22.05.2020 - 11:13 Uhr

Hinweispflicht des Arbeitgebers

Corona und Urlaubsansprüche

Der Arbeitgeber ist verpflichtet den Arbeitnehmer auf einen drohenden Urlaubsverfall rechtzeitig hinzuweisen.

Aufgrund der Corona-Krise und den verhängten Reisbeschränkungen beabsichtigen viele Arbeitnehmer ihren Urlaub aufzusparen und in die zweite Jahreshälfte zu verschieben.

Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer frei entscheiden, wann sie Urlaub nehmen. Der Arbeitgeber muss die Wünsche der Arbeitnehmer berücksichtigen, er hat jedoch das Recht, Urlaubsanträge abzulehnen, wenn dringende betriebliche Interessen entgegenstehen. So können beispielsweise nicht alle Mitarbeiter einer Abteilung gleichzeitig abwesend sein, wenn dadurch die Arbeitsabläufe im Unternehmen nicht mehr funktionieren.

Urlaubstage müssen in dem Kalenderjahr genommen werden, in denen der Anspruch auf sie entstanden ist. Ausnahmen gibt es nach dem Bundesurlaubsgesetz nur, wenn wegen dringender betrieblicher Gründe oder aus persönlichen Gründen wie zum Beispiel einer Krankheit des Arbeitnehmers, Urlaub nicht genommen werden konnte. Dann dürfen Arbeitnehmer diese Urlaubstage im ersten Quartal des Folgejahres nehmen. Tarifverträge können abweichende Regelungen vorsehen.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet die Arbeitnehmer auf einen drohenden Urlaubsverfall rechtzeitig hinzuweisen. Arbeitnehmer müssen Gelegenheit haben, den Urlaub noch zu einem Zeitpunkt zu nehmen, an dem keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter daher jetzt darauf hinweisen, dass nicht alle gleichzeitig Urlaub in der zweiten Jahreshälfte nehmen können. Wichtig ist dabei, dass der Arbeitgeber darüber informiert, dass ansonsten der Urlaubanspruch möglicherweise verfällt. Wenn zu viele Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub nehmen möchten, hat der Arbeitgeber nach sozialen Kriterien zu entscheiden. Diese können vielfältig sein. Dazu gehört etwa, dass Arbeitnehmer mit schulpflichtigen Kindern bei Urlaubsanträgen für die Ferienzeit bevorzugt werden dürfen, genauso wie Mitarbeiter, die besonders erholungsbedürftig sind, da sie schon länger beispielsweise keinen Urlaub mehr hatten oder zuletzt besonders viel gearbeitet haben.

Bereits genehmigte Urlaubsanträge können nur im Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zurückgenommen werden. 

Das Urlaubsentgelt wird nicht aufgrund von Kurzarbeit reduziert. Anders sieht es beim Urlaubsanspruch aus. Dieser kann sich dann reduzieren, wenn Arbeitnehmer in Kurzarbeit an weniger Tagen in der Woche arbeiten als vorher. War ein Arbeitnehmer bisher an fünf Tagen pro Woche beschäftigt und ist er im Rahmen der Kurzarbeit nur noch an drei Tagen beschäftigt, so kann der Urlaubsanspruch anteilig in dem Umfang reduziert werden, wie sich die Arbeitstage in diesem Zeitraum verringert haben.

Reduziert sich nur die Arbeitszeit bei gleicher Tage-Woche, verringert sich der Urlaubsanspruch nicht.