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18.12.2017 - 13:51 Uhr

IHK-Studie: Kommunen müssen handeln

Unternehmen suchen händeringend Gewerbeflächen

Würzburg – Ausreichend geeignete Flächen für Gewerbe vorzuhalten, zeichnet wirtschaftlich starke Regionen aus. Diese Flächen sind wichtig für Unternehmensgründer, den Zuzug von neuen Firmen oder für die Expansion bestehender Unternehmen. Das Gewerbeflächenangebot in Mainfranken ist aber unzureichend, so eine neue Gewerbeflächenanalyse der IHK Würzburg-Schweinfurt.

Die Untersuchung der Wirtschaftskammer basiert auf einer Befragung von über 2.300 Betrieben und der Kommunen in Mainfranken. Sie zeigt Ansätze, um Entwicklungspotenziale in der Region zu erschließen und widerlegt die Behauptung des Flächenfraßes durch Gewerbeflächenausweisungen. Dass geeignete Flächen fehlen, wird laut IHK negative Folgen für Unternehmen, deren Mitarbeiter und die betroffenen Kommunen haben, was mittelfristig den Wirtschaftsstandort schädigen wird.  

Gewerbeflächenangebot oftmals unzureichend  

„Zwei von drei Gemeinden in Mainfranken haben keine ausgewiesenen Gewerbeflächenreserven mehr für Unternehmensexpansionen und -ansiedlungen frei. Und in 41 Prozent der Kommunen liegt die Nachfrage nach Gewerbeflächen über dem Angebot.“, berichtet Dr. Christian Seynstahl, Referent für Regionalentwicklung der IHK Würzburg-Schweinfurt.  

Auch bei den derzeit ungenutzten Gewerbeflächen deckt die Studie Hürden auf, die einer kurzfristigen Verwertung entgegenstehen. Rund 60 Prozent der Gemeinden geben an, dass ihre frei verfügbaren Gewerbeflächen nicht vollständig oder gar nicht erschlossen sind. Für Unternehmen ist dadurch schwer kalkulierbar, mit welchen Kosten bei Entscheidung für eine unerschlossene Fläche tatsächlich zu rechnen ist. Erschwerend hinzu kommt, dass sich beinahe die Hälfte der ungenutzten Gewerbeflächen in Privatbesitz befindet. „Dies forciert den Druck auf dem Gewerbeflächenmarkt“, so Dr. Seynstahl, denn häufig seien die Eigentümer nicht bereit, diese Flächen zu verkaufen.  

Abstimmung mit den Kommunen hilft  

Im Vergleich der mainfränkischen Landkreise und kreisfreien Städte zeichnen sich deutliche Unterschiede in Angebot und Nachfrage der Flächen ab. Von Engpässen berichten sowohl Unternehmen, als auch Kommunen insbesondere im Raum Würzburg und Schweinfurt, aber auch in den Landkreisen Kitzingen, Main-Spessart und den Haßbergen.  

Die Probleme bei der Erweiterung des Unternehmensstandorts in Mainfranken kennt auch Monika Spindler-Krenn. Die Prokuristin der Sportwagen Spindler GmbH & Co. KG wollte das Porsche Zentrum am ursprünglichen Standort in Würzburg erweitern. „Für eine Vergrößerung des Autohauses standen uns im gesamten Würzburger Stadtbereich keine geeigneten Flächen zur Verfügung“, berichtet sie. Mittlerweile hat das Porsche Zentrum im Gewerbegebiet Estenfeld wiedereröffnet. Die Abstimmung mit der Kommune sei vorbildlich verlaufen. In der Nachbarschaft werde die Niederlassung weiterer Unternehmen jedoch durch zeit- und kostenintensive archäologische Grabungen und Feldhamster erschwert. „Die Gemeindeverwaltungen müssen das Thema der Gewerbeflächenverfügbarkeit endlich ernster nehmen. Schließlich geht es für sie nicht nur um Gewerbesteuereinnahmen, sondern um den Verlust von Arbeitsplätzen, wenn Unternehmen abwandern, weil das Angebot nicht passt“, mahnt Spindler-Krenn.  

Die Mär vom Flächenfraß  

„Vollkommen zu Unrecht wird in der öffentlichen Diskussion Kritik am Flächenbedarf der Wirtschaft geäußert“, ergänzt Dr. Seynstahl: Die amtliche Statistik spreche eine andere Sprache. Weniger als ein Prozent der Bodenfläche in Mainfranken sei als Gewerbe- und Industriefläche ausgewiesen. Dagegen seien rund acht Prozent Wohn- und Verkehrsfläche, weitere rund 85 Prozent  von Wäldern bedeckt oder würden landwirtschaftlich genutzt.  

IHK empfiehlt: Dialog und Transparenz  

Aus den Ergebnissen der Studie wurden zwölf Handlungsempfehlungen abgeleitet, die zur Verbesserung des Gewerbeflächenangebots in Mainfranken beitragen können. Zusammenfassend konstatiert Dr. Seynstahl: „Vor allem in der Kommunikation zeigt sich erheblicher Nachholbedarf.“ In der Bedarfs- und Angebotsplanung würden Unternehmen zu wenig in Planungsprozesse eingebunden, genauso wie Privateigentümer potenzieller Flächen. „Zudem wird das Potenzial interkommunaler Gewerbegebiete nur schwach genutzt.“ Ein zweiter wesentlicher Auftrag sei eine bessere Vermarktung verkäuflicher Gewerbeflächen – denn jede dritte Gemeinde bewirbt ihre verfügbaren Flächen derzeit gar nicht. Die IHKs bieten mit dem Standortportal Bayern hierzu ein konkretes Instrument, um Gewerbeflächen zu vermarkten, dass Kommunen nutzen können.  

Die Publikation „Gewerbeflächenanalyse Mainfranken“ ist in der IHK-Schriftenreihe erschienen und steht kostenfrei zum Download zur Verfügung unter: www.wuerzburg.ihk.de/gewerbeflächen    

Information:
Dr. Christian Seynstahl,
Tel. 0931 4194-314,
E-Mail: christian.seynstahl@ wuerzburg.ihk.de