Zum 2. Bayerischen Nachfolgetag beschäftigten sich in der IHK für München und Oberbayern über 200 Unternehmer, Nachfolger, Berater und Vertreter aus Politik und Kammern mit genau dieser Zukunftsfrage.
Schon in den ersten Gesprächen wurde spürbar: Unternehmensnachfolge ist kein Randthema. Sie geht unter die Haut. Sie betrifft Lebenswerke, Familien, Mitarbeiter und ganze Regionen. Viele Unternehmer tragen diese Frage lange mit sich – oft still, manchmal verdrängend, fast immer emotional. Genau deshalb war der offene Austausch an diesem Tag so wertvoll.
In seiner Begrüßung brachte BIHK‑Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl einen Punkt auf den Tisch, den ich aus unzähligen Gesprächen kenne: Zu viele Unternehmer beginnen zu spät mit der Übergabe, halten zu lange fest oder zögern, externe Unterstützung einzubinden. Dabei ist Unternehmertum immer auch Verantwortung für die Zukunft. Für den Betrieb. Für die Menschen. Für den Standort.
Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, verdeutlichte wie wichtige es ist, Nachfolgechancen sichtbar zu machen. Gerade für potenzielle Übernehmer. Kooperationen zwischen etabliertem Mittelstand und Start‑ups können enorme Innovationskraft freisetzen – wenn man sie zulässt. Ein Ansatz, der auch für Mainfranken enormes Potenzial bietet.
Einen starken Impuls lieferte Prof. Dr. Marcel Hülsbeck mit dem Nachfolgeradar. Seine Erkenntnis deckt sich eins zu eins mit meiner Praxis: Der Erfolg einer Unternehmensnachfolge ist selten eine rein finanzielle Frage. Viel entscheidender sind frühzeitige Planung, gegenseitige Zufriedenheit und das aktive Loslassen des Übergebenden. Erwartungen, Werte und Haltung wiegen oft schwerer als jede Kennzahl.
In der anschließenden Podiumsdiskussion herrschte Einigkeit: Nachfolge muss früher beginnen, offener geführt und professionell begleitet werden. Sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe – von Unternehmern, Politik, Kammern und Beratern. Niemand muss diesen Weg allein gehen. Aber jeder muss ihn selbst wollen.
Fazit
Vor allem die Gewissheit: Nachfolge ist kein Ende. Sie ist Gestaltung. Sie ist eine Einladung, das eigene Lebenswerk bewusst in gute Hände zu geben und gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen. Wer sich frühzeitig mit der Frage beschäftigt, gewinnt Optionen – und Zeit.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, sich ehrlich zu fragen: Wie soll mein Unternehmen in fünf oder zehn Jahren aussehen? Und wer führt es dann?
Ich bin überzeugt: Wer diese Fragen heute stellt, gestaltet aktiv die Zukunft seines Unternehmens – und unserer Region.