Übernachtungszahlen in Mainfranken stagnieren

Bad Kissingen führt die Übernachtungsstatistik in Mainfranken einmal mehr an.

Mit Ausnahme der Corona-Jahre verzeichnete die mainfränkische Tourismusbranche in den vergangenen Jahren in der Regel steigende Übernachtungszahlen. Nicht so im ersten Halbjahr 2025: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stagnieren die Übernachtungszahlen bei rund 2,9 Millionen. Auch für die kommenden Monate erwarten die mainfränkischen Tourismusbetriebe keine Trendwende.

Während sich bei den Übernachtungen von Gästen aus dem Inland gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 ein leichter Zuwachs zeigt, ging die Zahl ausländischer Besucher zurück. „Der rückläufige Trend bei ausländischen Gästen setzt sich fort – nicht nur in Mainfranken, sondern im gesamten Bundesland“, erklärt IHK-Bereichsleiter Dr. Christian Seynstahl. Die Entwicklung der Übernachtungszahlen verlaufe in Bayern jedoch insgesamt etwas positiver als in Mainfranken. „Und dennoch nehmen mainfränkische Destinationen im frankenweiten Vergleich erneut Spitzenpositionen ein, denn nur die Städteregion Nürnberg verzeichnet in Nordbayern mehr Übernachtungen“, so der Tourismusexperte. Zu den touristischen Hotspots zählen die Rhön mit 1,3 Millionen und das fränkische Weinland mit 1,2 Millionen Übernachtungen.

„Die Attraktivität einer Region als Tourismus- und Veranstaltungsstandort entsteht nicht von selbst, sondern ist das Ergebnis einer gezielten Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Wirtschaft und weiteren regionalen Akteuren“, erläutert Seynstahl. Er betont in diesem Zusammenhang die wachsende Bedeutung gemeinschaftlicher Initiativen, um Mainfranken auch langfristig als Anziehungspunkt für Gäste aus dem In- und Ausland zu positionieren. Gerade in Zeiten zunehmenden Standortwettbewerbs komme es darauf an, durch Projekte mit überregionaler Strahlkraft Impulse zu setzen, die nicht nur den Tourismus, sondern auch die Lebensqualität, das Kulturangebot und die Wirtschaftskraft nachhaltig stärken. Beispielhaft verweist er auf die zahlreichen Großevents in der Region, aber auch auf fehlende Angebote wie die von vielen Unternehmen sehnlichst erwartete Multifunktionsarena in Würzburg.

Tourismus in den mainfränkischen Landkreisen

Die meisten Übernachtungen in den mainfränkischen Landkreisen weist die Statistik für das erste Halbjahr in Bad Kissingen aus (1,0 Mio.), gefolgt von Rhön-Grabfeld (0,4 Mio.) und Kitzingen (0,3 Mio.). Die Stadt Würzburg verzeichnet rund 0,5 Millionen Übernachtungen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 konnten jedoch nur zwei der neun mainfränkischen Gebietskörperschaften einen Anstieg der Übernachtungszahlen vermelden. Einen Zuwachs um sechs Prozent verzeichnete der Landkreis Main-Spessart, in der Stadt Würzburg lag das Plus bei rund drei Prozent. In den übrigen Gebietskörperschaften reicht die Spanne von stagnierenden Übernachtungszahlen bis zu einem Rückgang um elf Prozent in der Stadt Schweinfurt.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Mainfranken lag im ersten Halbjahr 2025 bei rund 2,7 Tagen. Besonders lange verweilten die Gäste in den Landkreisen Bad Kissingen (5,1 Tage), Rhön-Grabfeld (4,0 Tage) und Main-Spessart (2,4 Tage). Dies ist einerseits auf Angebote der Gesundheitswirtschaft sowie des Kurwesens und andererseits auf attraktive Angebote rund um Rad-, Wander- und Weintourismus zurückzuführen. In den Städten Schweinfurt (1,9 Tage) und Würzburg (1,6 Tage) ist die Aufenthaltsdauer geringer. Hier profitiert die Tourismuswirtschaft üblicherweise eher von Tages- und Ausflugstouristen als von Übernachtungsgästen. „Heute bleiben die Gäste etwas länger in Mainfranken als vor der Corona-Pandemie. Bis 2019 lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Urlaubsgäste bei etwa 2,5 Tagen, in der Corona-Zeit kletterte der Wert auf 2,8 Tage. Es ist erfreulich, dass sich dieser Trend zu verfestigen scheint”, meint Seynstahl.

Mainfränkische Tourismusbetriebe bleiben skeptisch

Die schwächere Entwicklung im Vergleich zu den ersten sechs Monaten der Vorjahre spiegelt sich auch in den Ergebnissen der IHK-Konjunkturumfrage aus dem Frühjahr 2025 wider. Der IHK-Konjunkturklimaindikator für das Tourismusgewerbe, der die aktuellen Lagebeurteilungen der mainfränkischen Touristiker sowie deren Erwartungen für die kommenden zwölf Monate in einem Wert zusammenfasst, liegt mit 80 Punkten weiterhin unter der 100-Punkte-Marke. Diese kann als Wachstumsschwelle interpretiert werden. Elena Fürst, IHK-Referentin für Konjunktur und Statistik, blickt ins Detail der Befragung: „Auch wenn sich die Stimmung der mainfränkischen Tourismusbetriebe gegenüber der Befragung zum Jahresauftakt etwas verbessert hat, sind die Unternehmen weit entfernt von entspannter Sommerlaune. Jeder Fünfte beurteilt die aktuelle Geschäftslage als gut, doppelt so viele äußern sich negativ. Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen liegt mit 19 Punkten im negativen Bereich. Die breite Mehrheit der Betriebe berichtet mittlerweile von einer ungenügenden Auslastung, zudem schwächeln die Umsätze.“

Die mainfränkischen Tourismusbetriebe bleiben mit Blick auf die kommenden Monate weiter skeptisch. Jeder Zehnte erwartet bessere Geschäfte, während sich jeder Dritte pessimistisch äußert. Die Branche plant mit sinkender Auslastung und rückläufigen Umsätzen – und das über alle Gästearten hinweg: Geschäftsreisende, Tagestouristen und Urlaubsreisende. Entsprechend der angespannten Stimmung sind die Investitionsabsichten ausbaufähig. Hauptmotive sind die Ersatzbeschaffung (55 Prozent) und Rationalisierungen (40 Prozent). Zudem sind kaum Veränderungen des Personalbestandes geplant. „Die Betriebe ächzen unter hohen Kosten, einer enormen Regulatorik und einer fehlenden Nachfrage“, erläutert Fürst. Neben den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (56 Prozent) gelten insbesondere die Arbeitskosten (61 Prozent) sowie die Energie- und Rohstoffpreise (66 Prozent) als die größten Konjunkturrisiken der Branche.

Die Tourismuszahlen stammen vom Bayerischen Landesamt für Statistik. 

Information
Dr. Christian Seynstahl
Tel. 0931 4194-314
E-Mail: christian.seynstahl@wuerzburg.ihk.de