08.01.2018 - 08:20 Uhr

International

Binnenmarkt: EU-Mehrwertsteuerreform geplant

Die EU-Kommission hat am 4.10.2017 diverse Richtlinien- bzw. Verordnungsvorschläge veröffentlicht. U. a. soll bis zum Jahr 2022 die Besteuerung von innergemeinschaftlichen Lieferungen umgestellt werden.

Derzeit wird keine Mehrwertsteuer auf Verkäufe zwischen Unternehmen erhoben, die in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten ansässig sind.

Der vorgelegte Vorschlag umfasst ein künftiges Mehrwertsteuersystem, bei dem die Mehrwertsteuer auf grenzüberschreitende Verkäufe in einen anderen EU-Mitgliedstaat erhoben wird, und zwar in Höhe des im Bestimmungsland geltenden Satzes.

Bei grenzüberschreitenden Verkäufen würde die Mehrwertsteuer von der Steuerbehörde des Ursprungslands eingezogen und an das Land überwiesen, in dem die Gegenstände oder Dienstleistungen letztendlich verbraucht werden. Um den Steuerbehörden und den Unternehmen einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen, konzentriert sich die erste Stufe des endgültigen Mehrwertsteuersystems ausschließlich auf Warenumsätze. Erste Maßnahmen sollen bereits zum 01.01.2019 in Kraft treten.

Bis zum Jahr 2022 soll also die Besteuerung von innergemeinschaftlichen Lieferungen umgestellt werden, und wie Inlandslieferungen (im Bestimmungsland) behandelt werden, d. h.

  • die Lieferung ist steuerpflichtig (im Bestimmungsland);
  • es gilt der Steuersatz im Bestimmungsland;
  • Steuerschuldner ist grundsätzlich der liefernde Unternehmer.

Die Abführung der Mehrwertsteuer soll für innerhalb der EU tätige Unternehmen durch ein Webportal („einzige Anlaufstelle“) in ihrem Heimatland erheblich vereinfacht werden. Andernfalls müssten sich Unternehmer in jedem Land, in dem sie tätig sind, für Mehrwertsteuerzwecke registrieren lassen, Steuererklärungen einreichen und die entsprechenden Zahlungen tätigen. Das Online-Portal würde überdies ermöglichen, dass die Mehrwertsteuer von dem Land erhoben wird, in dem der Verkauf getätigt wird, und an das Land überwiesen wird, in dem die Gegenstände verbraucht werden.

Um einen schrittweisen Übergang zu gewährleisten, könnten vorschriftsmäßig handelnde Unternehmen („zertifizierte Steuerpflichtige“), die von den zuständigen Steuerverwaltungen entsprechend zertifiziert wurden, weiter mehrwertsteuerfrei Gegenstände in einem anderen Mitgliedstaat erwerben und die Mehrwertsteuer in ihrem eigenen Land abführen.

Folgende Punkte sollen bereits zum 1.1.2019 umgesetzt werden:

  • Einführung eines sog. „zertifizierten Steuerpflichtigen“ (ähnlich dem zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten im Zollbereich);
  • Einführung einer EU-einheitlichen Konsignationslagerregelung;
  • Neuregelung des Reihengeschäfts (erstmalig in der MwStSystRL)
  • Vorlage der USt-IdNr. des Erwerbers soll materielle Voraussetzung der (zu diesem Zeitpunkt noch geltenden) Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen werden.

 

Nach Einschätzung der IHK kommt mit der Reform auf die Unternehmen nicht nur im Außenwirtschaftlichen Bereich ein erheblicher Umstellungsbedarf zu. Auch die IT und die Buchhaltung müssen angepasst werden und Unternehmen wird geraten sich im Laufe des Jahres 2018 mit dem Fortgang der Entscheidungen in diesem Bereich zu beschäftigen.

Die IHK plant hierzu ein Seminar im Oktober.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Europäischen Union .