24.03.2017 - 10:52 Uhr

IHK-Vollversammlung tagte in Bad Bocklet

Unternehmerparlament verabschiedet Energiepolitisches Positionspapier

Im Bild (von links): IHK-Präsident Kirchner zeichnet Professor Dr. Reinhold Oertel und Professor Dr. Eberhard Reinöhl, gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Ralf Jahn, mit der Großen Ehrenmedaille der IHK aus. Beide Ehrenmedaillenträger engagieren sich seit 25 Jahren im Steuer- und Finanzausschuss der IHK Würzburg-Schweinfurt. Foto: IHK

BU: Professor Dr. Andreas Dittmann, Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gießen, referiert vor der IHK-Vollversammlung zum Thema „Schaffen wir das? Zu Sozialstruktur und Ausbildungsstand von Flüchtlingen aus den Hauptherkunftsländern Syrien, Afghanistan und Eritrea“. Foto: IHK

Bad Bocklet – Die diesjährige Frühjahrsvollversammlung der IHK Würzburg-Schweinfurt tagte am 23. März bei der Kliniken Bad Bocklet AG in Bad Bocklet.

Im Mittelpunkt stand ein Gastvortrag von Professor Dr. Andreas Dittmann, Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gießen, zum Thema „Schaffen wir das? Zu Sozialstruktur und Ausbildungsstand von Flüchtlingen aus den Hauptherkunftsländern Syrien, Afghanistan und Eritrea“.

„Die Familien- und Sozialstruktur der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Eritrea lässt darauf schließen, dass die derzeitigen Fluchtbewegungen nur der Beginn sind. Der sekundäre, familiäre Flüchtlingszustrom kommt erst noch.“, war Dittmanns Hypothese zu Beginn. In seinem Vortrag setzte er sich kritisch mit dieser Hypothese sowie mit weiteren Klischees und Annahmen im Zusammenhang mit Flüchtlingen sowie mit deren Fluchtursachen auseinander. „Die sogenannte Flüchtlingskrise ist vor allem eine Krise um die Kenntnisse der Flüchtlinge geworden.“ Syrer seien in der Regel im Vergleich zu anderen Flüchtlingen besser ausgebildet. Allerdings befände sich unter ihnen nur ein geringer Anteil Akademiker.  

Die IHK hilft Unternehmen bei der Integration der Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit. Zwei Ausbildungsakquisiteure unterstützen die IHK-Betriebe, akquirieren Ausbildungs- und Praktikumsplätze und helfen bei der Kontaktaufnahme zwischen Betrieb und Flüchtling. Zusätzlich erhalten geflüchtete Auszubildenden an den Berufsschulen bis zu fünf Stunden pro Woche zusätzlichen, berufsbezogenen Sprachunterricht. Die IHK bereitet Ausbilder durch kostenfreie interkulturelle Schulungen auf die Arbeit mit Flüchtlingen vor. Zudem haben die bayerischen IHKs vor Kurzem ein Kompetenzfeststellungssystem für Flüchtlinge aufgebaut, das die Einschätzung bestehender Kenntnisse und Fähigkeiten erleichtert. Auch die IHK-Weiterbildung bietet zusätzliche Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen an.  

Bayerisches Positionspapier verabschiedet  

Das Parlament der mainfränkischen Wirtschaft verabschiedete in seiner Sitzung in Bad Bocklet zudem das „BIHK-Positionspapier zur Finanzierung der erneuerbaren Energien“. Die EEG-Umlage ist zum Jahreswechsel auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde gestiegen und belastet die bayerischen Unternehmen damit allein im Jahr 2017 mit Kosten von rund drei Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte der deutschen Strompreise setzt sich derzeit aus staatlich veranlassten Bestandteilen wie Steuern oder Umlagen zusammen. Die Preise sind teilweise mehr als doppelt so hoch wie in anderen EU-Ländern. Die bayerischen IHKs fordern daher einen Systemwechsel bei der EEG-Umlage, um den Standort langfristig zu sichern. Notwendig sei insbesondere eine Reduzierung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis. Darüber hinaus muss Strom jederzeit qualitativ hochwertig zur Verfügung stehen. Für die Nutzung regenerativen Windstroms aus Norddeutschland ist es notwendig, die vorgesehenen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) schnellstmöglich fertig zu stellen, damit in Süddeutschland keine Versorgungslücken entstehen. 

Vorbehaltlich der Zustimmung der DIHK-Vollversammlung verabschiedete die mainfränkische IHK-Vollversammlung auch die Wirtschaftspolitischen Positionen der IHK-Organisation 2017.   Kirchner verpflichtete anlässlich der Frühjahrssitzung Dr. Christoph Steinhardt, geschäftsführender Gesellschafter der Firma RST Stahlbau GmbH & Co. KG, Niederlauer, der am 22. März 2016 für den ausgeschiedenen Jürgen Linhard (LEONI Bordnetz-Systeme GmbH, Kitzingen) in die Vollversammlung nachrückte, als neues Vollversammlungsmitglied.   

Zudem ehrte der IHK-Präsident Professor Dr. Reinhold Oertel und Professor Dr. Eberhard Reinöhl für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement für die IHK Würzburg-Schweinfurt mit der Großen Ehrenmedaille der IHK.