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Türkei

Türkei - Wirtschaftsausblick 2019

Die türkische Wirtschaft wird 2019 voraussichtlich um 2 bis 3 Prozent schrumpfen. Investitionen und Privatverbrauch werden in diesem Jahr deutlich zurückgehen.

Die Wirtschaft der Türkei ist in die Rezession gerutscht: Im 4. Quartal 2018 und im 1. Quartal 2019 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 3 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent, so die Angaben des türkischen Statistikamtes TÜIK. Für das laufende Gesamtjahr rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einem Rückgang um 2,6 Prozent, die Europäische Kommission geht von Minus 2,3 Prozent aus. Erst ab 2020 erwarten die internationalen Institutionen, dass die Wirtschaft wieder wächst.

Ursächlich für den Abschwung ist die rückläufige Binnennachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. In diesem Jahr erwartet die EU-Kommission sogar einen Einbruch bei den Bruttoanlageinvestitionen um beinahe 13 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag im Februar 2019 bei 14,7 Prozent, die Inflation beharrte im Monat Mai bei knapp 20 Prozent.

Die geringe Inlandsnachfrage macht sich auch bei den Importen bemerkbar. Nach einem Rückgang im Jahr 2018 um knapp 8 Prozent werden die Waren- und Dienstleistungseinfuhren in diesem Jahr nochmal genauso stark abnehmen, so die Prognosen der EU-Kommission.

268 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Mainfranken haben aktuell geschäftliche Beziehungen mit  der Türkei. Rund 178 mainfränkische Firmen exportieren in die Türkei und 12 Firmen unterhalten dort eine eigene Niederlassung.

 

Außenhandel

Wegen der deutlich abgeschwächten Produktions- und Investitionsaktivitäten gehen die Wareneinfuhren zurück. Im 1. Quartal 2019 brachen sie gegenüber dem Vorjahresquartal um gut ein Fünftel (21 Prozent) ein. Die Importe aus Deutschland schrumpften um fast 23 Prozent und aus der Europäischen Union (EU) um 29 Prozent.

Obwohl die Lira massiv abgewertet hat, stiegen die Ausfuhren im 1. Quartal 2019 nur leicht (2,7 Prozent). Das hat unter anderem mit der verschlechterten Konjunktur in den Hauptabnehmerländern der Europäischen Union (EU) zu tun. Mehr als die Hälfte der türkischen Ausfuhren geht in diese Region.

Das Handelsbilanzdefizit hat sich in Folge geringerer Importe und gleichzeitig zugenommener Exporte im 1. Quartal 2019 um 67 Prozent abgeschwächt - von 20,8 Milliarden US$ auf 6,8 Milliarden US$.

 

Branchencheck

Ob Bauwirtschaft, Elektronik- oder Kfz-Industrie: Fast alle Branchen in der Türkei sind von der Rezession betroffen. Erst ab 2020 soll sich die Wirtschaft wieder erholen.

Der Maschinenbau leidet unter der schlechten Investitionskonjunktur, ausgelöst durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten in der Türkei. Die Maschinennachfrage ging 2018 real um fast 9 Prozent zurück. Für 2019 wird bestenfalls ein Nullwachstum erwartet.

Die türkische Chemieindustrie vermeldet deutliche Umsatzrückgänge. Die Investitionen in der Chemieindustrie konzentrieren sich auf die petrochemische Industrie, um die hohe Importabhängigkeit vor allem der Kunststoffindustrie bei Grundstoffen zu reduzieren. Mehrere staatlich geförderte Projekte zur Errichtung von neuen Werken werden vorbereitet.

Die Elektrizitätsproduktion ging in den ersten vier Monaten 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1 Prozent auf 95 Milliarden Kilowattstunden zurück. Betroffen von der sinkenden Nachfrage sind vor allem Erdgaskraftwerke. Deren Anteil an der Stromerzeugung sank im genannten Zeitraum von 31 auf 17 Prozent. Wegen der Einnahmenausfälle und der Währungsabwertung können viele Betreiber ihre Auslandskredite nicht zurückzahlen. Geschäftschancen bieten dagegen erneuerbare Energien.

Die Bauwirtschaft durchläuft eine schwere Krise. Es herrscht ein Überangebot im oberen Wohnungsbausegment, zudem sind die Kosten für Baustoffe deutlich gestiegen. Viele kleine Firmen stehen vor der Insolvenz.

Der Gesundheitssektor bleibt von der aktuellen Wirtschaftskrise nicht verschont. Der Verband der privaten Krankenhäuser OHSAD meldet für die ersten vier Monate 2019 einen Rückgang der Patientenzahl um 25 bis 30 Prozent. Die sinkenden Realeinkommen und die steigenden Kosten für Behandlungen und Medikamente führen zu Umsatzrückgängen.

Die Preise für Lebensmittel steigen in der Türkei derzeit besonders stark (Jahresanstieg im April: Plus 32 Prozent). Durch die hohe Inflation sinkt zudem die Kaufkraft der Verbraucher, da die Löhne nicht im gleichen Umfang zunehmen. Nur wenige Nahrungsmittelhersteller investieren daher aktuell in neue Produktionsanlagen.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist eine Schlüsselbranche der türkischen Wirtschaft. Unternehmen fertigen sämtliche Vorprodukte, darunter Garne, Fasern und Stoffe. Die Produzenten bekommen jedoch zunehmend die Konkurrenz aus Fernost zu spüren. Trotz der hohen Anzahl an informell Beschäftigten sind die Löhne in der Türkei soweit gestiegen, dass sie nicht mit der geringen Bezahlung asiatischer Nähfabriken mithalten können.

Die Kfz-Industrie zählt zu den Branchen, die unter der Rezession am meisten leiden. Laut Automobilverband OSD ging die Pkw-Produktion in den ersten vier Monaten 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 14 Prozent zurück. Die Nfz-Fertigung sank um 11 Prozent.

 

 

Türkei: IHK-UZ zusätzlich zur A.TR

Die Exporteurs-Erklärung ist als Nachweis des Ursprungs „EU“ bzw. „TR“ bei A.TR-Lieferungen nicht länger zulässig.

Das türkische Staatssekretariat für Außenhandel hat am 24. Mai 2019 die sofortige Aufhebung der Verordnung 2017/4 (Verordnung Zusatzzoll) und die Aufhebung der Verordnung 2017/10926 (Verordnung Ausgleichssteuern) bekannt gegeben. 

Mit der Aufhebung der VO 2017/4 ist die „Exporteurs-Erklärung“ als Nachweis des Warenursprungs „EU“ bzw. „TR“ zusätzlich zur A.TR nicht länger möglich.

Gleichzeitig wurde am 24.05.2019 die Änderung des Artikel 38 der Zollausführungsverordnung bekanntgegeben.

Danach gilt zum einen, dass bei der Einfuhr von Waren, für die zusätzliche Zölle oder Ausgleichssteuern gelten, bei Vorlage eines Ursprungszeugnisses auf die tatsächliche Erhebung zusätzlicher Zölle und Steuern ggfs. verzichtet wird. 

Zum anderen wurde ein Absatz „Art. 205“ hinzugefügt, in dem es unter Punkt (4) ç) heißt, dass für Waren, welche mit einer A.TR eingeführt werden, kein Ursprungszeugnis mehr vorgelegt werden muss. Allerdings behält sich das Ministerium vor, bei Risikokriterien dennoch ein Ursprungszeugnis anzufordern.

Obwohl laut Art. 205 (4) ç) ein Ursprungszeugnis nur vorbehaltlich etwaiger Risikokriterien angefordert werden soll, scheint die türkische Zollverwaltung in der Praxis hiervon umfangreich Gebrauch zu machen. Aufgrund zahlreicher Hinweise verschiedener IHKs, scheinen Ursprungszeugnisse pauschal bei sämtlichen Waren, die von Zusatzzöllen oder Ausgleichssteuern betroffen sind, vom türkischen Zoll angefordert zu werden.

(Quelle: DIHK)

Stand: 27.07.2019

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