09.03.2017 - 07:38 Uhr

International

IHK-Umfrage zu Lieferantenerklärungen

Die durch den Unionszollkodex verursachten Änderungen bei Lieferantenerklärungen sind teuer für Unternehmen. Dies hat bereits die erste Auswertung der bundesweiten Umfrage zu Lieferantenerklärungen im Dezember 2016 gezeigt. In einer zweiten Runde haben wir die Auswirkungen auf Betriebe unterschiedlicher Größe untersucht. Ergebnis: Große Betriebe leiden stärker unter den Vorgaben.

Die IHK Region Stuttgart hat mithilfe einer bundesweiten Online-Umfrage untersucht, wie sich diedurch den Unionszollkodex seit Mai 2016 bedingten gesetzlichen Änderungen bei Langzeit-Lieferantenerklärungen (LLE) auf die betriebliche Praxis auswirken. Über 1.200 Unternehmen haben sich im Zeitraum vom 28. September bis 21. Oktober 2016 an der anonymen Umfrage über das EU-Survey Tool beteiligt. Die Umfrage wurde unterstützt von Enterprise Europe Network.

Ergebnisse der Umfrage

Die Auswertung erfolgte in zwei Stufen, weil die Ergebnisse kurzfristig für die Interessenvertretung durch die IHK-Organisation benötigt worden sind.

Auswertung Allgemein

  • Die Prüfung eingehender Lieferantenerklärungen und die Koppelung des Ausstellungsdatums mit der Gültigkeitsfrist bereiten die größten Schwierigkeiten. Damit hat der EU-Gesetzgeber die Voraussetzungen für die Ausstellung von Lieferantenerklärungen deutlich erschwert.
  • 94 Prozent aller Unternehmen, die Lieferantenerklärungen ausstellen, sind betroffen.
  • Die aufgewendete Arbeitszeit ist massiv gestiegen. Falls Software verwendet wird, muss diese in 73 Prozent der Fälle angepasst werden. Die Bürokratiekosten sind erheblich.
  • Die Beschränkung der rückwirkenden Ausstellung von Langzeit-Lieferantenerklärungen belastet 19 Prozent aller Unternehmen spürbar.
  • Lieferantenerklärungen werden immer noch häufig ohne Software erstellt beziehungsweise verwaltet. Der Austausch der Erklärungen zwischen Unternehmen erfolgt noch sehr häufig in Papierform.
  • Lieferantenerklärungen werden verstärkt von Kunden in anderen EU-Staaten angefordert.
  • Die vollständige Auswertung finden Sie hier.

Detailauswertung nach Unternehmensgrößenklassen

  • Große Unternehmen (ab 500 Mitarbeiter) können die Gültigkeitsdauer von 24 Monaten viel seltener nutzen als kleine Unternehmen.
  • Sie sind stärker davon betroffen, dass Langzeit-Lieferantenerklärungen maximal ein Jahr rückwirkend ausgestellt werden dürfen.
  • 94 Prozent der großen Unternehmen sehen einen Mehraufwand gegenüber 69 Prozent der kleinen (bis 19 Mitarbeiter).
  • Große Unternehmen sind stärker von Softwareanpassungen betroffen.
  • Die genutzte Form der Lieferantenerklärung (Papier, Datei) und die verwendeten Hilfsmittel unterscheiden sich deutlich nach der Größenklasse des Unternehmens.
  • Die vollständige Detailauswertung nach Unternehmensgrößenklassen finden Sie hier.

Fazit

  • Die Änderung von Artikel 62 UZK-IA  führt zu massiven Schwierigkeiten.
  • Die Verknüpfung von Ausstellungsdatum und Gültigkeitsfrist sollte umgehend zurückgenommen werden, zumal kein inhaltlicher Grund für diese Regelung erkennbar ist.
  • Auch die Beschränkung der rückwirkenden Ausstellung sollte zurückgenommen werden. Aussagen für die Vergangenheit sind sicher. Daher ist diese Regelung wenig verständlich, wenn gleichzeitig unsichere Aussagen für zwei Jahre in die Zukunft zugelassen werden.
  • Der EU-Gesetzgeber sollte einen klaren Rahmen und Standards für den elektronischen Austausch von Lieferantenerklärungen schaffen. Damit würde ein wesentliches Ziel des neuen EU-Zollrechts erreicht, nämlich ein papierloses elektronisches Umfeld für Wirtschaft und Handel.
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