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„Ich liebe den direkten Kundenkontakt“

Die 24-jährige Bolivianerin Anna-Katharina Methfessel kam vor fünf Jahren nach Deutschland. Nach einem herausfordernden Start und vier Semestern BWL-Studium entschied sie sich für eine Berufsausbildung. Seither geht es für die angehende Kauffrau für Dialogmarketing kontinuierlich bergauf.

Interview

IHK: Sie sind Bolivianerin und seit fünf Jahren in Deutschland. Wie war Ihr Start?

Methfessel: Ehrlich gesagt, fiel es mir richtig schwer, in Deutschland Fuß zu fassen. Ich war auf mich allein gestellt, denn bis auf meine Tante, die hier lebt, kannte ich niemanden. Zum Glück änderte sich das relativ bald. Ich habe angefangen, mir die deutsche Sprache beizubringen und nach und nach gelernt, wie das Leben hier funktioniert. Mir kamen die Leute eher ernst vor, auf mich wirkten sie oft etwas angespannt. Gleichzeitig fiel mir sehr positiv auf, dass man sich auf sie verlassen kann und dass alles hier so gut geregelt ist.

 

IHK: Sie haben sich die deutsche Sprache selbst beigebracht?

Methfessel: Ja, einen richtigen Deutschkurs konnte ich mir nicht leisten. In den regulären Integrationskursen lernt man, wie man sich begrüßt und welche Worte beim Einkaufen hilfreich sind. Ich wollte aber etwas ganz anderes: richtig mit den Menschen um mich herum kommunizieren. Auf der Straße habe ich mich deshalb erstmal mit Englisch durchgeschlagen. Das war toll, denn mein Englisch hat sich dadurch sehr verbessert. Danach habe ich angefangen, viele Filme auf Deutsch zu schauen und deutschsprachige Musik zu hören. Bücher, die ich bereits kannte, wie zum Beispiel Herr der Ringe, konnte ich relativ schnell lesen. Außerdem war ich nur mit Deutschen unterwegs. Alles Learning-by-doing also.

 

IHK: Und danach haben Sie BWL studiert?

Methfessel: Ja, ich habe vier Semester lang in Coburg studiert. Nach kurzer Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass das Ganze ziemlich trocken war, man musste unglaublich viel Theorie pauken. Spaß hat mir das nicht gemacht. Ich arbeitete nebenbei in einer Bäckerei, und irgendwann hat mir ein Kollege das deutsche Ausbildungssystem im Detail erklärt. Das hat mir die Augen geöffnet. Der kaufmännische Bereich interessierte mich, denn ich wollte schon immer etwas mit Marketing machen. Innerhalb von zehn Tagen habe ich mich für eine Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing bei der marcapo GmbH beworben. Bei der Firma handelt es sich um Spezialisten für lokale Markenführung und Marketingportale. Es folgten ein Vorstellungsgespräch und ein Probearbeitstag – und am selben Tag unterzeichnete ich meinen Ausbildungsvertrag.

 

IHK: Wie sieht Ihr Tagesablauf heute aus?

Methfessel: Dialogmarketing ist eine Form von Direktmarketing. Es geht um die direkte Betreuung der Kunden. Per Telefon, per Post oder per E-Mail. Ich gebe Informationen zu unserem Portal an Kunden weiter, berate sie zum Beispiel, wie sie ihren Umsatz oder ihre Bekanntheit vor Ort steigern können, bearbeite Reklamationen und ich bin im Online-Bereich spezialisiert. Ich hatte richtig Glück, denn wir haben ausgiebige Coachings bei uns im Unternehmen und die Kommunikation mit unseren Kunden funktioniert einwandfrei, obwohl alles auf Deutsch läuft.

 

IHK: Wie sieht es mit der Theorie aus?

Methfessel: Wenn ich nicht bei der marcapo GmbH bin, besuche ich eine Berufsschule. Die kaufmännische Ausbildung ist in Blöcken organisiert, sodass sich die Module gut in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Ich absolviere Kurse in Rechnungswesen, Projektmanagement, Kundenbindung, Sozialkunde, Recht – alles Themen, die ich in der Praxis jeden Tag optimal anwenden kann.

 

IHK: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Methfessel: Ich würde gerne im Vertrieb arbeiten, für mich gehört „Face-to-face“ einfach dazu. Ich liebe den direkten Kundenkontakt. Erstmal möchte ich ein paar Jahre arbeiten und Berufserfahrung aufbauen. Und danach? Ich spiele ehrlich gesagt mit dem Gedanken, eine zusätzliche Weiterbildung im Bereich Marketing zu machen. Dieses Berufsfeld hat mich schon immer fasziniert.

 

IHK: Können Sie sich vorstellen, in Deutschland zu bleiben?

Methfessel: Auf jeden Fall. Zurück nach Bolivien zu gehen, kommt für mich nicht wirklich in Frage. Obwohl ich meine Familie sehr vermisse, lebe ich gerne in Deutschland. Mir gefällt die Zuverlässigkeit der Menschen, gerade im Berufsleben. Jeder hat seinen definierten Arbeitsbereich, alle sprechen sich ab und wissen genau, was zu tun ist. In Bolivien nimmt man das eher locker. Ich habe hier viel über die Planung und Umsetzung von Projekten gelernt. Dieses Wissen ist für meine Arbeit hier sehr wertvoll. Was ich in den letzten Jahren aufgebaut habe, möchte ich ungern aufgeben.

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Methfessel!