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18.03.2019 - 09:09 Uhr

International

Brexit: Verschiebung

Verschiebung des Brexit als weitere Belastung für die exportorientierte bayerische Wirtschaft.

Als weitere Belastung für die exportorientierte bayerische Wirtschaft bezeichnet Eberhard Sasse, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), das Votum des britischen Unterhauses zum Brexit-Aufschub. „Die Sorgen werden durch die andauernde Unsicherheit noch größer“, sagt Sasse.

Laut einer aktuellen BIHK-Umfrage erwarten mittlerweile rund zwei Drittel der bayerischen Unternehmen Einbußen im Großbritanniengeschäft. Fast die Hälfte der Betriebe verzichtet derzeit ganz auf Brexit-Vorbereitungen, weil die Unsicherheit zu groß ist. „Für viele Unternehmen ist eine umfassende Vorbereitung nicht möglich oder mit hohen Kosten für verschiedene Alternativszenarien verbunden“, so der BIHK-Präsident. Dazu gehören etwa Ausgaben für Lagerräume, um Lieferschwierigkeiten im Falle eines ‚harten‘ Brexit vorzubeugen. Am meisten fürchten die bayerischen Unternehmen nach dem Brexit die Zollbürokratie sowie Geschäftseinbußen durch britische Zölle, die bayerische Produkte auf der Insel verteuern würden.


2018 exportierte Bayern Waren im Wert von 12,8 Milliarden Euro nach Großbritannien, das entspricht knapp sieben Prozent aller bayerischen Ausfuhren. Das Königreich ist Bayerns fünftwichtigster Exportmarkt. Zwar hat die britische Regierung in den vergangenen Tagen weitreichende Zollbefreiungen für Waren aus der EU nach dem Brexit angekündigt. Zum Schutz der britischen Autoindustrie sollen allerdings Fahrzeuge mit einem Zoll von 10 Prozent belegt werden. Kfz-Teile sollen dagegen verschont bleiben. Autos und Kfz-Teile stehen für rund die Hälfte aller bayerischen Exporte nach Großbritannien. Es gibt jedoch Zweifel, dass solche einseitig verkündeten Vorzugsregelungen mit dem Reglement der Welthandelsorganisation WTO vereinbar sind. Laut Expertenmeinung wäre dafür ein Präferenzabkommen mit der EU notwendig.


Ein harter Brexit würde die Wirtschaftsleistung Bayerns langfristig um etwa 1,4 Milliarden Euro pro Jahr schmälern, hatte eine ifo-Studie im Auftrag der IHK München im Vorjahr ergeben. Die bayerischen IHKs halten vielfältige Informationsangebote zum Brexit für ihre Mitglieder bereit.

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