Presse

24.01.2017 - 11:11 Uhr

IHK-Potenzialstudie

Wie reif ist Nordbayern für Industrie 4.0?

Würzburg - Unternehmen in Nordbayern sind beim Thema Industrie 4.0 deutlich weiter als ihre Wettbewerber in ganz Deutschland. In Franken und der Oberpfalz haben zehnmal mehr Unternehmen Erfahrungen mit der automatisierten und digital vernetzten Produktion, als der Bundesdurchschnitt, teilt die IHK Würzburg-Schweinfurt mit.

Wie viele Unternehmen haben schon systematische Ansätze für die Industrie 4.0 entwickelt? Haben diese Konzepte für die Vernetzung von Produkten, Prozessen und Kunden sowie für die virtuelle Abbildung der physischen Produktion? Diesen Fragen ging IW Consult in einer Potenzialstudie in Nordbayern im Auftrag der IHKs aus Bayreuth, Coburg, Nürnberg, Regensburg und Würzburg-Schweinfurt nach.   Wie weit die Beschäftigung mit dem Thema in den jeweiligen Betrieben vorangeschritten ist, hält die Studie in fünf sogenannten „Readiness“-Kategorien fest (Stufe 1: „Außenstehender“ bis Stufe 5: „Exzellenz“). Ein wichtiges Ergebnis: In Nordbayern zählen zehnmal so viele Unternehmen zu den Industrie 4.0-Erfahrenen, als im Bundesdurchschnitt. 3,3 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Nordbayern erreichen auf der Skala von 0 bis 5 immerhin die Stufe 3 („Erfahrene“). Allerdings hat die überwiegende Mehrheit der nordbayerischen Unternehmen (fast 70 Prozent) noch keine konkreten Schritte zur Umsetzung unternommen. Deutschlandweit sind es sogar 85 Prozent.  

Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Unternehmensgröße deutlich: Fast jedes zweite große Unternehmen befindet sich bereits auf den Stufen 2 oder höher. Im Mittelstand ist es dagegen lediglich jedes vierte Unternehmen. Bei den kleinen Unternehmen fällt der Anteil mit rund fünf Prozent verschwindend gering aus.  

Digitale Geschäftsmodelle als Herausforderung   Der Weg zu integrierten Wertschöpfungs-Netzwerken ist auch deshalb noch weit, weil der wirtschaftliche Nutzen von Industrie-4.0-Konzepten vielen Unternehmen noch unklar ist. Besonders deutlich wird dies durch den extrem geringen Reifegrad im Bereich digitale, datengetriebene Geschäftsmodelle: Neun von zehn (94 Prozent) der Unternehmen haben sich noch nicht mit diesen sogenannten Data-driven Services beschäftigt. „Das ist eine große Herausforderung, da die Entstehung neuer digitaler Geschäftsmodelle im Zuge von Industrie 4.0 als zentrale Chance gilt.“, so Oliver Freitag, Bereichsleiter Innovation und Umwelt bei der IHK Würzburg-Schweinfurt. Vier Interviews mit Experten entlang der Automobil-Zulieferkette, die ergänzend zur Unternehmensumfrage durchgeführt wurden, unterstreichen diese Einschätzung. „Die Studie empfiehlt daher, forschungsnahe Testumgebungen zu schaffen, in denen Unternehmen eigene Industrie-4.0-Lösungen erproben können.“, so Freitag.   Die befragten Unternehmen wünschen sich von den IHKs Beratung und Aufklärung sowie eine verstärkte regionale Netzwerkarbeit rund um den Cluster „Automation Valley Nordbayern“. Handlungsbedarf zeigt die Studie bei den Aspekten Qualifizierung und Fachkräftesicherung, flächendeckende Breitbandinfrastruktur im ländlichen Raum sowie zügiger Ausbau der digitalen Gründerzentren.  

Die Erhebung bildet die mittelständische Struktur in Nordbayern ab. Insgesamt haben 354 Unternehmen den umfangreichen Fragebogen vollständig ausgefüllt. Neben der Erhebung und vier Experteninterviews wurde ein Webcrawling durchgeführt. Für die Messung der Industrie-4.0-Affinität wurden die Websites von mehr als 120.000 nordbayerischen Unternehmen nach 25 Begriffen wie Big Data, Smart Services oder 3-D-Druck und 100 Synonymen durchsucht.

Die 134-seitige IHK-Studie „Industrie 4.0 in Nordbayern“ steht auf unter www.wuerzburg.ihk.de/industrie40 zur Verfügung. Online abrufbar ist auch eine vierseitige Kurzfassung der Studie.  

Information:
Oliver Freitag
Tel. 0931 4194-327
E-Mail: oliver.freitag@ wuerzburg.ihk.de