06.02.2019 - 08:46 Uhr

Rundmöbel aus Hartpapierhülsen aus Bad Brückenau

"Rund passt in jede Ecke"

Peter Hufer (r.) und Jonas Jufer (l.)

Text: Sigismund von Dobschütz; Fotos: rund:Stil

"Das Runde muss ins Eckige“, wusste schon 1954 Deutschlands Fußballtrainer Sepp Herberger. Sein Zitat ist längst ein Klassiker.

„Absolut neu“ dagegen, eine Innovation in der weltweiten Möbelbranche – das Konzept von Peter Hufer (62) aus Bad Brückenau. Er stellt ausschließlich aus runden Hartpapierhülsen verschiedener Größen funktionale Möbel her. Begonnen hat die Firmengeschichte durch Zufall, erinnert sich Hufer. Aus einer alten Buchenholzplatte, die nutzlos im Keller lag, wollte sich der gelernte Schreinermeister und Holzingenieur einen Schreibtisch bauen. Kurzerhand nahm er eine ausgediente Teppichrolle aus Hartpapier, schnitt sie sich auf die richtige Höhe zurecht. Ergänzt durch zwei kleine Platten aus Birkensperrholz als Plattenhalter und Schreibtischfuß, entstand ein stabiles Möbelstück, an dem der Möbeldesigner heute seine Entwürfe zeichnet. 2015 meldete Hufer den Gebrauchsmusterschutz für seine rund:Stil-Produkte aus Hartpapierhülsen beim Patentamt an. „Es gibt sonst weltweit keine Möbel aus Hartpapier.“ In den folgenden zwei Jahren entwarf Hufer seine neuartigen Rundmöbel – vom Weinregal über Tische und Hocker bis zum Wohnzimmerschrank, Möbel aller Art für Erwachsene und Kinderzimmer. Nachdem er ein Sortiment erstellt und erste Prototypen hatte bauen lassen, gründete Hufer gemeinsam mit Sohn Jonas (32) im Mai 2018 die rund:Stil GmbH & Co. KG. Heute vermarktet die Bad Brückenauer Firma ein Sortiment aus 20 Möbeln, die nach Hufers Entwürfen in einer Mindeststückzahl von 500 Stück in den Wertachtal-Werkstätten der Lebenshilfe Kaufbeuren hergestellt werden. In der Schreinerei dieser Behindertenwerkstatt arbeitet man mit modernsten, computergesteuerten Geräten. „Alles ist rund, da muss man exakt arbeiten“, erklärt der Holzingenieur.  

Ohne Kunststoff und giftige Kleber  

Die stabilen Rundmöbel – vom Kinderhocker bis zum drehbaren Wohnzimmerschrank – werden ohne Kunststoffe und nur mit Kleber aus Kartoffelstärke wahlweise in unterschiedlichen Ausfertigungen hergestellt: entweder zum Selbstbemalen oder lackiert mit wasserlöslichen und speichelfesten Lacken, aber auch mit Grafiken der Berliner Illustratorin Eileen Tretter. Vermarktet werden die rund:Stil-Möbel auf Messen, über den eigenen Onlineshop, im Direktvertrieb über Kindertagesstätten und deren Ausstatterfirmen oder über Möbelhäuser. Erst kürzlich hatte rund:Stil eine eigene Verkaufsausstellung bei Möbel Inhofer in Senden, „Europas größtem Möbelkaufhaus“. „Es gibt die verschiedensten Zielgruppen für unsere Möbel“, hat Möbeldesigner Hufer in dem knappen Jahr seit Firmengründung erfahren. Es sind vor allem an modernem Design interessierte Kunden, eher Frauen als Männer und nicht zuletzt junge Familien. Manche Firmen stellen rund:Stil-Möbel sogar als Blickfänger in ihr Foyer.  

Längstes Bild der Welt

Ungewöhnliche Möbel erfordern ein ungewöhnliches Marketing. Im April diesen Jahres soll in 100 Kindergärten und 30 Behindertenwerkstätten eine bundesweite Aktion starten, bei der mit selbstklebendem, aber wieder lösbarem Papier umwickelte rund:Stil-Kinderhocker bemalt werden. Alle Einzelbilder aneinandergeklebt, sollen mit der Gesamtlänge von acht Kilometern als „längstes Bild der Welt“ einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde bekommen. Anschließend meterweise verkauft, soll der Erlös wiederum diesen Kindergärten und Behindertenwerkstätten zugutekommen.

 

Steckbrief Unternehmen

DAS UNTERNEHMEN
rund:Stil GmbH & Co. KG, Breitenbacher Weg 25, 97769 Bad Brückenau
Telefon: 09741-6090170
Mobil: 0176 245 89544
info@ rundstil.com

www.rundstil.de

DIE PERSONEN
Peter Hufer und Jonas Hufer

DIE IDEE
Runde Möbel aus Hartpapierhülsen

GRÖßTE HERAUSFORDERUNG
Die passenden Zielgruppen und Vertriebswege finden

PLÄNE
Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde mit längstem Bild der Welt

 

Hier können Sie sich den Artikel der WiM-Serie "Existenzgründer stellen sich vor" downloaden.