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26.09.2018 - 10:32 Uhr

175 Jahre Unternehmergeist in Mainfranken

Ifo-Präsident Fuest warnt vor hartem Brexit

Schweinfurt/Würzburg – Die IHK Würzburg-Schweinfurt begeht dieses Jahr ihr 175-jähriges Jubiläum. Weil nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft der regionalen Unternehmen im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres steht, organisiert die Wirtschaftskammer über das Jahr hinweg eine Reihe besonderer Veranstaltungen zu strategischen Zukunftsthemen. Am 25. September ging es um die Bedeutung des ehrbaren Kaufmanns und das Ansehen des Unternehmertums in bewegten wirtschaftspolitischen Zeiten. Professor Dr. Dr. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts in München, lieferte den rund 120 Gästen in der IHK-Geschäftsstelle in Schweinfurt Antworten.

„Wir befinden uns immer noch in einer außerordentlich langfristigen Phase des konjunkturellen Aufschwungs. Aktuell sehen wir auch noch keine Indizien für einen Abschwung, aber auch der wird irgendwann sicher kommen“, so Fuest. Bereits heute nehme die Unsicherheit der Unternehmen zu, die in Folge höhere Vorsicht bremse Engagement und hemme etwa weitere Investitionen. Die Gründe für die Verunsicherung seien laut ifo-Präsident vielfältig: „Ein aktuelles Thema ist ohne Zweifel der Brexit. Ich halte eine harte Lösung für durchaus realistisch. Was das dann konkret für Großbritannien, aber auch für Europa bedeutet, kann keiner sagen.“ Auch der Trump´sche Handelsprotektionismus beginne zu wirken und sorge für rückläufiges Handelswachstum. Hinzu kommen Fehler in der nationalen Steuerpolitik in Deutschland, europäische Irrwege wie die Digitalsteuer oder Unsicherheiten mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit Italiens.  

Fuest empfiehlt: „Wir brauchen in Europa Schritte hin zu mehr Risikoteilung und Solidarität, müssen dies aber zwingend verbinden mit mehr Marktdisziplin und Härtung von Budgetrestriktionen.“ Zudem müsse hierzulande mehr für den Mittelstand getan werden, gebe es doch neben den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen auch weitere Themen wie den Fachkräfteengpass oder die Digitalisierung zu meistern.  

Dass Unternehmensverantwortung eine wichtige Rolle spielt, machte Fuest bereits zu Beginn seines Vortrags deutlich. Diese Verantwortung – auch Corporate Social Responsibility (CSR) genannt – zu übernehmen, gehe aber stets mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens einher. Aufgabe des Staates sei es dabei, im Sinne von Ludwig Erhard seiner eigenen Verantwortung für eine gute Wirtschaftspolitik nachzukommen, um unternehmerische Freiheiten zu gewährleisten.  

Vertrauen ist gut – ist Kontrolle besser?  

Thomas Kranig, Präsident des Landesamtes für Datenschutzaufsicht, referierte anschließend mit Blick auf die Datenschutzgrundverordnung über die Bedeutung von Vertrauen und Kontrolle in der Wirtschaft. „Vertrauen ist gut und in vielen wirtschaftlichen Bereichen notwendig. Aber als alleiniges Kriterium ist es manchmal zu wenig.“ Vielmehr könne Vertrauen nur dann Erfolg haben, wenn diejenigen, die es missbrauchen, auch ermittelt und sanktioniert würden.  

Die nächste und letzte Veranstaltung aus der Reihe anlässlich des 175. IHK-Jubiläums ist ein Bildungs- und Fachkräftesymposium am 11. Oktober 2018 von 18:00 bis ca. 20:00 Uhr in der Stadthalle in Lohr am Main. Professor Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn und Dr. Markus Forschner, Vorstand der Bosch Rexroth AG, Lohr am Main, zeigen, dass bei Bildungsfragen „business as usual“ nicht mehr funktioniert.

Information:
Radu Ferendino
Tel.: 0931 4194-319
E-Mail: radu.ferendino@ wuerzburg.ihk.de