Die mainfränkische Wirtschaft startet verhalten ins Jahr 2026. Die konjunkturelle Lage bleibt angespannt, zugleich mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Talsohle erreicht ist. Im weiteren Jahresverlauf könnten sich erste Erholungstendenzen abzeichnen.
„Die Lage der mainfränkischen Wirtschaft ist ernst. Aber erstmals seit vier Jahren blicken wieder mehr Unternehmen optimistisch als pessimistisch in die Zukunft“, sagte IHK-Präsidentin Caroline Trips beim Jahresauftakt-Pressegespräch der IHK Würzburg-Schweinfurt. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, auch wenn der Weg dorthin steinig bleibt.“
Der IHK-Konjunkturklimaindikator für Mainfranken liegt aktuell bei 103 Punkten und damit auf dem Niveau des Frühjahrs 2025. Hinter der stabilen Gesamtzahl verbergen sich jedoch unterschiedliche Entwicklungen: Während die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage schwach bleibt, haben sich die Erwartungen der Unternehmen aufgehellt.
Ein Blick ins Detail: 53 Prozent der Betriebe bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als befriedigend, rund ein Viertel als gut und knapp ebenso viele als schlecht. „Abgesehen von der Finanzkrise ab 2008 und dem Beginn der Corona-Pandemie wurde die eigene Geschäftslage in den vergangenen 20 Jahren kaum schlechter eingeschätzt als heute“, so Trips. Besorgniserregend sei dabei nicht nur die Tiefe der Krise, sondern vor allem ihre Dauer: „Seit Herbst 2021 zeigt der Trend deutlich nach unten. Eine so lange Abwärtsphase gab es in diesem Jahrtausend noch nicht."
Branchenübergreifend zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild. Während das Dienstleistungsgewerbe überwiegend zufriedenstellende bis gute Ergebnisse meldet und erneut als konjunkturelles Stabilisierungselement wirkt, berichten Industrie, Bau und Handel mehrheitlich von schwierigen Geschäften.
Hoffnungsschimmer für 2026
Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich dagegen deutlich verbessert. Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer besseren Geschäftsentwicklung, während jeder Fünfte eine Verschlechterung erwartet. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen steigt damit auf plus fünf Punkte – ein Zuwachs von 16 Punkten gegenüber dem Vorjahr. „Erstmals seit über vier Jahren überwiegt wieder der Optimismus“, betonte Trips.
Getragen werde diese Einschätzung vor allem von der Hoffnung auf eine anziehende Inlandsnachfrage, unter anderem durch staatliche Investitionsprogramme in Infrastruktur und Verteidigung, sowie von einer Belebung der Exporttätigkeit. Zugleich mahnte die IHK-Präsidentin: „Für einen nachhaltigen Aufschwung, der über kurzfristige fiskalische Impulse hinausgeht, braucht es einen klaren wirtschaftspolitischen Kurswechsel. Hier muss die Politik liefern.“
Investitionen und Beschäftigung weiter unter Druck
Trotz besserer Konjunkturerwartungen bleiben die Beschäftigungs- und Investitionsabsichten schwach. Rund zwei Drittel der Unter-nehmen planen, ihre Mitarbeiterzahl konstant zu halten. Mehr als jeder vierte Betrieb rechnet mit Stellenabbau, lediglich jeder zehnte mit Neueinstellungen. „Die Einstellungsbereitschaft ist äußerst zurückhaltend, trotz Fachkräftemangels und des bevorstehenden Renteneintritts vieler Babyboomer“, warnte Trips. Entsprechend seien dämpfende Effekte auf den Arbeitsmarkt zu erwarten.
Auch bei den Investitionen dominiert Zurückhaltung. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen höhere Ausgaben, rund die Hälfte will auf dem bisherigen Niveau investieren. Jeder vierte Betrieb beabsichtigt Kürzungen, mehr als jeder zehnte investiert derzeit gar nicht. Hauptmotive bleiben Ersatzbeschaffungen, gefolgt von Rationalisierungsmaßnahmen und Investitionen in den Umweltschutz. „Das ist ein Warnsignal“, so Trips. „Zukunftsgerichtete Investitionen bleiben zu oft aus, dabei sind sie die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum.“
Wirtschaftspolitik und Geopolitik zentrale Risiken
Als größte Risiken nennen die Unternehmen strukturelle Standortnachteile wie hohe Kosten, zunehmende Regulierung, den Fachkräftemangel sowie die allgemeine Wirtschaftspolitik. Hinzu kommen wachsende geopolitische Unsicherheiten. „Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist heute mehr denn je ein geopolitischer Faktor“, unterstrich Trips. Umso wichtiger seien verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Energiepreise, konsequenter Bürokratieabbau, zügige Genehmigungsverfahren und eine leistungsfähige digitale Verwaltung.
Trotz der angespannten Lage sieht Trips gute Zukunftschancen für Mainfranken. Als Beispiele nannte die IHK-Präsidentin die Bewerbung des Standorts Schweinfurt für eine europäische KI-Gigafactory, den Aufbau des Netzwerks Defence sowie die Plattform „Mainfranken NewSpace“. Trips: „Die Region lebt nicht von ihrer industriellen Substanz, sondern von ihrer Innovationskraft.“ Wenn Mainfranken seine Stärken konsequent nutze und notwendige wirtschaftspolitische Strukturreformen zügig umsetze, „kann aus vorsichtigem Optimismus nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg für die Region entstehen“.
Die Befragung wurde im Zeitraum vom 7. bis 16. Januar 2026 durchgeführt. Von 823 befragten Unternehmen haben sich 256 beteiligt. Die vollständigen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage mit ausführlicher Branchenauswertung finden Interessierte online unter: www.wuerzburg.ihk.de/konjunktur
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Elena Fürst
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