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16.05.2019 - 12:28 Uhr

IHK-Konjunkturanalyse Mainfranken Frühjahr 2019

Der mainfränkische Konjunkturmotor stottert

Nach fast einer Dekade des Aufschwungs verliert die Konjunktur in Mainfranken an Kraft.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der Lagebeurteilungen und Erwartungsmeldungen in einem Wert zusammenfasst, erreicht mit 122 Punkten zwar erneut ein überdurchschnittlich hohes Niveau, ist aber seit seinem Höchststand zu Jahresbeginn 2018 rückläufig. Die Hochkonjunktur der mainfränkischen Wirtschaft scheint vorerst vorüber.  

„Die aktuelle Geschäftslage wird von den mainfränkischen Unternehmen etwas weniger positiv bewertet als zuletzt. Dennoch zeigt sich mit 49 Prozent gut die Hälfte der Befragten zufrieden mit ihrer gegenwärtigen Situation, sieben Prozent äußern sich gegenteilig“, so Elena Fürst, IHK-Referentin für Konjunktur und Statistik. Zwar erreichten die Lagebeurteilungen weiterhin ein überdurchschnittlich hohes Niveau, seien aber dennoch auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn 2017 gefallen. „Weiterhin stützt die Binnennachfrage die mainfränkische Wirtschaft, während sich das Auslandsgeschäft zunehmend schwierig gestaltet“, erläutert Fürst.  

Aussichten verhalten optimistisch  

Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate zeigen sich die mainfränkischen Unternehmen verhalten optimistisch. Nach einem kräftigen Rückgang zu Jahresbeginn haben sich die Erwartungen nun stabilisiert: 23 Prozent der Unternehmen erwarten bessere Geschäfte, 18 Prozent befürchten eine Eintrübung. Der Saldo bleibt mit fünf Punkten weiterhin leicht im positiven Bereich, beträgt aber nur noch ein Viertel des Vorjahreswertes. „Die mainfränkische Wirtschaft tritt auf die Bremse und drosselt das hohe Tempo der vergangenen Jahre. Auch wenn immer häufiger mit rückläufigen Auftragseingängen und einer geringeren Kapazitätsauslastung gerechnet wird, ist ein Konjunktureinbruch nicht in Sicht“, so Fürst. Vielmehr werde sich die hohe Auslastung der Vergangenheit wieder normalisieren.  

Während die Inlandsnachfrage – der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt, höherer Löhne und des niedrigen Zinsniveaus sei Dank – die Konjunktur auch künftig stützen wird, führt die IHK-Konjunkturexpertin insbesondere die hohen Risiken im außenwirtschaftlichen Umfeld als Ursache für die schwächere Entwicklung an: „Ob Brexit, Handelskonflikte oder der zunehmende Protektionismus – die Rahmenbedingungen auf dem internationalen Parkett bleiben unkalkulierbar. Dies trifft insbesondere die exportorientierte mainfränkische Industrie, die gut 45 Prozent ihrer Umsätze im Ausland generiert. So verwundert es nicht, dass vier von zehn Industriebetrieben in der Auslandsnachfrage eine Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung sehen – dies ist der höchste Wert seit drei Jahren.“  

Infolge der veränderten Lage fallen auch die Investitions- und Beschäftigungsabsichten geringer aus als zuletzt. Jeder Vierte (Jahresbeginn: 32 Prozent) möchte seine Investitionen ausweiten, jeder Fünfte (Jahresbeginn: 12 Prozent) plant hingegen restriktiv. Hauptmotiv für Investitionen bleibt die Ersatzbeschaffung, zudem gewinnen Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte an Bedeutung. Die Personalplanungen der regionalen Unternehmen sind auf Stabilität ausgerichtet: Zwei Drittel möchten Ihren Personalbestand nicht verändern. Da der Fachkräftemangel weiterhin eines der größten Konjunkturrisiken ist, möchten die Unternehmen eher darauf verzichten, Personal frei zu setzen.  

Wirtschaftspolitische Risiken nehmen zu  

Neben dem Fachkräftemangel blicken die mainfränkischen Unternehmen immer besorgter auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Diese werden mittlerweile von 52 Prozent der Unternehmen als Risikofaktor eingestuft – ein neuer Rekord. „Abgesehen von den Unsicherheiten im außenwirtschaftlichen Umfeld bemängeln die Unternehmen insbesondere hohe bürokratische Anforderungen, eine Wirtschaftspolitik, die die Belange des Mittelstandes kaum berücksichtigt, und die hohe Steuerbelastung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schmälert. Die Unternehmen brauchen dringend Entlastungen, denn nur durch gute Standortbedingungen  können sie langfristig im globalen Wettbewerb mithalten“, so Fürst.  

Die vollständigen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage mit ausführlicher Branchenauswertung finden Sie unter: www.wuerzburg.ihk.de/konjunktur

Information:
Elena Fürst
Tel.: 0931 4194-320
E-Mail: elena.fuerst@ wuerzburg.ihk.de