Presse

28.03.2018 - 16:39 Uhr

IHK fordert mehr Sachlichkeit

Kein Flächenfraß in Mainfranken

Würzburg – Das Thema Flächenverbrauch ist immer wieder Gegenstand der politischen und gesellschaftlichen Diskussion. So prüft das Bayerische Staatsministerium des Innern und für Integration derzeit einen Antrag auf Volksbegehren mit dem Slogan „Betonflut eindämmen – damit Bayern Heimat bleibt“, wonach der Flächenverbrauch im Freistaat um zwei Drittel reduziert werden soll.

Unterstellt wird dabei, dass insbesondere Verkehrs- und Gewerbeflächen die Landschaft versiegeln und die Natur zerstören. Eine aktuelle Auswertung der amtlichen Statistik zeigt nun: Die Wirtschaft zeigt in puncto Flächenverbrauch hohes Verantwortungsbewusstsein.  

Einer Analyse durch die neun bayerischen IHKs nach bestehen 88 Prozent der Fläche Bayerns aus Wäldern, Äcker, Naturland und Gewässern. Dagegen entfällt lediglich rund ein Prozent auf Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung, betont daher, die Diskussion mit mehr Sachlichkeit zu führen: „Weder Bayern noch Mainfranken werden von einer Betonflut überrollt. Es ist wichtig, das Thema Flächenverbrauch faktengeleitet und frei von Emotionen zu diskutieren.“ So sei die Flächeninanspruchnahme zwischen 2011 und 2015 durch Industrie und Gewerbe um rund ein Prozent gewachsen, die Wirtschaftsleistung der Unternehmen legte im selben Zeitraum hingegen über 14 Prozent zu.  

Gewerbeflächenverfügbarkeit geht am Bedarf vorbei  

Auch in Mainfranken ist die „Mär vom Flächenfraß“ falsch: Weniger als ein Prozent der Bodenfläche umfassen die in der Region ausgewiesenen Gewerbe- und Industrieflächen. „Dabei handelt es sich aber nicht um die tatsächlich durch die Wirtschaft versiegelte Fläche, denn das deutsche Baurecht verlangt, dass ein Großteil der Gewerbegebiete begrünt wird“, so Dr. Genders. Um den tatsächlichen Bedarf der mainfränkischen Wirtschaft nach Bauland zu ermitteln, hat die IHK Würzburg-Schweinfurt 2017 eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass das Gewerbeflächenangebot in Mainfranken unzureichend ist. Zwei von drei Gemeinden in der Region haben keine Gewerbeflächenreserven mehr für Unternehmensexpansionen und -ansiedlungen, in 41 Prozent übersteigt die Nachfrage nach Gewerbeflächen das Angebot.  

„Die Inanspruchnahme von Gewerbeflächen durch Unternehmen unterliegt streng betriebswirtschaftlichem Kalkül. Der konkrete Bedarf muss stets gegeben sein, da nicht unerhebliche Investitionen im Raum stehen, die neben dem Erwerb von Flächen auch Baumaßnahmen umfassen. Unternehmen sehen sich also per se gezwungen, wirtschaftlich mit dem limitierten Produktionsfaktor Boden umzugehen.“ In einer IHK-Standortanalyse aus 2016 sprechen sich die mainfränkischen Unternehmer daher explizit für die Verantwortung der Wirtschaft für die Region aus und benennen das Leitbild des „Ehrbaren Kaufmanns“ als Maßgabe ihres Schaffens. Fatal wäre daher, wenn Emotionen und Angst die künftige Entwicklung bestimmen und den Standort gefährden. „Mainfranken braucht starke Unternehmen, denn diese sichern Jobs, Einkommen und die Zukunft der Bürger. Das sollte im Interesse aller liegen. Wirtschaftliches Wachstum verlangt aber eben auch eine bedarfsorientierte Ausweisung neuer Gewerbeflächen“, meint Dr. Genders.  

Obergrenzen sind nicht sinnvoll  

Eine wirtschaftsverträgliche Flächennutzung kann nicht durch willkürlich gesetzte Obergrenzen erfolgen, betont der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) e.V. jüngst in einer Broschüre. Was dies für die planerische Praxis bedeutet, zeigt indess die Gewerbeflächenanalyse der mainfränkischen IHK. Vor allem in der Kommunikation belegt sie Defizite. In der Bedarfs- und Angebotsplanung werden Unternehmen zu wenig in Planungsprozesse eingebunden, genauso wie Privateigentümer ungenutzter Flächen. Zudem wird das Potenzial interkommunaler Gewerbegebiete noch sehr selten genutzt. Insgesamt zwölf Handlungsempfehlungen benennt die Studie und zeigt so, dass verantwortungsvoller Flächenverbrauch und wirtschaftliches Wachstum auch ohne strenge Reglementierung möglich sind.  

Die BIHK-Broschüre "Standortfaktor Fläche - Flächennutzung in Bayern" finden Sie unter https://www.bihk.de/bihk/broschuere-zur-flaechennutzung-in-bayern.pdf

Information:
Dr. Sascha Genders, 
Tel. 0931 4194-373,
E-Mail: sascha.genders@ wuerzburg.ihk.de