22.11.2017 - 09:18 Uhr

Studie zur Mobilitätswende in Mainfranken

Aufklärungsarbeit und Marketing für „Shared Mobility“ nötig

© Getty Images/iStockphoto / disqis

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Würzburg – Das Zentrum für Regionalforschung (ZfR) der Universität Würzburg hat im Auftrag der IHK Würzburg-Schweinfurt eine Studie zur „Shared Mobility“ in Mainfranken erarbeitet. Untersucht wurden dabei online und in einer Passantenbefragung Angebot und Nachfrage und die tatsächliche Nutzung geteilter Mobilitätsangebote – also private und institutionalisierte Car- und Bikesharingangebote, Mitfahrgelegenheiten und Bürgerbusse in Mainfranken.

Die Studie analysiert Optimierungspotenziale des Netzes an Mobilstationen und bietet konkrete Handlungsempfehlungen für Kommunen und Stadtplaner. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion um saubere Luft in den Städten erlebt das Thema derzeit hohe Aufmerksamkeit.  

Empfehlung: Angebot an Mobilstationen weiterentwickeln  

Laut Studie haben rund 20 Prozent der rund 1.000 Befragten bereits Erfahrung mit „Shared Mobility“. Sowohl Nutzer als auch Nicht-Nutzer haben in den meisten Fällen einen Führerschein, jedoch sind Nutzer von Sharing-Angeboten seltener im Besitz eines eigenen PKW. Zwei Drittel der Nutzer haben eine Zeitkarte für den öffentlichen Verkehr. Allerdings ist „Shared Mobility“ in Mainfranken stark auf den Raum Würzburg konzentriert. Besonders Bikesharing-Angebote finden sich derzeit ausschließlich in der Universitätsstadt. „In Würzburg können Bürger PKW und Fahrräder an Mobilstationen ausleihen, an denen zudem ein Übergang zum öffentlichen Verkehr möglich ist. Die Akzeptanz von Leihangeboten ist an ÖPNV-Knotenpunkten deutlich höher“, berichtet Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung. Die Erreichbarkeit dieser Mobilstationen sei wichtig, um „Shared Mobility“ zu fördern. „Im Ergebnis zeigt sich, dass mit sieben neuen Mobilstationen bis zu zehn Prozent mehr Bürger fußläufigen Zugang zu Angeboten der „Shared Mobility“ erhalten könnten. Unter anderem für die Stadtteile bzw. Nachbargemeinden Lengfeld, Randersacker, Heidingsfeld und Höchberg könnten neue Mobilstationen den Zugang wesentlich erleichtern und so die Akzeptanz dieser Mobilitätsform erhöhen“, so Dr. Genders.  

Carsharing-Anbieter haben sich in Würzburg bereits fest etabliert. Angebote gibt es daneben aber auch in den Städten Schweinfurt, Bad Kissingen, Bad Neustadt, Haßfurt, Hammelburg, Veitshöchheim und Gerbrunn. Abseits der Städte weit verbreitet ist daneben das so genannte „Ride-sharing“ (etwa über Mitfahrzentralen) oder das private Car-Sharing. Bürgerbusse stehen häufiger in peripher gelegeneren Orten zur Verfügung.  

Aufklärungsarbeit und zielgruppenorientiertes Marketing  

Ausbaufähig ist der Informationsgrad zum „Shared Mobility“ Angebot in Mainfranken. Jeder zehnte Befragte gab an, den Begriff Car-Sharing gar nicht zu kennen. Hürden seien zudem, dass sie nicht wüssten, wie das Angebot in Anspruch genommen werden kann oder wie die Kosten ausfallen. Eine Empfehlung ist demnach, so Dr. Genders, „eine Transparenz- und Informationsoffensive zum Umgang mit Shared Mobility zu starten, um Zweifel und Unwissenheit abzubauen.“ Die Preise und die Verfügbarkeit von Fahrzeugen stehen online oder mobil per App zur Verfügung – Informationen zum Verleihsystem sind öffentlich zugänglich.  

Um eine geeignete Vermarktungsstrategie zu ermöglichen, beinhaltet die Studie eine speziell auf Mainfranken abgestimmte Zielgruppenanalyse, die Unternehmen und Verkehrsplanern hilft, die nachhaltige Mobilitätsform der „Shared Mobility“ in der Region weiter zu festigen. Das Potenzial sei da: „Die Hälfte (47 Prozent) der Verkehrsteilnehmer ist laut Studienergebnis dem Konzept des Teilens in der Alltagsmobilität aufgeschlossen“, so Dr. Genders. „Hierzu zählen die Gruppen der ökologisch motivierten ÖPNV-Fahrer mit Shared Mobility-Erfahrung sowie die der indifferenten, dem Teilen nicht abgeneigten Pkw- und ÖPNV-Fahrer.“ Ziel der Anbieter, aber auch der Kommunalpolitik und der Verkehrsplaner müsse es daher sein, genau diese Zielgruppen zu aktivieren, um die Nachfragepotenziale abzuschöpfen.  

Mobilitätswende vorantreiben  

Aus der Gesamtschau der Ergebnisse benennt die Studie Handlungsempfehlungen abgestimmt auf mainfränkische Teilräume. Hierzu gehören verkehrsplanerische Maßnahmen und Tarifgestaltung, Kommunikation und Marketing, etwa die Erarbeitung von Probe- oder verbesserten Informationsangeboten und der Standortoptimierung mit Blick auf eine bessere Erreichbarkeit oder die Verknüpfung mit ÖPNV-Angeboten etc. Nicht nur für zentrale Orte, auch für den ländlichen Raum werden dabei Entwicklungsperspektiven aufgezeigt. Die Zukunft der Mobilität sei aber weitaus komplexer, so Dr. Genders, das Angebot könne langfristig nur dann erfolgreich umgesetzt werden und Verkehrs- und Umweltbelastung reduzieren, wenn alle Mobilitätsangebote multimodal verknüpft würden. Dr. Genders plädiert: „Projekte wie die Würzburger Straßenbahnlinie 6 oder Vorschläge zur E-Mobilität in Schweinfurt müssen vorangetrieben werden.“ Speziell bei der Linie 6 haben sich in den letzten Wochen die Fördermöglichkeiten für kommunale Investitionen in umweltfreundliche Infrastrukturen deutlich verbessert. Diese günstigen Rahmenbedingungen erfordern laut IHK nun ein schnelles Handeln.  

Die Publikation „Empirische Untersuchungen zur Shared Mobility in Mainfranken“ in der IHK-Schriftenreihe steht kostenfrei zum Download zur Verfügung unter www.wuerzburg.ihk.de/shared-mobility

Information:
Dr. Sascha Genders,
Tel.: 0931 4194-373,
E-Mail: sascha.genders@ wuerzburg.ihk.de