Mit Co-Working zu mehr Kreativität

„Unsere Vision ist es, Räume und Rahmenbedingungen für mehr Kreativität zu schaffen und das Thema New Work mitzugestalten.“ Deshalb haben die Schwestern Ellen Kimmel und Christa Hünting im Mai 2021 das KreativQuartier in Volkach gegründet.

Netzwerken, sich austauschen oder einfach einmal rauskommen aus dem monotonen Arbeitsalltag – das KreativQuartier schafft einen Raum für Co-Working und Teammeetings für Selbstständige, Teams aus Firmen, Vereinen und Interessierten. Damals selbst auf der Suche nach Räumlichkeiten für ihre Agentur Kreuz und Quer, die mit Referenzvideos gute Kundenbewertungen sichtbar macht, haben Ellen Kimmel und Christa Hünting in einer leer stehenden Ladenfläche in der Volkacher Innenstadt Potenzial für einen Co-Working- und Meeting-Space gesehen. „Warum nur in Berlin? Das machen wir hier in Volkach auch“, dachten sich die Schwestern und konnten mit geringem Risiko ihre Idee umsetzen. „Entweder kommt jemand, ansonsten haben wir unsere Bürofläche. Wir konnten einfach testen.“

Trotz schwieriger Startbedingung aufgrund von Corona und einer Baustelle vor der Tür hat sich das KreativQuartier schnell herumgesprochen. Das lag laut Kimmel und Hünting unter anderem auch daran, dass es mit seinem Standort in der Volkacher Innenstadt so sichtbar sei. In den letzten zwei Jahren haben sie viel positive Resonanz bekommen, ihre Räumlichkeiten erweitert und auch der Kundenstamm baut sich weiter auf. „Kunden, die vor einem Jahr hier waren, kommen wieder und in letzter Zeit waren auch viele neue Co-Worker da“, erzählt Hünting von den ersten Erfolgen. „Wir haben zum Beispiel 10er-Tickets mit einem Stundenkontingent. Alternativ bieten wir auch Pässe in drei verschiedenen Größen an: S, M und L.“ Je nach Größe des Passes können Co-Worker viermal, achtmal oder zwölfmal im Monat im KreativQuartier arbeiten.

Die klassischen Kunden sind aktuell Teams aus Firmen, die Teamtreffen, eine Tagung oder einen Strategieworkshop planen – optional mit anschließendem Rahmenprogramm in Volkach, wie etwa einer Weinprobe oder einem gemeinsamen Abendessen in Altstadtatmosphäre. Tatsächlich haben schon einige regionale und überregionale Firmen das Angebot angenommen. Oftmals haben diese eigene Räumlichkeiten, wollen aber für mehr Kreativität auf neutralem Boden aus ihrem Büroalltag ausbrechen. Für das Rahmenprogramm arbeitet das KreativQuartier mit vielen regionalen Partnern wie Hotels, Restaurants und auch dem Tourismusverband zusammen. „Einfach eine Anfrage über die Homepage stellen und dann arbeiten wir ein Angebot aus. Bei Bedarf können auch Coaches aus der Region dazugebucht werden“, erklärt Kimmel.

Aber: „Wir haben festgestellt, dass es in Zukunft wichtig wird, den Co-Working-Space nicht nur als reinen Arbeitsort zu sehen. Denn Arbeits- und Privatleben verschmelzen immer mehr. Da Ehrenamt auch (unbezahlte) Arbeit ist, wollen wir auch dafür einen Raum schaffen“, beschreibt Kimmel die dritte Säule ihres Geschäftskonzepts. Hier probieren die beiden Schwestern verschiedene Formate aus, wie die Integration von Vereinen, Ferienpass-Aktionen, VHS-Kurse und verschiedene Veranstaltungsformate. „Wir werden Step-by-step schauen, was funktioniert, und so vielleicht auch mehr Leute für das Ehrenamt begeistern“, ergänzt Hünting.

Eine wichtige Erfahrung haben beide in den letzten zwei Jahren gemacht: Ein Co-Working-Space funktioniert im ländlichen Raum ganz anderes als in der Großstadt. Während der geteilte Schreibtisch in städtischen Co-Working-Spaces eine günstige Alternative zu Arbeitszimmer oder Büro bietet, ist Raummangel auf dem Land eher kein Thema. „Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema und sind der Meinung, dass Co-Working alleine nicht ausreichen wird, um langfristig Leerstände in kleineren Städten wiederzubeleben und gar langfristig zu erhalten. Co-Working ist ein Weg von der rein digitalen Arbeitswelt hin zu einem sozialen Mittelpunkt, der viele verschiedene Nutzungen kombiniert.“ Hünting prognostiziert, dass immer mehr Firmen auf Homeoffice umsteigen und Büroräume reduzieren werden. „Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht, aber wir sind happy, dass wir das Ganze mitgestalten können. Das Interesse ist bisher wahnsinnig hoch.“

Patrizia Platzöder

Bild: KreativQuartier

KreativQuartier
Spitalstraße 8–10
97332 Volkach
09381 8472833
info@kreativquartier.de
https://kreativquartier.de

Die Personen
Ellen Kimmel und Christa Hünting

Die Idee
Leerstände im ländlichen Raum in Co-Working-Spaces umwandeln

Größte Herausforderung
Co-Working-Kultur im ländlichen Raum neu denken

Pläne
Gleichgesinnte und Kooperationspartner finden, um an weiteren Standorten Kreativquartiere zu eröffnen

Den WiM-Artikel finden Sie hier.