus geprägt. Für viele Betriebe dieser Branche ist es aktuell eine Herausforderung, Ausbildungsplätze zu besetzen. Laut Göbel ist dies Teil der allgemeinen Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt und stellt die Betriebe vor besondere Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung.
Die Industrie befindet sich nach wie vor in einer Phase des strukturellen Wandels. Automobilzulieferer und Maschinenbauer passen ihre Produkte, Prozesse und Standorte an die veränderten Rahmenbedingungen an. Wenn die künftige Entwicklung eines Standorts noch nicht abschließend absehbar ist, kann dies die langfristige Ausbildungsplanung erschweren. „Dass wir vor diesem Hintergrund insgesamt ein Plus verzeichnen, ist erfreulich“, betont Göbel. „Viele Betriebe halten bewusst an ihrer Ausbildung fest. Gerade in Zeiten des Wandels bleibt die eigene Ausbildung ein wichtiger Baustein, um den künftigen Fachkräftebedarf zu sichern.“
KI verändert einzelne Berufsbilder
In einzelnen Berufen zeigt sich bereits, wie Künstliche Intelligenz die Nachfrage verändert. Deutlich wird das beispielsweise bei den Fachinformatikern für Anwendungsentwicklung: In diesem Jahr werden weniger Auszubildende eingestellt (minus 22 Verträge im Vergleich zu 2025), da Programmcode inzwischen häufig von KI-Systemen geschrieben wird. Anders sieht es bei der Systemintegration aus. Dort steigt der Bedarf eher, denn Netzwerke, Cloud-Infrastruktur und IT-Sicherheit müssen von Menschen geplant und betrieben werden. „Das zeigt uns ganz klar: KI ersetzt keine Ausbildung, sondern verändert die Inhalte, die in der Ausbildung wichtig sind“, erklärt Stefan Göbel. Die IHK verzeichnet die beliebtesten Ausbildungsberufe im Jahr 2026 in den Berufsfeldern Fachinformatiker/in, Büromanagement und Handel.
Unabhängig davon bleibt die Suche nach Auszubildenden für viele Unternehmen eine Herausforderung. Die IHK ruft alle Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz dazu auf, ihre Chancen zu nutzen. Auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn sind noch zahlreiche Plätze frei und ein Einstieg ist in den kommenden Wochen möglich. „Wir unterstützen Unternehmen und Ausbildungsinteressierte weiterhin mit unseren Beratungs- und Serviceangeboten“, so Göbel. Das Ziel sei es nach wie vor, Betriebe bei der Fachkräftesicherung zu begleiten und junge Menschen in den Beruf zu bringen. „Langfristig ist die duale Ausbildung der wichtigste Baustein für den Fachkräftebedarf der regionalen Wirtschaft.“