23.08.2017 - 10:13 Uhr

International

Europäische Union: Entsendung - Dienstleistungskompass

Im Internet gibt es zahlreiche Informationen zum Thema Mitarbeiterentsendung und Dienstleistungserbringung im Ausland. Das Problem: Sie stehen verstreut im Web, Unternehmen müssen sie erst mühsam zusammensuchen. Zumindest für EU-Mitglieder soll es einfacher werden.

Jetzt startet das Portal http://www.dienstleistungskompass.eu, das der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) federführend mitentwickelt hat. Die Inhalte hat ein Team von Experten aus IHKs, den Handwerks- sowie den Auslandshandelskammern (AHKs) praxisnah formuliert und strukturiert aufbereitet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Arbeits- und Umsatzsteuerrecht.

In den Länderinformationen des Außenwirtschaftsportal Bayern finden sich unter anderem praktische Hinweise zu den Meldepflichten und Mindestarbeitsbedingungen sowie den Unterlagen, die den Mitarbeitern mitgegeben werden müssen. Zudem führt das Portal die Nutzer über direkte Links auf die offiziellen Webseiten zur Mitarbeiterentsendung der einzelnen Länder.

Zu Beginn stehen Informationen zur Dienstleistungserbringung und Mitarbeiterentsendung für die aus bayerischer Sicht wichtigsten 15 EU-Länder bereit. Langfristig sollen Informationen und Verlinkungen zu allen EU-Mitgliedstaaten verfügbar sein.

Wer Mitarbeiter ins europäische Ausland schickt, um etwa Aufträge wie Montagearbeiten zu erfüllen, muss sich einigen Herausforderungen stellen.Das gilt auch innerhalb der EU: Bei einer Entsendung haben sich Unternehmen an die arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen der jeweiligen Länder zu halten, sonst drohen empfindliche Bußgelder. Denn um Lohndumping oder den Abbau sozialer Standards zu unterbinden, ist es den einzelnen Mitgliedstaaten laut EU-Dienstleistungsrichtlinie gestattet, für vorübergehend entsandte Arbeitskräfte besondere Vorschriften aufzustellen. Daraus ergeben sich für Unternehmen eine Reihe von Pflichten, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sein können. Sie müssen die Entsendung von Mitarbeitern melden, Bescheinigungen vorlegen, Fristen einhalten. Da sich die Entsendegesetze immer wieder ändern, ist es ratsam, sich regelmäßig zu informieren.

Eine erste Vorgabe beim grenzüberschreitenden Arbeiten ist in allen Ländern die Meldepflicht. Die dafür notwendigen Informationen finden sich auf den nationalen Internetseiten der Arbeitsministerien zum Thema Entsendung. In Österreich beispielsweise muss eine Entsendung vor Arbeitsaufnahme bei der „Zentralen Koordinationsstelle für die Kontrolle für illegale Beschäftigung“ ausschließlich online angemeldet werden. Neben der Meldebescheinigung haben die entsendeten Mitarbeiter während des Arbeitseinsatzes auch die A1-Bescheinigung über die Sozialversicherung im Heimatland mitzuführen.

Firmen müssen außerdem klären, welcherLohn während der Entsendung zu zahlen ist. Im Land geltende Mindestlöhne müssen berücksichtigt, Gesundheits- und Arbeitsschutzbestimmungen beachtet werden. Zur Kontrolle verlangt Österreich beispielsweise, dass Mitarbeiter sämtliche Lohnunterlagen am Einsatzort bereithalten.

InFrankreich und Italien dagegen ist es vorgeschrieben, einenAnsprechpartner vor Ort zu nennen, der für den Kontakt mit der Arbeitsaufsichtsbehörde zuständig ist. Weitere Pflichten gibt es in einigen Ländern für reglementierte Berufe. InÖsterreich etwa müssen Mitarbeiter detailliert nachweisen, dass sie für die jeweilige Dienstleistung qualifiziert sind.