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12.02.2018 - 13:01 Uhr

IHK: Erreichbarkeit der Würzburger Innenstadt sichern

„Suchst Du noch oder parkst Du schon?“

Würzburg – Die IHK Würzburg-Schweinfurt weist auf eine sich weiter anspannende Parksituation in Würzburg hin und mahnt ein Gesamtverkehrsmanagementkonzept an. Davon würde auch die Bevölkerung aus dem Umland profitieren. Zwei von drei in Würzburg Beschäftigten pendeln in die Stadt.

Rund 10.000 Parkplätze stehen in Würzburg aktuell zur Verfügung, etwa 4.500 davon im direkten Innenstadtbereich. Durch diverse Stadtentwicklungsprojekte gingen seit 2001 rund 800 Stellplätze in der Innenstadt verloren, etwa bei der Sanierung des Oberen Mainkais oder der Umgestaltung der Eichhorn- und Spiegelstraße zu einer Fußgängerzone. Weitere Parkplätze wurden jüngst durch die Begrünung des Kardinal-Faulhaber-Platzes ersatzlos gestrichen.  

Eine Entspannung der Situation sei laut IHK nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Projekte wie der Abriss des Quellenbachparkhauses mit anschließendem Neubau eines Hotels mit Tiefgarage, die Umwandlung der Theaterstraße in eine Fußgängerzone oder der Bau der neuen Multifunktionshalle werden zumindest mittelfristig eher zu einem Anstieg des Parksuchverkehrs führen. „Was fehlt ist ein Gesamtverkehrsmanagementkonzept, das diese Entwicklungen aufgreift und eine verträgliche Lösung findet“, betont Dr. Christian Seynstahl, IHK-Referent für Regionalentwicklung. Der Zeitpunkt dafür sei nun gut geeignet, mit der neuen Fortschreibung des Luftreinhalteplans der Stadt und mit dem sogenannten „Green City Plan“ habe Würzburg die Chance, ökologisch wie wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Innenstadt anzugehen.        

Erreichbarkeit der Würzburger Innenstadt sichern  

In der Vergangenheit sei das Thema Luftreinhaltung in Würzburg stark emotional diskutiert worden. Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität sollten laut IHK aber sachgeleitet und neutral auf ihre Effektivität geprüft und gegen Einschränkungen auf Ebene der wirtschaftlichen Entwicklung abgewogen werden. „Dies gilt insbesondere für Maßnahmen, deren Wirkung nur als geringfügig positiv eingestuft wird, wie etwa die Ausweisung einer Umweltzone“, so Dr. Seynstahl. Die mainfränkische Wirtschaft spricht sich in ihren von der Vollversammlung bereits im Dezember 2016 verabschiedeten „Grundsatzpositionen Handel“ explizit für die Sicherung der Erreichbarkeit von innerstädtischen Ortskernen durch ÖPNV, Individualverkehr und Wirtschaftsverkehr aus.  

Kein politischer Aktionismus auf Kosten der Besucher  

„Würzburg braucht sein Umland, um sich auch weiterhin stark zu entwickeln. Politischen Aktionismus auf Kosten der Besucher kann sich die Stadt nicht leisten, zumal sie im direkten Wettbewerb mit anderen Handelsstandorten steht. Vielmehr braucht es einen effizienteren Stadtverkehr, um den Verkehrsfluss in der Stadt zu erhöhen und emissionsschädlichen Stop&Go-Verkehr zu verhindern.“, erklärt der IHK-Referent.  

Als Oberzentrum erfüllt Würzburg in vielfacher Hinsicht eine wichtige Versorgungsfunktion für die Region Mainfranken. Würzburg bietet Kultur und Kulinarik, ist Sitz zahlreicher Behörden und Bildungseinrichtungen, religiöses Zentrum, Anker der medizinischen Versorgung und nicht zuletzt auch ein bedeutender Arbeitsmarkt. Die Nachfrage aus dem Umland der Universitätsstadt ist hoch und sichert den Erhalt der Angebotsstruktur. So pendeln zwei von drei der rund 86.000 in Würzburg sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zur Arbeit in die Stadt. Hinzu kommt eine wachsende Zahl an Besuchern aus dem In- und Ausland und eine hohe wirtschaftliche Dynamik der Stadt: von 2000 bis 2015 stieg das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nach Angaben des Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung um 37 Prozent.  

Konsequenzen dieser Entwicklung machen sich in den innerstädtischen Parkhäusern zunehmend bemerkbar. „Die Belegungsstatistiken zeigen mittlerweile nicht nur an den Wochenenden hohe Auslastungsquoten“, weiß Wolfgang Weier, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins „Würzburg macht Spaß“ e.V. „Wer nicht mit Bus und Bahn anreisen kann oder möchte, kommt um den lästigen Suchverkehr kaum herum. Das Angebot an Park&Ride-Plätzen mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr muss dringend ausgebaut werden, um attraktive Alternativen zu schaffen“, so Weier. Engpässe machen sich besonders bei Großereignissen, wie dem Kiliani oder dem Frühjahrsvolksfest, bemerkbar, wenn etwa 2.000 Parkplätze für das Festgelände aus dem Parkangebot genommen werden müssen. Und auch durch den Stadtstrand – obgleich er sicherlich eine Bereicherung für Würzburg darstellt – gehen Stellplätze im Sommer verloren.    

Stadtbesucher mit Parkangebot unzufrieden

Zusammen mit dem Funkhaus Würzburg hatte der Verein im vergangenen Jahr 471 Testkäufer in Würzburg zur Attraktivität und Zufriedenheit mit dem Shopping-Angebot befragt. Nur 21 Prozent der Teilnehmer gaben dabei an, mit dem Parkplatzangebot in Würzburg zufrieden oder sehr zufrieden zu sein“, berichtet Weier.  

Viel Aufmerksamkeit erregte zuletzt auch die „INRIX 2017 Traffic Scorecard“, eine Studie, die weltweit das Verkehrsaufkommen aus Daten vernetzter Automobile und Geräten analysiert. Würzburg erreicht darin Platz neun im deutschlandweiten Ranking der verkehrsreichsten Städte und Ballungsräume. Bemerkenswert hierbei: an Werktagen führt Würzburg außerhalb des morgendlichen und abendlichen Pendelverkehrs das Ranking mit durchschnittlich 32 Stunden Stau pro Autofahrer und Jahr an.  

Information:
Dr. Christian Seynstahl
Tel. 0931 4194-314
E-Mail: christian.seynstahl@ wuerzburg.ihk.de