„Wenn Kommunen wirtschaftsfreundliche Bedingungen vor Ort schaffen, kommt ihnen das selbst zugute“

Rund eine Woche nach den Kommunalwahlen bereiten sich in den Städten und Gemeinden der Region Mainfranken die neuen Stadt- und Gemeinderäte vor, ihre Arbeit aufzunehmen. Für die IHK Würzburg-Schweinfurt ist dies der richtige Zeitpunkt, eine klare Botschaft an die neu gewählten Kommunalvertreter zu richten: „Kommunalpolitik ist immer auch Standortpolitik“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Sascha Genders.

„Wenn Kommunen wirtschaftsfreundliche Bedingungen vor Ort schaffen, dann kommt das ihnen selbst zugute. Denn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen ist zugleich die zentrale Grundlage kommunaler Gestaltungsfähigkeit“, erklärt der IHK-Chef. „Eine starke Wirtschaft vor Ort sei also kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Kommunen auch in Zukunft handlungsfähig bleiben und ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen können.“

Drei Weichenstellungen für die neue Amtsperiode

Die aktuelle IHK-Konjunkturanalyse zeigt, dass die regionale Wirtschaft an einem sensiblen Punkt steht: Nach einer längeren Abschwungphase scheint die Talsohle erreicht, erste Lichtblicke sind erkennbar. Ob sich daraus eine stabile Erholung entwickelt, hängt aber entscheidend davon ab, wie investitions- und unternehmensfreundlich die Rahmenbedingungen vor Ort gestaltet werden. Gerade in dieser Phase komme den Kommunen laut IHK eine Schlüsselrolle zu. Aus Sicht der Wirtschaftskammer müssen zu Beginn der neuen kommunalen Wahlperiode drei Themen im Mittelpunkt stehen, die maßgeblich über die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts entscheiden:

1. Standortpolitik beginnt in den Kommunen

Ob Unternehmen investieren, wachsen oder neue Arbeitsplätze schaffen, hängt nicht nur von Geopolitik oder europäischer und nationaler Gesetzgebung ab, sondern entscheidet sich häufig ganz konkret vor Ort: Genehmigungsverfahren, Bearbeitungszeiten, die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, verlässliche Planung und eine gute Erreichbarkeit sind zentrale Standortfaktoren, die in kommunaler Verantwortung liegen. Entscheidend ist dabei die klare Benennung von Ansprechpartnern in den Verwaltungen, da sich die Anliegen der Gewerbetreibenden oft stark von denen der Bürger unterscheiden. Zudem empfiehlt es sich, eine Feedback-Kultur zu implementieren: Wie leicht oder schwer war es beim Kontakt mit der Verwaltung, benötigte Informationen einzuholen, Vorhaben zu besprechen oder Probleme einzubringen?  

2. Konzepte sind wichtig – Umsetzung ist entscheidend

Viele Kommunen verfügen über ambitionierte Entwicklungs- und Zukunftskonzepte. Für die Wirtschaft zählt jedoch nicht nur deren Ausgestaltung, sondern vor allem deren Umsetzung. Verbindliche Entscheidungen, klare Zuständigkeiten und realistische Zeitpläne sind entscheidend, damit aus Strategien tatsächlich Fortschritt entsteht.

3. Strukturelle Finanzprobleme ernst nehmen

Die finanzielle Lage vieler Kommunen ist angespannt. Diese strukturelle Schieflage schränkt Investitionsfähigkeit und Handlungsspielräume ein – und erhöht den Druck, auf Einnahmenseite Lösungen zu finden. Gerade vor diesem Hintergrund richtet die IHK einen besonders dringlichen Appell an die neuen Stadträte und Gemeinderäte: „Bei der Suche nach zusätzlichen Einnahmen ist ein maßvoller und verantwortungsbewusster Umgang mit der Gewerbesteuer unerlässlich“, so Genders. „Gewerbesteuererhöhungen mögen kurzfristig Entlastung im kommunalen Haushalt versprechen, sie können jedoch die Wettbewerbsfähigkeit ansässiger Betriebe schwächen, Investitionen bremsen und Standortentscheidungen negativ beeinflussen – dann schneidet sich die Kommune ins eigene Fleisch“, so die IHK.

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Dr. Christian Seynstahl
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