Wasserstoffversorgung Deutschlands: Ergebnisse der aktuellen EWI-Analyse

Eine aktuelle Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) zeigt, dass bei der Auswahl geeigneter Lieferländer nicht allein wirtschaftliche Faktoren ausschlaggebend sind. Neben Produktions- und Transportkosten spielen insbesondere politische Stabilität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, soziale Faktoren sowie der Entwicklungsstand der Energiesysteme in den Exportländern eine wesentliche Rolle für die Versorgungssicherheit.

Deutschland ist traditionell in hohem Maße von Energieimporten abhängig - eine Situation, die sich auch im Bereich Wasserstoff fortsetzen wird. Zwar zeigt die inländische Produktion von grünem Wasserstoff ein vergleichsweise gutes Potenzial, insbesondere im Hinblick auf Kosten und Versorgungssicherheit, jedoch bleibt dieses Potenzial begrenzt. Entsprechend geht die Nationale Wasserstoffstrategie davon aus, dass Deutschland langfristig einen Großteil seines Wasserstoffbedarfs durch Importe decken muss.

Zur Erreichung der Klimaziele bis 2045 wird ein erheblicher Bedarf an grünem Wasserstoff sowie an daraus abgeleiteten Produkten wie Ammoniak erwartet. Importen kommt daher eine zentrale Rolle zu. Gleichzeitig stellt sich die strategische Frage, aus welchen Herkunftsländern diese Importe erfolgen sollten und wie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Versorgungssicherheit erreicht werden kann.

Zur systematischen Bewertung dieser Aspekte wurde ein Index (EWI Future Energy Score - EFES) entwickelt, der verschiedene länderspezifische Kriterien bündelt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen potenziellen Partnerländern: Während einige Länder mit hoher Stabilität und guten Rahmenbedingungen punkten, bieten andere zwar kostengünstige Produktionsmöglichkeiten, weisen jedoch erhöhte Risiken auf.

Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass pipelinegebundene Importe von Wasserstoff aus benachbarten europäischen Ländern in der Regel kostengünstiger sind als Lieferungen aus Übersee. Allerdings reichen diese Importmöglichkeiten mengenmäßig nicht aus, um den zukünftigen Bedarf vollständig zu decken.

Bei Wasserstoffderivaten wie Ammoniak verschiebt sich die Bewertung: Aufgrund besserer Transportfähigkeit gewinnen globale Lieferketten an Bedeutung, wodurch auch weiter entfernte Exportländer in den Fokus rücken. Dies eröffnet zusätzliche Beschaffungsoptionen, führt jedoch gleichzeitig zu neuen Abhängigkeiten und verstärktem internationalen Wettbewerb.

Die untersuchten Länder lassen sich insgesamt in verschiedene Kategorien einteilen, die unterschiedliche Kombinationen aus Kosten und Versorgungssicherheit widerspiegeln. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer diversifizierten Importstrategie, die sowohl wirtschaftliche als auch sicherheitsrelevante Aspekte berücksichtigt.

Die Analyse von EWI finden Sie hier