Neue Regeln für nachhaltige Investitionen

Am 1. Januar 2022 sind neue Regeln für nachhaltige Investitionen mittels eines delegierten Rechtsakts der EU-Kommission in Kraft getreten. Kurz vor dem Jahreswechsel hat die EU-Kommission noch bekanntgegeben, dass sie Energie aus Gas und Atomkraft zunächst  unter bestimmten Voraussetzungen als „grün“ einstufen will. Diese Entscheidung ist weiterhin sehr kontrovers. Während Frankreich auf eine Ausweitung der Kernenergie setzt und Investitionen für den Bau neuer Atomkraftwerke benötig, ist Deutschland weiter auf die Energie aus Gaskraftwerken angewiesen.

Die Kontroverse um die Einordnung dieser beiden Energieträger hat der EU-Taxonomie in den Medien zu Jahresbeginn die Aufmerksamkeit beschert, die ihrer Bedeutung zukommt. Der etwas sperrige Begriff „EU-Taxonomie“ lenkt leicht davon ab, dass dieser eine zentrale Rolle im Rahmen des „Green Deals“ zukommt, mit dem die Europäische Union bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden will.

Die Taxonomie definiert für eine Vielzahl an Wirtschaftsbereichen Nachhaltigkeitskriterien. So beschreibt der Rechtsakt detailliert, unter welchen Bedingungen eine Wirtschaftstätigkeit - zum Beispiel die Herstellung von Baustoffen, der Transportsektor oder die Energieerzeugung - einen Beitrag zum Klimaschutz oder zur Anpassung an den Klimawandel leisten können. Eine nachhaltige Wirtschaftstätigkeit im Sinne der Taxonomie muss also diesen beiden Kriterien genügen, gleichzeitig muss sie bestimmte Mindeststandards im Hinblick auf internationale Lieferketten, Biodiversität, Schutz der Wassersysteme, den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft und Vermeidung von Umweltverschmutzung erfüllen.

Die Taxonomie setzt vor allem den Rahmen für den Finanzsektor, indem sie erstmals klare Regeln definiert, was als „grüne“ Investition gilt. Damit will die EU-Kommission zum einen für Anleger Klarheit schaffen, indem sie den Finanzmarktakteuren klare Vorgaben in Hinblick auf Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte (Environment Social Governance ESG) macht und so die erheblichen Investitionen für einen ökologischen Umbau der Wirtschaft ermöglicht. Über den Finanzsektor hinaus wird die Taxonomie allerdings auch auf kleine und mittlere Unternehmen Auswirkungen haben. Unter anderem werden im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verschärfte Standards bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf eine größere Anzahl von Unternehmen zukommen. Außerdem sollen die Banken auch bei der Vergabe von Krediten die Vorgaben der EU-Taxonomie anwenden, was auch Auswirkungen auf die Mittelstandfinanzierung haben wird. Zudem ist damit zu rechnen, dass im Rahmen der Lieferkette größere Unternehmen verstärkt Nachhaltigkeitskennzahlen bei ihren Lieferanten abfragen werden.

Weitere Informationen: www.wuerzburg.ihk.de/sustainablefinance