Indien: Aktuelle Lage und Reisebeschränkungen

Achtung: Weltweite Einreisebeschränkungen für Reisende aus Indien. Für weitere Informationen zu den aktuell geltenden Reisebeschränkungen konsultieren Sie bitte regelmäßig die Webseite des indischen Bureau of Immigration.

 

Während sich vor einem Monat die lange ausgebliebene zweite Welle der Pandemie in Indien gerade erst ankündigte und damals nur Maharashtra bereits mit einem deutlichen Anstieg der Fallzahlen konfrontiert war, so türmen sich mittlerweile die Schlagzeilen und eine Schreckensmeldung nach der anderen erreicht uns aus Indien.
Wer in diesen Zeiten die indische Presse verfolgt wird spätestens jetzt mit dem indischen Zahlwort „Lakh“ vertraut sein. „Lakh“ bezeichnet die Einheit 100.000 und ist momentan die wichtigste Einheit, in der die Zahl der täglichen Neuinfektionen angegeben wird. Nachdem Anfang Februar die Zahl der täglichen Neuansteckungen gerade mal im 4-stelligen Bereich lag, so verzeichnet Indien seit dem 22. April durchgehend mehr als 300.000 (3 lakh) Neuansteckungen täglich – Stand Ende April sogar knapp 400.000. Auch die Zahl der Toten steigt seit Tagen kontinuierlich an und liegt bereits jetzt bei über 3.000 Todesfällen pro Tag.
Insgesamt verzeichnet Indien nun mehr als 18 Millionen Coronafälle und über 200.000 Todesfälle.


Dabei handelt es sich hier nicht mehr um das übliche „Indienphänomen“ bei dem die absoluten Zahlen immer beeindruckend erscheinen, sich aber bei genauerer Betrachtung aufgrund von Bevölkerungs- und Landesgröße schnell relativieren, sondern die pandemische Lage ist in Indien wirklich dramatisch. Die Zahl der aktiven Fälle liegt momentan bei über 3 Millionen, die Testpositivrate teilweise bei bis zu 50% (z.B. in Kolkata) und die Inzidenz bei 181 – Tenzend steigend. Damit hat Indien mit seiner Bevölkerung von 1,3 Milliarden momentan eine vergleichbare Inzidenz wie Deutschland und andere europäische Länder.
Eine anschauliche Visualisierung der aktuellen Fallzahlen finden Sie auf der Webseite der Times of India. Die Grafiken können für verschiedene Bundestaaten und Zeiträume angepasst werden, was einen differenzierten Überblick ermöglicht.

Vergleicht man diese Zahlen mit dem Pandemiespitzenreiter USA dann scheint alles halb so schlimm. Allerdings gibt es neben den Fallzahlen einen zweiten wichtigen Faktor, der das Land gerade in die Knie zwingt: die unzureichende Gesundheitsversorgung.
Die Kombination aus hohen Fallzahlen und schlechter Gesundheitsinfrastruktur führt zu dramatischen Szenen im Land: Krematorien nutzen alle möglichen Freiflächen, um Ihre Kapazitäten zu erweitern und laufen im Dauerbetrieb, Erkrankte werden in Autos wartend vor überfüllten Krankenhäusern notdürftig beatmet, Züge werden zu Isolierstationen umfunktioniert und WhatsApp Gruppen, in denen fast alle Inder im Besitz eines Smartphones sowohl national als auch international vernetzt sind, sind voll von Hilfsgesuchen nach Betten, Medikamenten und Sauerstoff. Der Mangel an Sauerstoff ist so eklatant, dass mittlerweile groß angelegte Hilfsaktionen und Lieferungen von dringend benötigten medizinischen Gütern in Richtung Indien angelaufen sind (mehr dazu hier). Selbst Pakistan und China haben mittlerweile ihre Hilfe zugesagt. Gleichzeitig werden auch verstärkt die großen Unternehmen in Indien – und darüber hinaus - aktiv und versuchen, die Versorgungslage durch den Aufbau von Notlazaretten, die Finanzierung von Impfkampagnen für die eigenen Angestellten und die Lieferung von benötigten Rohstoffen zu verbessern (mehr dazu hier und hier).
Obwohl die mittlerweile als Indische Variante bekannte Virusmutation B.1.617 global für Aufregung sorgt (mehr dazu hier), so ist die massive zweite Welle nicht alleine mit dem Auftreten neuer Mutationen zu erklären, sondern hat ihre Ursache wohl in einer Vielzahl von Faktoren: Wahlen im Westen (seit 27. März in Westbengalen), religiöse Feste im Norden (Kumbh Mela), Sorglosigkeit in Mittel- und Oberschicht, mangelnde Einhaltung der Hygienemaßnahmen und politische Fehlentscheidungen, um nur einige zu nennen.

Ein weiterer Faktor, der die Situation zusätzlich verschärft ist der aktuell nur schleppende Fortschritt der indischen Impfkampagne (mehr dazu hier). Nachdem ab Anfang April bereits alle Menschen über 45 Jahren impfberechtigt waren, so hat die Regierung mittlerweile erklärt, dass ab 1. Mai alle Personen über 18 Jahren impfberechtigt sind. Über 12 Millionen haben sich daraufhin bereits für eine Impfung registriert. Allerdings ist momentan nicht genügend Impfstoff vorhanden, um diese Nachfrage überhaupt zu decken. Während Indien daher im Eilverfahren nun auch selbst Impfstoffe importiert (u.a. Sputnik V), hat Maharashtra bereits einen Stopp für weitere Erstimpfungen verhängt und verimpft momentan nur noch Zweitdosen. Insgesamt haben nun 150 Mio eine Erstimpfung erhalten und 25 Mio haben den vollständigen Impfschutz.

Um die Ausbreitung der Indischen Virusmutation zu begrenzen, haben mittlerweile 21 Staaten Einreisebeschränkungen für Reisende aus Indien erlassen – darunter auch Deutschland, das Indien seit Kurzem als Hochrisiko- und Virusvarianten-Gebiet einstuft und die Einreise aus Indien nur noch für Staatsangehörige und Inhaber eines Aufenthaltstitels - und auch dann nur unter strengen Auflagen – erlaubt. Der Flugverkehr zwischen Deutschland und Indien wird bisher aufrecht erhalten, allerdings hauptsächlich zu Repatriierungs- und Transportzwecken (mehr dazu hier). Weitere Informationen zu Quarantäne- und Einreisebestimmungen finden Sie wie gewohnt auf dem Covid19-Portal des Delhi-Airports – auch wenn von Reisen jeglicher Art im Moment dringend abgeraten wird. Informationen auch auf der Webseite des indischen Bureau of Immigration: https://boi.gov.in/
 

Quelle: AHK Indien