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Mainfrankens Einzelhandel im Blickpunkt

Studie analysiert Konfliktfelder des innerstädtischen Einzelhandels

Der Strukturwandel des Einzelhandels und das veränderte Konsumentenverhalten machen sich in den Innenstädten vieler mainfränkischer Mittelzentren bemerkbar. Im Auftrag der IHK Würzburg-Schweinfurt hat das Zentrum für Regionalforschung (ZfR) der Universität Würzburg eine Studie zu den „Konflikten des innerstädtischen Einzelhandels“ erstellt.

Diese analysiert die Situation in den 16 mainfränkischen Klein- und Mittelstädten Bad Brückenau, Bad Kissingen, Bad Königshofen im Grabfeld, Bad Neustadt an der Saale, Ebern, Gemünden am Main, Gerolzhofen, Hammelburg, Haßfurt, Karlstadt, Kitzingen, Lohr am Main, Marktheidenfeld, Mellrichstadt, Ochsenfurt und Volkach. 

„Der regionale Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen. Die Konkurrenz für die innerstädtischen Händler wächst sowohl durch am Stadtrand gelegene großflächige Einkaufslandschaften, als auch durch die steigende Zahl der Internethändler. Auch der demografische Wandel und die damit verbundenen Änderungen in der Konsumnachfrage spielen eine wesentliche Rolle.“, beschreibt Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung wesentliche Ergebnisse. Die Anforderungen an Gewerbeflächen hätten sich laut Genders ebenfalls verändert, so dass innerstädtische Immobilien oftmals nicht den heutigen Anforderungen und Bedürfnissen der Mieter entsprechen.

Die Studie untersucht fünf Konfliktfelder: Großflächige Einzelhandelsbetriebe im Außenbereich versus kleinteiliger Einzelhandel in der Innenstadt, innerstädtische Handelsimmobilien und Anforderungen des Einzelhandels, inhabergeführter Einzelhandel und Filialisierung, Online-Handel als Konkurrenz für die Innenstadt sowie die Auswirkungen des demografischen Wandels.

Die Ergebnisse fallen je nach Stadt und untersuchtem Konfliktfeld sehr unterschiedlich aus. So weisen Städte wie Karlstadt, Gerolzhofen und Lohr am Main beispielsweise einen relativ hohen Anteil an Verkaufsflächen in der Innenstadt auf, in Haßfurt oder Ebern übertreffen dagegen die Verkaufsflächen in den Außenbereichen die in der Innenstadt um ein Mehrfaches. „Insbesondere für die kleinen Mittelzentren und jene, die im Umkreis der Oberzentren Würzburg und Schweinfurt liegen, ist die Situation schwierig. Hier gibt es besonders viele Leerstände.“, betont Genders. Bei der einzelhandelsbezogenen Immobilienbewertung der Studenten schneiden vor allem Bad Brückenau und Lohr am Main gut, Hammelburg und Ochsenfurt eher unterdurchschnittlich ab. In den umsatzstarken Mittelzentren Bad Neustadt a. d. Saale und Bad Kissingen ist der Filialisierungsgrad erwartungsgemäß relativ hoch, dagegen sind die Innenstädte kleinerer Mittelzentren wie Ebern, Gerolzhofen oder Volkach häufig nicht rentabel genug, um überregionale Filialisten anzuziehen. Die wöchentlichen Öffnungszeiten des inhabergeführten Einzelhandels sind zudem in mehreren kleineren Mittelzentren wie Bad Königshofen im Grabfeld, Ebern oder Mellrichstadt unterdurchschnittlich.

Große Relevanz für den innerstädtischen Einzelhandel insgesamt und für den eigenen Betrieb sehen die befragten Einzelhändler im Online-Handel. Insbesondere Betriebe in Marktheidenfeld und Haßfurt haben oft eine eigene Webseite. Die Händler in diesen Städten finden das Internet auch tendenziell weniger bedrohlich für ihren eigenen Betrieb. Händler in Bad Königshofen im Grabfeld, Ochsenfurt und Gerolzhofen sind dagegen unterdurchschnittlich oft mit einer Internetpräsenz vertreten.

Die Studie wurde seit 2014 erarbeitet. Zur Grundlage gehörten neben Betriebsbefragungen und Online-Erhebungen ebenso statistische Analysen sowie Einzelhandels- und Immobilienkartierungen der Innenstädte. „Um negative Entwicklungen für den Einzelhandel und die Innenstadt frühzeitig zu erkennen, ist ein regelmäßiges Monitoring sinnvoll.“, so Dr. Genders. Dementsprechend wurde die Untersuchung als Langzeitstudie konzipiert, auch die Kartierungen sollen in den nächsten fünf Jahren fortlaufend aktualisiert werden. Unterstützt wurde die Studie vom Handelsverband Bayern e. V. (HBE).

Die IHK Würzburg-Schweinfurt greift mit regionalen Partnern im Rahmen des „Zukunftsforums Handel“ regelmäßig Themen und Initiativen des regionalen Handels auf.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie sind in der Schriftenreihe des ZfR publiziert.

Ansprechpartner

Dr. Christian Seynstahl

Diplom-Geograph

Referent Regionalentwicklung
Teamleiter Standortpolitik

Würzburg

Telefon: 0931 4194-314

E-Mail: christian.seynstahl@ wuerzburg.ihk.de

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