Aus aktuellem Anlass

Brexit - Der Countdown läuft weiter

Zum 1. Februar 2020 haben die Briten die Europäische Union verlassen. Für eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020 wird das Vereinte Königreich noch Teil des Europäische Binnenmarktes sein. Für die deutschen Unternehmen bleibt weiterhin unklar, wie die künftigen Beziehungen aussehen werden.

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Informationen der IHK zum Brexit

Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Die IHK informiert ihre Mitgliedsunternehmen über die Folgen des EU-Austritts Großbritanniens. 

„Mit dem Brexit wird der Europäische Binnenmarkt, Bayerns wichtigster Wirtschaftsraum, deutlich geschwächt mit noch nicht absehbaren Folgen für die Unternehmen“, so Kurt Treumann, Bereichsleiter International der mainfränkischen IHK.

Am 31. Januar 2020 hat Großbritannien die EU verlassen. Dem EU-Austritt schließt sich eine Übergangsphase bis Ende 2020 nahtlos an.

In Bezug auf freien Personen- und Warenverkehr wird sich 2020 dann trotz des Austritts der Briten aus der EU nichts spürbar ändern. Allerdings: Möglicherweise ist das Thema Warenursprung und Präferenzen (Stichwort: Lieferantenerklärungen) davon ausgenommen.

 

Vereinigtes Königreich veröffentlicht neues Zollsystem

Am 19. Mai hat die britische Regierung ihren neuen WTO-Zolltarif veröffentlicht, der nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase ab dem 01.01.2021 in Kraft treten wird. Der Zolltarif orientiert sich weitgehend an den EU-Zöllen. Die Zölle für wichtige Agrarprodukte wie Lamm-, Rind- und Geflügelfleisch werden beibehalten. Gleiches gilt für die Automobilbranche, wo weiterhin Zölle in Höhe von 10 % fällig werden. Für Kühlschränke und Spülmaschinen will das Vereinigte Königreich hingegen in Zukunft keine Zölle erheben. Insgesamt sollen 60 % der Waren zollfrei in das Vereinigte Königreich gelangen.

(Stand: Mai 2020) 

Wichtige Frist verstrichen

Am Dienstag, den 30. Juni, endete eine wichtige Frist, in der die Zeit für mögliche Brexit-Verhandlungen hätte verlängert werden können.

Die britische Regierung hat eine wichtige Frist verstreichen  lassen: Bis zum 31.06.2020, wäre eine Verlängerung der Brexit-Verhandlungen möglich gewesen, aber die britische Seite verzichtete darauf. Dadurch erhöht sich die Gefahr eines „harten Brexits“, eines Austritts ohne Abkommen, da ein baldiger Durchbruch bei den Verhandlungen nicht absehbar ist.

Die IHK hat Sorge

Seit Beginn der Verhandlungen warnte die IHK wiederholt vor der Möglichkeit eines harten Brexits, da die mainfränkische Wirtschaft darunter leiden würde. Eine Einigung bis Ablauf der Frist gilt auch Anfang Juli  weiterhin als ambitioniert. Kurt Treumann, IHK-Bereichsleiter International warnt vor einem „Schmalspurabkommen“ der EU mit Großbritannien aber auch vor den wirtschaftlichen Konsequenzen, wenn kein Abkommen ausgehandelt werden würde“.  Denn ohne Einigung auf ein Handelsabkommen drohten bis Jahresende Zölle, umfangreiche Handelshemmnisse und rechtliche Unsicherheit in dem  wichtigen Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich. Herr Kay Lipinksi, RAPID Biomedizinische Geräte, Rimpar und Mitglied des IHK-Außenwirtschaftsausschusses befürchtet den „No Deal“. Ein solches Szenario bedingt  Anstrengungen  insbesondere in Richtung Kalkulation und Vertragswesen. Auch britische Firmenchefs, Unternehmer und Konzerne sollen Premierminister Boris Johnson in einem Schreiben vor einem „No-Deal-Szenario“ gewarnt haben. Es wäre für die britische Wirtschaft enorm schädlich, wenn Großbritannien bis Ende des Jahres kein Abkommen mit der Europäischen Union (EU) abschließt, berichten britische Medien.

 

„Irland-Frage“ geklärt

Ein Lichtblick ist, dass eines der zentralen Probleme der Brexit-Verhandlungen gelöst zu sein scheint - auch wenn dies eher unbemerkt geschehen ist. Lange war unklar, wie mit der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland verfahren werden soll. Die Grenze wurde mit dem Brexit zur EU-Außengrenze und erfordert somit Personen-, Waren- und gegebenenfalls Zollkontrollen. Eine harte Grenze zwischen den beiden Ländern lehnte die EU in den Verhandlungen stets ab, aus Solidarität mit Irland und aus Furcht vor möglichen Konflikten an einer harten Grenze auf der Insel. Laut Brexit-Abkommen soll Nordirland in der EU-Zollunion bleiben, gleichzeitig aber auch im Zollgebiet Großbritanniens sein. Dazu müssen Kontrollen zwischen Nordirland auf der einen Seite und den Landesteilen England, Schottland und Wales auf der anderen Seite der Irischen See stattfinden. Das wiederum hatte Johnson im Nachhinein ausgeschlossen, weil es die Einheit des Königreichs gefährde. Mitte Mai gab die britische Regierung jedoch bekannt, dass es genau diese Art von Kontrollen in den drei nordirischen Häfen Belfast, Warrenpoint und Larne geben wird. Für die EU und insbesondere ihr Mitgliedsland Irland scheint also ein großes Problem gelöst. Großbritannien hat dafür neue innenpolitische Aufgaben zu bewältigen.

Verhandlungsbeginn für Handelsabkommen zwischen USA und Großbritannien

Die USA und das Vereinigte Königreich haben am 5. Mai ihre bilateralen Verhandlungen zu einem Handelsabkommen offiziell aufgenommen. Aufgrund der COVID-19-Pandemie findet die erste Runde virtuell ueber Videokonferenzen statt. Nach einer gemeinsamen Sitzung teilten sich die Unterhändler in 30 verschiedene Gruppen auf. Die derzeitigen Gespräche sollen am 15. Mai enden. Anschließende Verhandlungsrunden werden voraussichtlich etwa alle sechs Wochen stattfinden. Beide Seiten haben keinen Zeitplan für ein finales Abkommen festgelegt.
In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten der US-Handelsbeauftragte (USTR) Robert Lighthizer und die britische Ministerin für Internationalen Handel Elizabeth Truss ein bilaterales Freihandelsabkommen als Priorität für beide Länder. Sie strebten ein ambitioniertes Abkommen an, das Handel und Investitionen erheblich ankurbeln soll. Die USA sind die größte und Großbritannien ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Der gesamte bilaterale Handel zwischen beiden Ländern umfasst 269 Milliarden US$ pro Jahr. Mit etwa 1 Billion US$ sind sie die größten ausländischen Direktinvestoren im jeweils anderen Land. Britische Unternehmen in den USA und US-Unternehmen in Großbritannien schaffen jeweils rund eine Million Arbeitsplätze.
Interessenvertreter auf beiden Seiten des Atlantiks begrüßten die Aufnahme von Verhandlungen. Die US Chamber betonte, dass die USA und das Vereinigte Königreich auf gemeinsame Stärken in den Bereichen Dienstleistungen, digitaler Handel, advanced manufacturing, Biowissenschaften und der Kreativwirtschaft aufbauen könnten. Der Verband der britischen Industrie (CBI) bezeichnete den Beginn der Verhandlungen als Zeichen der Hoffnung für Unternehmen in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit.
(Quelle: Representative of German Industry + Trade)

Aktuelle Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien

Großbritannien ist für Deutschland der sechstwichtigste Handelspartner (Handelsvolumen 2018: 119,03 Milliarden Euro). Bei Exporten steht Großbritannien für Deutschland an fünfter Stelle und bei Importen auf Rang elf. Im Jahr 2018 betrug das Volumen der deutschen Exporte nach Großbritannien 82,09 Milliarden Euro. Dem stehen britische Importe in Höhe von 36,94 Milliarden Euro gegenüber.

In Bayern lagen die Exporte nach Großbritannien in 2018 auf Rang 5 mit einem Volumen von 12,8 Mrd., Importe lagen auf Rang 10 mit einem Volumen von 4,5 Mrd.. Großbritannien war im Ranking der dynamischten Exportpartner Bayerns in 2018 auf Rang 30 mit einer Veränderung zum Vorjahr von -7,5%.

 

Brexit - Umfrage Going International 2020

Der DIHK fragte in seinen internationalen Erhebungen speziell ab, wie es um die Stimmung in der Wirtschaft zum Brexit bestellt ist.

Eine Sonderauswertung von "Going International" verdeutlicht die Einschätzung deutscher Unternehmen, die in Großbritannien aktiv sind. Demnach ist der deutsch-britische Handel seit der Brexit-Entscheidung rückläufig. 58 Prozent der Unternehmen erwarteten bereits vor der Corona-Krise eine Verschlechterung ihrer Geschäfte mit Großbritannien. Neben den befürchteten Zöllen, höheren Kosten und mehr Bürokratie durch den EU-Austritt trägt dazu eine vergleichsweise schwache Wirtschaftsentwicklung auf der britischen Insel bei:

 

 

Unternehmen aus Mainfranken mit geschäftlichen Beziehungen in Großbritannien

Die IHK weiß von aktuell rund 300 mainfränkischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen, die in einer geschäftlichen Beziehung (Export, Handelsvertreter, Niederlassungen oder Produktionsstätten) mit Großbritannien stehen.

Rund zehn Prozent dieser Firmen sind in Großbritannien mit einer Produktionsstätte oder Niederlassung vertreten. Gerade für diese Firmen werden die Folgen des Brexits ein höheres Maß an Rechtsunsicherheit bedingen.

Unsere Mitglieder berichten aber schon jetzt über bspw. Verschiebungen in den Lieferketten oder seit längerer Zeit anhaltende Investitionszurückhaltungen in Großbritannien.

Stand: 27.02.2020

Aktuelle Meldungen zum Brexit

 

Brexit: Zollaussetzungen / Zollkontingente  ǀ  24.07.2020

Verlängerung von Zollaussetzungen für DE-Verwender.Weiterlesen


 

Brexit: Britische Zollkontrollen werden stufenweise eingeführt  ǀ  15.07.2020

Die britische Regierung stellt Planungen für die Zeit nach der Übergangsphase vor. Ziel ist ein möglichst reibungsloser Warenverkehr.Weiterlesen


 

Brexit: Mehr als vier Jahre nach dem Referendum  ǀ  13.07.2020

Mehr als vier Jahre ist es her, als sich im Zuge eines Referendums am 23. Juni 2016 eine knappe Mehrheit der Briten für den Brexit entschieden hat.Weiterlesen


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