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24.10.2019 - 08:18 Uhr

IHK-Gremialausschuss zu Besuch im Landratsamt

Wirtschaft und Politik im Dialog

Würzburg / Bad Kissingen – Welche Herausforderungen sieht die regionale Wirtschaft für den Standort Bad Kissingen?

Welche politischen Rahmenbedingungen benötigt sie für die Zukunft? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Herbstsitzung des IHK-Gremialausschusses Bad Kissingen am 22. Oktober 2019. Das Gremium unter Vorsitz von Anja Binder nutzte die Sitzung, um mit Landrat Thomas Bold im Landratsamt Bad Kissingen über die aktuellen Themen der Region zu sprechen.  

Identitätsstiftung – ein Garant für eine starke Region  

„Bad Kissingen ist ein starker Standort, was sich nicht zuletzt in der positiven Situation auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt“, so Landrat Bold zu Beginn der Diskussionsrunde. Auf der anderen Seite stehe die Wirtschaft zunehmend vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Als Reaktion darauf und um sich als Region insgesamt attraktiv aufzustellen, habe der Landkreis zum Beispiel mit der Standortkampagne ein wichtiges Zeichen setzen wollen. Das Ziel, Menschen aus Ballungszentren im Wettbewerb der ländlichen Regionen für Bad Kissingen zu begeistern, habe man mit der vor drei Jahren begonnen Maßnahme bereits erfolgreich umgesetzt. Und auch weitere Konzepte wie die jüngst stattgefundene Jobmesse der Wirtschaftsjunioren fügen sich in das Gesamtportfolio, um sich zu positionieren und zugleich eine regionale Identität aller vor Ort zu schaffen.  

Von Schienenverkehr bis Gewerbeflächen  

Neben der Vermarktung und Imagebildung sei die Region auch in Bezug auf klassische Standortfragen aktiv, so Landrat Bold. Er verwies dabei auf eine sinnhafte Schienenverkehrsanbindung zum Knotenpunkt Fulda und die Bestrebungen, größere Gewerbeflächen im Landkreis für entsprechende Unternehmensansiedlungen zu schaffen. Weitere Themen des wirtschaftspolitischen Dialogs waren die Mobilität im Landkreis, Standortentscheidungen der Bundeswehr, die Energieversorgung, die Kompetenzstelle Digitalisierung und die Reaktivierung von Leerständen in den Innenstädten.  

Fachvortrag „Arbeitgeber heute“  

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war der Fachvortrag „Arbeitgeber heute: aktuelle Trends zur Mitarbeiterfindung und -bindung“. Katrin Siegmund, Bereichsleiterin Personal der IHK, bot aus Sicht der Wirtschaftskammer einen Einblick in das Thema. Neben Möglichkeiten zur Mitarbeitermotivation und Chancen für Unternehmen, wie man als attraktiver Arbeitgeber punkten könne, zeigte sie konkrete Ansätze zu Sachbezügen, Sonderleistungen und Bausteine rund um die Altersvorsorge als Bestandteile einer adäquaten Personalpolitik.  

Standortpolitik nicht aus dem Blick verlieren  

Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung, informierte über standortpolitische Themen der Region: Demnach zeige sich nach aktuellster IHK-Konjunkturanalyse eine Eintrübung der Stimmung bei den Unternehmen. Des Weiteren verwies er auf eine Demographie-Studie der IHK, wonach in den kommenden Jahren im Landkreis mit einem Rückgang des Unternehmensbestandes um rund 13 Prozent zu rechnen sei. Abschließend stellte Genders die neueste Realsteuererhebung der IHK vor. Demnach sei für den Landkreis Bad Kissingen das Niveau des Gewerbesteuerhebesatzes im mainfränkischen Landkreisvergleich das höchste in Mainfranken. Hiesige Unternehmen zeigen sich diesbezüglich unzufriedener als anderswo in der Region. „Auch wenn die aktuelle wirtschaftspolitische Lage von vielen Dingen beeinflusst wird, für die wir vor Ort nur wenig tun können – denken Sie an den Brexit oder die globalen Handelshemmnisse – so sind es oftmals aber auch regionale Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Gewerbesteuer oder Gewerbeflächenverfügbarkeiten, mit denen unterstützend für einen Wirtschaftsstandort und die Arbeitsplätze etwas bewirkt werden kann. Dies gilt es gerade jetzt anzupacken“, appelliert Genders.