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International

Zahlungsbedingungen & Exportabsicherung

Der Außenhandel ist für viele mainfränkische Unternehmen ein interessantes Betätigungsfeld mit vielen Potenzialen, allerdings nicht ohne Risiken. Gerade in Krisenzeiten, wie der Corona-Pandemie, ist Vertrauen zwischen den Handelspartnern elementar wichtig. Dieses Vertrauen kann durch eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen flankiert werden, hierzu gehört eine sorgfältige Vertragsgestaltung mit entsprechenden Zahlungsklauseln aber auch die zahlreichen verfügbaren Instrumente zur Absicherung Ihrer Exporte. Einige davon möchten wir Ihnen hier vorstellen.

Institutionen der Exportabsicherung

Euler Hermes

Die Euler Hermes SA ist eine Kreditversicherungsgruppe mit Sitz in Frankreich. Die Einschätzungen länderspezifischer Risiken durch Euler Hermes helfen Unternehmen dabei, die richtigen Entscheidungen im Rahmen Ihrer ​internationalen Geschäftstätigkeit zu treffen. Euler Hermes sorgt mit Kreditversicherungen, Finanzierungsinstrumenten wie Bürgschaften und Garantien sowie verlässlicher Marktinformationen dafür, dass sich Unternehmen die solventesten Kunden und Märkte aussuchen und dort Geschäfte machen können – und im Fall der Fälle vor Verlusten geschützt sind. Die deutsche Niederlassung Euler Hermes Deutschland mit Sitz in Hamburg ist Deutschlands führender Kreditversicherer.

Ihr bekanntestes Produkt ist die sog. Hermesdeckung (auch Hermesbürgschaft). So wird umgangssprachlich die Deckung außenwirtschaftlicher Risiken durch die Exportkreditversicherung der Bundesrepublik Deutschland zu Gunsten deutscher Exporteure und Kreditinstitute bezeichnet. Die staatliche Exportkreditversicherung ist ein bedeutender Bestandteil der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Exportkreditbürgschaften oder -garantien schützen deutsche Unternehmen vor Zahlungsrisiken durch ausbleibende Zahlungen ihrer ausländischen Geschäftspartner: Zahlt der ausländische Importeur nicht, springt der deutsche Staat ein. Bereits 1949 beauftragte die Bundesregierung zwei private Unternehmen, die heutige Euler Hermes SA und die PricewaterhouseCoopers GmbH, mandatarisch mit dem Management der Exportkreditgarantien. Da Euler Hermes in dieser Partnerschaft bis heute federführend ist, hat sich in der Wirtschaft der Begriff „Hermesdeckungen“ etabliert.

Aus aktuellem Anlass hat Euler Hermes auf seiner Webseite ein "Krisenportal" eingerichtet, das aufzeigt, wie die verschiedenen verfügbaren Instrumente in Krisenzeiten genutzt werden können.

 

COFACE

Compagnie Française d'Assurance pour le Commerce Extérieur (COFACE) ist der zweite große Kreditversicherer, ebenfalls mit Sitz in Frankreich. Ähnlich wie Euler Hermes berät auch COFACE Unternehmen in jeder Phase der Entwicklung ihres Außenhandels und hilft ihnen, Risiken frühzeitig zu erkennen und einzuschätzen, damit diese fundierte Entscheidungen treffen können. Um Unternehmen während der Corona-Krise entgegenzukommen lockert COFACE temporär einzelne vertragliche Regelungen für Versicherungsnehmer. "Wir wollen damit unsere Kunden entlasten. ...", erklärt Katarzyna Kompowska, Regional CEO der Coface für Nordeuropa: Hier finden Sie die aktuelle Pressemeldung dazu

 

Bezüglich der Funktionsweise der einzelnen Zahlungsabsicherungsinstrumente finden Sie detailierte Informationen unter dem Punkt "Dokumentäre Zahlungsabwicklung".

Zahlungsbedingungen im Außenhandel: Nicht-dokumentäre Zahlungsabwicklung

Mit den richtigen Zahlungsbedingungen können sich Exporteure gegen zahlreiche Risiken im Außenhandel absichern:

Voraus- oder Anzahlung

Einigen sich die beiden Geschäftspartner auf Vorauszahlung oder Anzahlung, zahlt der Empfänger den gesamten Betrag oder einen Teilbetrag schon vor dem Erhalt der Ware. Im Anlagenbau und Investitionsgüterbereich sind beispielsweise An- oder Teilzahlungen in der Staffelung 20, 40 und 40 Prozent eine häufig gewählte Variante. Die erste Anzahlung in Höhe von 20 Prozent wird bei Auftragserteilung fällig; weitere 40 Prozent mit Versand die restlichen 40 Prozent bei Annahme der Ware durch den Importeur beziehungsweise mit der technischen Bereitschaft. Der Verkäufer kann so das Zahlungsrisiko ganz oder zumindest teilweise ausschließen und auf den Importeur abwälzen. Diese Zahlungsbedingung stellt für den Lieferanten eine günstige Finanzierungsmöglichkeit, das heißt ohne Zinskosten, dar. Zur Sicherung der Ansprüche des Käufers gegenüber dem Verkäufer auf Rückerstattung einer vor Warenlieferung geleisteten Anzahlung wird häufig durch die Bank des Käufers eine Anzahlungsgarantie vereinbart.

Zahlung gegen offene Rechnung (reiner Zahlungsverkehr)

Bei dieser Zahlungsart wird die Rechnung mit der Lieferung der Ware verschickt und die Zahlung erfolgt im nach hinein. Hier trägt der Exporteur das Hauptrisiko, da er nicht sichergehen kann, dass der Importeur seiner Zahlungspflicht wirklich nachkommt. Dieser hat den Vorteil, dass er vor der Zahlung die Ware auf Qualität und Ordnungsmäßigkeit prüfen kann. Der Exporteur kommt somit zudem für den überwiegenden Teil der Finanzierung des Warengeschäfts auf, seine Liquidität wird beansprucht und es entstehen Zinskosten. Diese Zahlungsbedingung setzt deshalb Vertrauen des Exporteurs in die Zahlungsfähigkeit beziehungsweise Kreditwürdigkeit des Importeurs voraus.

Dokumentäre Zahlungsabwicklung: Verschiedene Zahlungs- und Sicherungsinstrumente

Lassen Sie sich vor Vertragsschluss unbedingt von Ihrer Bank zu den Risiken der einzelnen Instrumente zur Exportabsicherung beraten.

 

Dokumenten-Inkasso

Ein Dokumenten-Inkasso ist der Auftrag des Exporteurs an eine Bank, Dokumente

  • gegen Bezahlung eines Geldbetrages oder
  • gegen Akzeptierung eines Wechsels auszuhändigen.

Die Abwicklung eines Dokumenten-Inkassos erfolgt nach einem international anerkannten Regelwerk, den Einheitlichen Richtlinien und Gebräuchen für Inkassi – ERI – der Internationalen Handelskammer, Paris (Publikation Nr. 522)

Formen von Dokumenten-Inkassi

  • Kasse gegen Dokumente (c/d oder cad = cash against documents)
  • Dokumente gegen Akzept (d/a = documents against acceptance)

Voraussetzungen für die Zahlungsbedingung „Dokumenten-Inkasso“

  • Wenn Verkäufer und Käufer sich als zuverlässige Partner kennen
  • Wenn im Land des Käufers eine wirtschaftliche und politische Stabilität herrscht
  • Wenn im Land des Käufers keine Devisenbewirtschaftung oder Importbeschränkungen existieren bzw. keine Gefahr dafür besteht

 

Dokumenten-Akkreditiv

Ein Akkreditiv ist die

  • abstrakte Verpflichtung (losgelöst vom Grundgeschäft) einer Bank
  • dem Verkäufer einer Ware oder Dienstleistung
  • bei Erfüllung bestimmter Bedingungen (Vorlage von akkreditivkonformen Dokumenten)
  • die den erfolgten Versand der Ware oder die erbrachte Dienstleistung nachweisen
  • einen bestimmten Betrag zu zahlen

Die Abwicklung eines Akkreditivs erfolgt nach den international anerkannten Regelwerken:

  • „Einheitliche Richtlinien und Gebräuche für Dokumenten-Akkreditive – ERA“ sowie
  • „International Standard Banking Practice (ISBP) for the examination of documents under documentary credits“

Beide Regelwerke wurden von der Internationalen Handelskammer, Paris, verfasst.

Formen des Akkreditivs

  • Sicht-Akkreditiv
    Der Begünstigte erhält den Akkreditiverlös nach Einreichung von akkreditivkonformen Dokumenten. Es findet also eine Zug-um-Zug-Abwicklung Dokumente gegen Zahlung statt.
  • Nachsicht-Akkreditiv
    Hier erhält der Begünstigte die Zahlung nicht nach Einreichung von akkreditivkonformen Dokumenten, sondern erst nach Erreichung eines bestimmten in den Akkreditivbedingungen festgelegten Datums.
  • Akkreditiv – zahlbar bei der Avisbank
    Der Begünstigte erhält den Akkreditiverlös – nach Einreichung akkreditivkonformer Dokumente – von der Avisbank. Das Risiko des Verlustes der Dokumente auf dem Postweg zur eröffnenden Bank trägt der Importeur.
  • Akkreditiv – zahlbar bei der eröffnenden Bank
    Hier erhält der Begünstigte die Zahlung – nach Eingang akkreditivkonformer Dokumente – von der eröffnenden Bank. Das Risiko des Verlustes der Dokumente auf dem Postweg zur eröffnenden Bank trägt der Exporteur.
  • Bestätigtes Akkreditiv
    Auf Weisung des Käufers beauftragt die Akkreditivbank eine Bank (im Lande des Exporteurs) das Akkreditiv unter Hinzufügung ihrer Bestätigung zu avisieren. Diese Bank tritt damit in die Verpflichtung der Akkreditivbank ein. Der Begünstigte hat somit die bestätigende Bank als eigenständigen Schuldner in der Haftung.
    Das wirtschaftliche Risiko der Akkreditivbank und das politische Risiko des Importlandes sind damit ausgeschaltet.
    Es empfiehlt sich, bereits während der Verhandlungen zum Kaufvertrag Kontakt zur Hausbank des Exporteurs aufzunehmen, um die Möglichkeit einer Akkreditiv-Bestätigung und die Höhe der Bestätigungsprovision (Kalkulation) für die erwartete Akkreditivbank und das Importland zu erfragen.
  • Stille Bestätigung (Ankaufszusage bzw. Schutzzusage)
    Diese findet Anwendung, wenn eine Akkreditiv-Bestätigung nicht durchsetzbar ist bzw. falls länderspezifisch Banken keine Bestätigungsaufträge erteilen, der Begünstigte sich aber gegen das Banken- und Länderrisiko absichern will. Bei einer „stillen Bestätigung“ wird die Absicherung vertraglich zwischen Exporteur und seiner Hausbank geregelt. In diesem Vertrag ist genau festgelegt, wann und unter welchen Bedingungen aus der „stillen Bestätigung“ Zahlung erfolgt.

 

Bankgarantie

Unwiderrufliche Zahlungsverpflichtung einer Bank zur Absicherung von bestimmten vertraglich vereinbarten Leistungs- und/oder Zahlungsverpflichtungen der Vertragsparteien.

Zahlbar auf erste schriftliche Anforderung des Begünstigten.

Die Garantie ist ein Vertrag zwischen der Bank und dem Begünstigten.

Die Unterschiede zwischen Garantie und Bürgschaft sind zu beachten.

 

Formen von Garantien

  • Direkte Garantie: Eine direkte Garantie gibt die Bank unmittelbar gegenüber dem Begünstigten ab, somit entsteht eine direkte Rechtsbeziehung zwischen der Garantiebank und dem Begünstigten.
  • Indirekte Garantie: Die Bank des Auftraggebers beauftragt die Bank des Begünstigten zur Erstellung einer Garantie unter deren Rückhaftung.

 

Die wichtigsten Garantiearten

  • Bietungsgarantie
    Sichert, dass der an der Ausschreibung teilnehmende Bieter, der den Zuschlag erhalten hat, den Vertrag auch tatsächlich unterzeichnet
  • Anzahlungsgarantie
    Sichert den Rückerstattungsanspruch des Importeurs für die geleistete Anzahlung
  • Vertragserfüllungsgarantie
    Sichert einen Teilbetrag des Liefergeschäfts ab, falls der Exporteur seine Vertragsleistungen nicht erfüllt
  • Zahlungsgarantie
    Sichert den Zahlungsanspruch des Exporteurs auf den Kaufpreis