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Wegweiser für deutsche Unternehmen

Lieferkettenmanagement

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil von CSR. In diesem Zusammenhang nimmt das Lieferkettenmanagement für international tätige Unternehmen immer mehr an Bedeutung zu.

Ein verantwortliches Unternehmen zeichnet sich auch dadurch aus, dass es in der Lage ist, Fehlverhalten – etwa Korruption, Preisabsprachen, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzungen – zu vermeiden.

Unternehmen, für die Begriffe wie Lieferkettenmanagement, fairer Umgang mit den Mitarbeitern oder nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Rohstoffen Fremdworte sind, laufen schnell Gefahr, mit negativen Schlagzeilen konfrontiert zu werden.  Ein Unternehmen, dessen Zulieferer elementare Standards verletzen, wird selbst Gegenstand der öffentlichen Kritik und muss mit erheblichen Nachteilen rechnen. Hierin liegt ein erhebliches Risiko für Unternehmen, da Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern nach wie vor unzureichend sind.

 

Schon 2018 hat das Nationale CSR-Forum der Bundesregierung einen wichtigen Grundsatzbeschluss gefasst. Mit dem

"Berliner CSR-Konsens zur Unternehmensverantwortung in Liefer- und Wertschöpfungsketten"

haben sich Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kammern - darunter der DIHK - und Zivilgesellschaft sowie Mitgliedsunternehmen des CSR-Forums erstmals im Konsens darauf geeinigt, welche Anforderungen in einer globalisierten Wirtschaft an ein verantwortliches Management von Liefer- und Wertschöpfungsketten und seine betriebliche Umsetzung zu stellen sind. Es handelt sich dabei zwar um eine unverbindliche Orientierungshilfe für Unternehmen, kann jedoch durch den breiten Konsens der unterschiedlichen beteiligten Akteure durchaus als wegweisendes Signal verstanden werden.

 

Der CSR Risiko-Check ist ein Online-Tool für Unternehmen und Wirtschaftsakteure mit Aktivitäten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das Tool von MVO bietet Unternehmen einen ersten Einstieg zur Einschätzung der lokalen Menschenrechtssituation sowie Umwelt-, Sozial- und Governancethemen.

 

CSR geht aber über das reine Lieferkettenmanagement hinaus. Hierzu gehören ein nachhaltiges Lieferantenmanagement, die Gestaltung einer nachhaltigen Lieferkette und unternehmensübergreifende Initiativen.

Ein nachhaltiges Lieferantenmanagement beinhaltet Themen wie Menschenrechte, sowie Gestaltung einer nachhaltigen Lieferkette. Unternehmen, die im Ausland produzieren oder aus dem Ausland importieren, können in die Vertragsbedingungen mit ihren Zulieferern Umweltstandards, Arbeitsnormen sowie Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften aufnehmen. Über Maßnahmen im eigenen Betrieb hinaus bieten verschiedene Wirtschaftsinitiativen Unternehmen die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und das eigene Engagement öffentlich und transparent zu machen, teilweise mit Hilfe eines Monitoring-Systems.

Weitergehende Informationen finden Sie auf der Webseite der IHK Stuttgart und IHK Nürnberg.

Lieferkettengesetz in Planung

Am 24. Februar 2020 hat die EU-Kommission die Ergebnisse einer Studie vorgelegt, die sich mit unternehmerischen Sorgfaltsprüfungen globaler Lieferketten unter anderem auf ihre Auswirkungen auf die Umwelt befasst. Nach Angaben der EU-Kommission nimmt derzeit nur etwa ein Drittel der europäischen Unternehmen eine umfassende Prüfung vor.

Als konkrete Umsetzung des „Green Deal“ der EU-Kommission wird aktuell im politischen Berlin das Thema Lieferkettengesetz diskutiert. Es gibt einen Antrag der Grünen im Bundestag vom 19.12.2019 und verschiedene Verbände äußern sich unter lieferkettengesetz.de.

Der Gesetzgeber plant deutsche Unternehmen zu verpflichten, die Einhaltung der Menschenrechte in allen Punkten ihrer Lieferketten zu prüfen. Ziel ist, Kinderarbeit, untragbare Arbeitsbedingungen und Umweltschäden zu vermeiden und Löhne sicherzustellen, die zum Lebensunterhalt reichen.

Initiative durch Covid-19 gestoppt?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Pläne von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für ein Gesetz gegen Ausbeutung in globalen Lieferketten auf Eis gelegt. Die beiden Politiker wollten eigentlich schon im März 2020 Eckpunkte für ihr Projekt vorlegen. Doch angesichts der wirtschaftlich extrem unsicheren Konjunkturlage infolge der Corona-Pandemie konnte sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) durchsetzen, der davor warnt, den Unternehmen jetzt noch weitere Lasten aufzubürden.

Es ist aber zu bezweifeln, dass der Plan eines Lieferkettengesetztes damit endgültig vom Tisch ist.

Hier finden Sie weitere Informationen.

Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie werfen die Frage auf, inwieweit Deutschland seine Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten und Produktionsstandorten verringern sollte. Auch wenn es angesichts der aktuellen Situation erforderlich ist, die mit dieser Verflechtung verbundenen Risiken neu zu bewerten, sollten die Vorteile der Globalisierung nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Keine andere der 20 größten Industrienationen ist so stark in die globale Wirtschaft eingebunden wie Deutschland: Die Offenheit der deutschen Wirtschaft – gemessen an der Summe der Exporte und Importe in Relation zum Bruttoinlandsprodukt – betrug im vergangenen Jahr 88 Prozent. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte, welche maßgeblich zum hohen Wohlstandsniveau in Deutschland beigetragen hat, beruht zu einem guten Teil darauf, dass hiesige Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten neue Produktionsstätten in der Nähe ihrer Absatzmärkte errichtet haben. Zudem beziehen die Firmen ihre Bauteile und Komponenten mittlerweile in hohem Umfang von ausländischen Lieferanten: Im vergangenen Jahr importierten deutsche Unternehmen Vorprodukte im Wert von 606 Milliarden Euro.

Im Jahr 2019 machten die deutschen Importe von Vorprodukten 55 Prozent der gesamten Einfuhren aus. Für die Bundesrepublik sind die anderen EU-Staaten die wichtigsten Lieferanten von Vorprodukten. Mehr als 62 Prozent der von Deutschland importierten Vorleistungsgüter kommen aus anderen EU-Ländern. Gut ein Drittel der deutschen Vorleistungsimporte kommt aus Ländern außerhalb der EU - mit den USA (5,3 Prozent) und China (5,0 Prozent) als wichtigsten Lieferanten.

Angesichts der Corona-Krise stellt sich die Frage, ob die bisherigen Lieferketten für die deutsche Wirtschaft noch tragfähig sind oder ob die Unternehmen ihre Abhängigkeit von – oftmals nur wenigen – Zulieferern verringern müssten. Klar ist, dass Strategien wie Outsourcing und Just-in-time-Fertigung die Firmen anfällig für Produktionsunterbrechungen an einzelnen ausländischen Standorten gemacht haben. So haben zum Beispiel die Shutdowns in China und Norditalien die hiesigen Automobilhersteller schwer getroffen.

(Quelle: iwd-Lieferketten anpassen, aber nicht zerstören)

(Stand: 10.06.2020)

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