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Der Personalausweis des Plastiks

Die Politik treibt den digitalen Produktpass voran, der im Kunststoffbereich hohe Relevanz haben wird. Dessen Daten will das Inhouse-Start-up praqtics nutzen, um eine kooperative Datenaustauschplattform für die Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Am Ende des Tages soll viel mehr wertvoller Kunststoffabfall recycelt werden als heute.

Die Politik treibt den digitalen Produktpass voran, der im Kunststoffbereich hohe Relevanz haben wird. Dessen Daten will das Inhouse-Start-up praqtics nutzen, um eine kooperative Datenaustauschplattform für die Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Am Ende des Tages soll viel mehr wertvoller Kunststoffabfall recycelt werden als heute.

Nach dem Personalausweisgesetz ist jeder Deutsche über 16 Jahren verpflichtet, einen Personalausweis zu besitzen. Darin sind Merkmale wie Name, Wohnadresse, Augenfarbe und Körpergröße fälschungssicher hinterlegt. Nach konkreten Plänen der EU-Kommission soll es künftig auch eine Art Personalausweis für Kunststoffe geben, abgespeichert im sogenannten digitalen Produktpass. „Ziel ist es, mehr Transparenz in den gesamten Wertstoffkreislauf zu bekommen – und auf diese Weise hochwertige Plastikabfälle wieder aufzubereiten“, sagt Oliver Stübs.

Genau dieser Vision hat sich die Würzburger Softwarefirma Infosim mit dem Inhouse-Startup praqtics – einer Wortschöpfung aus practical (deutsch: praktisch), quality und plastics (Kunststoff ) – verschrieben. „Noch entwickeln wir unser Geschäftsmodell. Aber es bewegt sich definitiv im Umfeld des Plastikrecyclings“, sagt Stübs, der zuvor beim Kunststoffzentrum SKZ gearbeitet hat. Ursprünglich habe man die Idee gehabt, eine Plattform für Kunststoffabfälle zu entwickeln, berichtet der 49-Jährige. „Bei vielen Unternehmen liegen hochwertige Ausstöße in Containern auf dem Hof. Doch die Mengen und das Wissen sind meist so gering, dass sie häufig nur entsorgt werden.“

Irgendwann lernte Stübs Dr. Stefan Köhler, Chef von Infosim, kennen. Die beiden kamen in den Austausch – und am Ende stand: praqtics. „Ein Inhouse-Start-up zu sein hat viele Vorteile. So profitieren wir natürlich vom IT-Know-how – und können die Infrastruktur von Infosim hier am Hubland nutzen“, erklärt Stübs, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) technische Volkswirtschaftslehre studiert hat. Der Geschäftsbereich, in dem das alles geschieht, heißt: Circular Innovation Lab.

Transparenz bei Verarbeitung und Inhalt

Dass man letztlich wieder von der reinen Vermittlungsplattform à la Ebay abgekommen ist, habe unterschiedliche Gründe gehabt, so Stübs. Man wolle nun eine mächtigere, digitale Palette an Services entwickeln – und hier kommt dem wohl bald verpflichtenden Produktpass, der in diesem Bereich eher einem Materialpass gleichkommt, eine entscheidende Bedeutung zu. „Darin sollen technische Eigenschaften wie Formbarkeit, Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit oder Temperaturbeständigkeit hinterlegt sein, aber auch der bisherige Lebensweg des Kunststoffs wie einzelne Verarbeitungsschritte“, erklärt der gebürtige Pfälzer. „Das Problem im Plastikkreislauf sind bislang immer wieder die fehlenden Informationen.“

Häufig seien Zuliefererverträge, etwa in der Automobilindustrie, langfristig angelegt, weiß Stübs. „Da verpflichtet man sich über viele Jahre hinweg, dem Erstausrüster bestimmte Komponenten in einer bestimmten Qualität zu liefern.“ Wenn man nun in der Herstellung ein sogenanntes Rezyklat einsetzt, waren und sind viele Unternehmen unsicher, ob es den Anforderungen tatsächlich genügt und dauerhaft verfügbar ist. „Viele Produzenten haben zu wenig Vertrauen in die Sekundärkunststoffe. Das wollen wir mit praqtics ändern, beispielsweise auch durch Zertifizierungen.“

Herzstück soll eine neuartige Datenbank sein, die Verarbeiter, Zwischenhändler und Recycler nutzen können. In die Software wird zudem eine Art Matching-Funktion integriert sein. „Dort sollen unterschiedliche Kunststoffchargen daraufhin abgeglichen werden, ob und wie sie zu einer großen Zahl zusammengeführt werden können, um daraus dann ein neues Produkt herzustellen“, erläutert Stübs. „Das Datenvolumen im Kunststoffbereich ist schon jetzt immens. Es liegt nur teils noch unsystematisch vor und wird kaum genutzt – schon gar nicht, was künstliche Intelligenz angeht.“ Ein weiteres Problem ist, dass Ausstoßproduzent und Recycler nichts voneinander wüssten – etwa, weil sie in unterschiedlichen Lieferketten agierten.

Genau solche Lücken will praqtics künftig schließen. Neben Stübs arbeitet auch der Informatiker Tobias Katzenberger bei diesem Vorhaben an vorderster Stelle mit. „Wir bekommen auch immer wieder Unterstützung von anderen Kollegen und Kolleginnen bei Infosim oder Werkstudenten“, so Stübs, dessen Karriere einst im elterlichen Autohaus begann. Das Potenzial scheint jedenfalls riesig. Bei der Kunststoffverarbeitung fällt hierzulande rund eine Million Tonnen Abfall pro Jahr an. „Häufig sind das hochwertige und sortenreine Materialien“, erklärt der Vater zweier Söhne: „Hinzu kommt noch der Haushaltsmüll in den Gelben Säcken.“ Noch würden nicht nur die einfachen, sondern auch die wertvollen Plastikabfälle entsorgt und teils sogar verbrannt. „In neuen Kunststoffprodukten sind europaweit bisher lediglich 15 Prozent Recyclingmaterial enthalten.“ Es gibt also noch viel zu tun.

Jörg Rieger

Das Unternehmen

praqtics Infosim GmbH & Co KG
Landsteinerstraße 4
97074 Würzburg
0931 20592-200
stuebs@infosim.net
www.praqtics.de

Die Personen
Oliver Stübs und Tobias Katzenberger

Die Idee
Kooperative Austauschplattform im Kunststoffbereich

Größte Herausforderung
Herausarbeiten des künftigen Geschäftsmodells

Pläne
Aufbau einer effizienten Kreislaufwirtschaft

Hier finden Sie den Artikel in der WiM