Berufe, Regionen und Branchen im Blick

IHK-Arbeitsmarktradar

Das IHK-Arbeitskräfteradar zeichnet ein detailliertes Bild des bayerischen Arbeitsmarktes im Jahr 2029. Dafür werden die Trends der Jahre 2018 bis 2024 fortgeschrieben. Die Ergebnisse sind nicht als Prognose zu verstehen, sondern als Szenario, das sich ergibt, wenn es so weitergeht wie bisher. Die Erstmals konnten die Ergebnisse des neuen Zensus in die Berechnungen einfließen. Die Volkszählung führt zu deutlichen Änderungen der Fortschreibung gegenüber letztem Jahr. Für das Jahr 2022 stellte sich heraus, dass deutlich weniger Menschen in Deutschland leben als angenommen – wie schon bei der letzten Volkszählung 2011. Auch die aktuell schwächelnde wirtschaftliche Lage wird über die IHK-Konjunkturumfrage leicht berücksichtig.  

Das IHK-Arbeitsmarktradar enthält zudem viele detaillierte Daten für einzelne Berufe, Berufsgruppen und Branchen in acht bayerischen Regionen. Die Studie wurde beim IW Köln in Auftrag gegeben.

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Der Blick nach Mainfranken

Kurzfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2029

Kurzfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2029

Die Anzahl der SV-Beschäftigten in Mainfranken ist von 2018 bis 2024 von 367.000 auf 382.000 gestiegen (+4,1 %). Bis 2029 besteht das Potenzial für einen weiteren Anstieg auf 394.000 (+3,1 %).

Dies setzt jedoch voraus, dass die seit 2018 vorherrschenden positiven Trends weiter anhalten und sich die aktuelle Wirtschaftskrise nicht zu einer längerfristigen strukturellen Krise entwickelt. Insbesondere müsste ein ähnlich hohes Niveau der Zuwanderung wie in den letzten Jahren realisiert werden und die Arbeitsmarktintegration von Ausländern und Älteren weiter gesteigert werden. 

Gebremst wird der potenzielle Beschäftigungsaufbau durch die steigende Zahl der Renteneintritte in den nächsten Jahren. 

Das Beschäftigungswachstum in Mainfranken entwickelt sich über die einzelnen Berufe hinweg sehr unterschiedlich. Den größten Zuwachs an Beschäftigung dürften bis 2029 mit einem Plus von 1.400 die Lagerwirtschaft auf Helferniveau zu verzeichnen haben. Deutlich mehr Beschäftigte wird es auch bei Fachkräften in der Öffentlichen Verwaltung  (+960) geben. Auch bei den Spezialisten in der Kinderbetreuung, -erziehung (+940) wird es einen Stellenaufbau geben.

Der größte Rückgang an Beschäftigung wird bis 2029 für Bankkaufleute auf Fachkräfteniveau erwartet (-810). Auch Berufskraftfahrer (Güterverkehr/LKW) auf Fachkraftniveau (-800) und Fachkräfte im Gastronomieservice (-730) dürften bis dahin einen deutlichen Rückgang an Beschäftigung verzeichnen.

Langfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2039

Langfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2039

Im ersten Szenario (dunkelblaue Linie) wird nur die demografische Entwicklung, also die Austritte aus dem Arbeitsmarkt, insbesondere aufgrund von Renteneintritt, und die Neueintritte betrachtet. Andere Einflussfaktoren, wie die Partizipationsquote von Frauen, Älteren und ausländischen Beschäftigten bleiben im ersten Szenario konstant und es wird keine Zuwanderung aus dem Ausland unterstellt. Auf Grund des Ausscheidens der besonders geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben würde im Zeitraum von 2024 bis 2039 die Zahl der SV-Beschäftigten in Mainfranken um 12,5 % bzw. rund 47.800 Personen abnehmen.

Im zweiten Szenario (hellblaue Linie) wird zusätzlich zur Demografie die Zuwanderung berücksichtigt. Dabei wird bis 2039 eine ähnlich starke Zuwanderung wie im Durchschnitt der letzten Jahre unterstellt. Damit könnte der Rückgang an SV-Beschäftigung auf 8,8 % bzw. rund 33.650 Personen reduziert werden.

Das dritte Szenario (grüne Linie) entspricht bis 2029 der Trendfortschreibung, auf welcher der Arbeitsmarktradar aufbaut (Basisszenario): Zusätzlich zu Demografie und Zuwanderung wird hier bis 2029 auch eine weitere Steigerung der Partizipationsquoten von Ausländern, Älteren und Frauen im Durchschnitt der letzten sieben Jahre unterstellt. Ab 2029 werden die Partizipationsquoten dann konstant gehalten und nur noch die demografische Entwicklung und eine Zuwanderung berücksichtigt. Auch in diesem Szenario wäre sogar ein Rückgang an Beschäftigung um 1,4 % bzw. rund 5.350 SV-Beschäftigte bis 2039 zu erwarten. Hiermit steht Mainfranken im bayernweiten Vergleich neben Oberfranken und Aschaffenburg am schlechtesten da.

Alle Szenarien sind Kopf-Betrachtungen ohne Aussagen zur geleisteten Arbeitszeit.

Wie sich die Beschäftigung in Mainfranken also künftig entwickelt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die Partizipationsquoten gesteigert werden können und Arbeitskräfte weiterhin zuwandern. Das Modell zeigt, dass es eine große Spannbreite der Entwicklung gibt und die Politik durchaus wirksame Stellschrauben besitzt, um dem demografisch bedingten Schrumpfen der Beschäftigung so gering wie möglich zu halten.

Engpass nach Qualifikationen

Engpass nach Qualifikationen

2024 fehlten in Mainfranken rund 16.000 Arbeitskräfte. Alle Arbeitslosen, die für offene Stellen passend qualifiziert sind, werden dabei im Modell mit diesen offenen Stellen verrechnet und reduzieren die Lücke. Somit repräsentiert die Arbeitskräftelücke im Arbeitsmarktradar nur jene offenen Stellen, für die keinerlei passend qualifizierte Arbeitslose auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

In der Realität sind jedoch nicht alle Arbeitslosen auf Stellen zu vermitteln, für die sie eine passende Qualifikation haben. Der von den Unternehmen wahrgenommene Arbeitskräftemangel ist somit deutlich höher als die hier ausgewiesene Arbeitskräftelücke. Einen Hinweis darauf gibt auch die Zahl der offenen Stellen in Mainfranken, die 2024 mit 26.000 deutlich höher als der berechnete Arbeitskräftemangel war.

Bis 2029 wird der Arbeitskräftemangel auf rund 25.600 Personen weiter ansteigen. Die Zahl der offenen Stellen wird dann bei rund 36.300 liegen. Betrachtet man den Arbeitskräftemangel nach Qualifikationsniveau, so fehlten 2024 rund 10.000 Fachkräfte (v.a. mit einer beruflichen Ausbildung) bei 14.700 offenen Stellen für diese Beschäftigtengruppe. 2029 werden 15.100 dieser Arbeitskräfte fehlen (offene Stellen: 19.300).

Die Zahl fehlender Spezialisten (z.B. Meister, Fachkräfte mit Weiterbildung, Bachelor) betrug 2024 rund 2.800 (offene Stellen: 3.800) und wird bis 2029 auf 4.600 ansteigen (offene Stellen: 5.800).

Zudem fehlten 2024 2.300 Experten (v.a. Akademiker mit Master-Abschluss) bei 3.300 offenen Stellen. 2029 wird diese Zahl auf 3.800 ansteigen (offene Stellen: 5.000).

Bei den Helfern betrug 2024 die Arbeitskräftelücke 1.100 Personen, bei 4.500 offenen Stellen. 2029 werden 2.100 fehlende Helfer (offene Stellen: 6.200) erwartet.

Ohne die Arbeitskräftelücke könnte die Wertschöpfung in Mainfranken 2029 2,7 Mrd. Euro beziehungsweise 6,4 % höher liegen.

Engpass nach Berufen

Engpass nach Berufen

Die größten Arbeitskräftelücken werden 2029 für Fachkräfte im Verkauf erwartet. Hier werden 1.300 Arbeitskräfte fehlen. Bei den Helfern in der Landwirtschaft werden rund 630 Arbeitskräfte fehlen sowie bei Spezialisten in der Kinderbetreuung, -erziehung rund 620.

Zur besseren Einordnung sind die offenen Stellen in dem jeweiligen Beruf ebenfalls angegeben.

Branchenentwicklung

Branchenentwicklung

Betrachtet man anstatt von Berufen die einzelnen Branchen in Mainfranken, wird das größte Beschäftigungswachstum bis 2029 im Gesundheitswesen (+2.900), in Erziehung und Unterricht (+2.500) sowie in der Informationstechnologie (+1.800) erwartet. 

Den stärksten Rückgang wird voraussichtlich im Maschinenbau (-2.600) stattfinden.

Die größten Arbeitskräftelücken in absoluten Zahlen werden für 2029 u.a. in der Unternehmensverwaltung, -führung und -beratung (2.600), dem Einzelhandel (2.400) und dem Gesundheitswesen (2.100) prognostiziert.

Weitere Informationen zum Thema

Fachkräfte aus dem Ausland

Um offene Stellen langfristig zu besetzten, werden auch ausländische Fachkräfte immer wichtiger für die heimischen Unternehmen. Die gesetzliche Lage kann jedoch erstmal überfordernd wirken. Zusätzlich benötigen ausländische Fachkräfte, für einen erfolgreichen Start in Deutschland, ein höheres Maß an Betreuung

Hier finden Sie wichtige Informationen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz sowie den Rekrutierungswegen und dem Onboardingverfahren.

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Die eigene Unternehmermarke

Auf einem Arbeitsmarkt, der zunehmend von Fachkräfteengpässen bestimmt wird, können viele Bewerberinnen und Bewerber zwischen mehreren Arbeitsangeboten wählen. Warum also sollten sich hart umworbene Fachkräfte gerade für das eigene Unternehmen entscheiden? Auf diese Frage müssen Personalabteilungen unbedingt eine Antwort haben. Unser Rat lautet deshalb, sich mit den Stärken und Schwächen des Unternehmens und der Stärkung der Arbeitgebermarke zu befassen (Employer Branding).

Weitere Informationen
Konjunktur in Mainfranken

Dreimal im Jahr - jeweils zum Jahresbeginn, im Frühjahr sowie im Herbst - befragt die IHK Würzburg-Schweinfurt ihre Mitgliedsunternehmen unter anderem zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Geschäftserwartungen, aber auch zu Investitions- und Beschäftigungsplanungen sowie zu konjunkturellen Risiken. Die Ergebnisse werden stets für die Branchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen ausgewertet und veröffentlicht. 

Hier finden Sie die aktuellen Befragungsergebnisse. 

Zur IHK-Konjunkturanalyse

Ansprechpartner

Arbeitsmarkt

Elena Fürst

M. Sc. Economics
Referentin Konjunktur und Statistik
Würzburg

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  • Konjunktur, IHK-Unternehmensbarometer
  • Statistik, Strukturdaten
  • Regionale Wirtschaftspolitik
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Kontaktformular vCard 0931 4194-320
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Benedikt Pfeuffer

B.Sc. Geographie
Referent Standortentwicklung
Würzburg

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Isabel Schauz

B.A. Politik- und Sozialwissenschaften
Referentin Fachkräftesicherung
Würzburg

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Dr. Christian Seynstahl

Diplom-Geograph
Bereichsleiter Standortpolitik und Unternehmensförderung
Würzburg

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  • Grundsatzfragen zu Fachkräftesicherung und Unternehmertum / CSR
  • Grundsatzfragen zu Existenzgründung, Unternehmensnachfolge und -förderung
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