© zhaojiankang / Getty Images/iStockphoto

Länderbericht

China

China erlebt zur Zeit eine konjunkturelle Schwächephase. Ein Wirtschaftseinbruch ist aber nicht in Sicht. Die Politik reagiert mit Steuererleichterungen und investiert in moderne Infrastruktur.

Der Zuwachs der Industrieproduktion sank seit Februar 2018 stetig und erreichte im Januar und Februar 2019 mit 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum den tiefsten Punkt seit Jahrzehnten. Auch im April 2019 zeigt sich der Wert mit 5,4 Prozent niedrig.

2018 dürfte auf lange Sicht das letzte Jahr gewesen sein, in dem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mehr als 6,5 Prozent zulegte. Für 2019 sind 6,3 Prozent realistisch. Allein der Handelsstreit mit den USA könnte China, sollte es nicht doch noch zu einer Einigung kommen, Berechnungen der Schweizer Bankengruppe UBS zufolge 2019 etwa 1,6 bis 2,0 Prozentpunkte Wachstum kosten. Im Jahr 2018 gingen 19,2 Prozent aller chinesischen Exporte in die USA.

Zwar gelang es der chinesischen Führung mit ihrer Politik, die Wirtschaft weg von einer exportorientierten hin zu einer mehr auf den Binnenkonsum fußenden Wirtschaft zu transformieren. So sank die Ausfuhrquote des Landes zwischen 2010 und 2018 von 26 Prozent auf 18 Prozent. Dennoch dürften die international zunehmenden Protektionismen die weltgrößte Exportnation treffen. Hinzu kommen die für viele Länder - speziell auch in der EU - hinuntergeschraubten Konjunkturprognosen

Außenhandel: Chinas Einfuhren schwächeln

Nachdem im Gesamtjahr 2018 die Ein- und Ausfuhren noch um kräftige 15,8 beziehungsweise 9,9 Prozent gestiegen waren, betrug im 1. Quartal 2019 das Einfuhrplus laut chinesischer Zollstatistik lediglich 4,8 Prozent. Die Ausfuhren erhöhten sich sogar nur um 1,4 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Lieferungen aus Deutschland wider: So verringerten sich die Einfuhren aus Deutschland im 1. Quartal 2019 um 1,3 Prozent. Dieser Trend könnte sich verstärken, da die Importzuwächse 2019 weiter nachgeben sollen. Umgekehrt wiesen die Ausfuhren nach Deutschland im 1. Quartal 2019 ein Plus von 10 Prozent aus.

Dagegen steht der Außenhandel mit den USA deutlich unter dem Zeichen des Handelskonflikts: Im 1. Quartal 2019 waren die Handelsströme in beide Richtungen stark rückläufig: so gingen die Exporte Chinas in die USA um 8,5 Prozent zurück, die Importe aus China brachen sogar um 31,8 Prozent ein.

Chancen für mainfränkische Unternehmer

Dennoch ist China einer der wichtigsten Partner der deutschen Wirtschaft. China ist für Deutschland nach den USA der zweitwichtigste Ausfuhrhandelspartner mit einem Ausfuhrvolumen von 93.127 Millionen Euro (2018). Ebenso ist China der zeitwichtigste Einfuhrhandelspartner mit einem Volumen von 106.171 Millionen Euro.

208 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Mainfranken haben aktuell geschäftliche Beziehungen mit China. Rund 127 mainfränkische Firmen exportieren nach China und 19 unterhalten dort sogar eine eigene Niederlassung.   

Warenexport

Für deutsche Exporteure bietet der Aufstieg Chinas immer noch enorme Chancen (und Risiken!). Seit dem Beitritt der VR China zur WTO wurden viele Handelsschranken abgebaut. Die schrittweise Senkung der Zollsätze ist bereits abgeschlossen. Dafür müssen neue Regeln aus dem Bereich der so genannten nichttarifären Handelshemmnisse beachtet werden.

Eingeführte Waren müssen innerhalb von 14 Tagen zu einer Zollbehandlung angemeldet werden (Art. 29 der chinesischen Zollverordnung). Auf Antrag können zuverlässige Importeure Waren auch bereits vor der Ankunft in China anmelden. Bei der Anmeldung sind in jedem Fall Angaben zur Warenart, zur Feststellung des Zollwertes und des zolltechnischen Ursprungs der Ware zu machen (Art. 30 der chinesischen Zollverordnung).

Es sind gewisse Einfuhrverbote und Einfuhrbeschränkungen zu beachten.         

Bestimmte Waren, die in China vermarktet werden sollen, müssen ein Produktzertifizierungssystem befolgen. Die erforderliche Kennzeichnung zertifizierungspflichtiger Produkte nur noch mit dem CCC (China Compulsory Certification) Konformitätszeichen möglich. Die zertifizierungspflichtigen Produkte dürfen erst nach China importiert, in China verkauft und bei Geschäftsaktivitäten in China verwendet werden, nachdem eine CCC-Zertifizierung des Produktes durchlaufen wurde.

Nähere Informationen finden Sie in dem Video über den Prozess der CCC-Zertifizierung.

Weitere Informationen und News zur Zertifizierung finden Sie auf der Seite der China Certification.

Im Rahmen der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China werden jeweils Strafzölle in wechselnder Höhe erhoben. Maßgeblich ist der Ursprung der importierten Ware und nicht das Land, aus dem geliefert wird. Daher sind auch Lieferungen aus Deutschland nach China betroffen, wenn diese US-Waren enthalten.

Weitergehende Informationen zu einem Warenexport nach China finden Sie in dem Merkblatt zu den gewerblichen Wareneinfuhren.

Die neue Seidenstraße

Die neue Seidenstraße (Belt-and-Road-Initiative / BRI) ist ein Großprojekt auf Betreiben Chinas. Über sechs Landkorridore sowie mit Hilfe einer maritimen Seidenstraße soll China stärker mitden eurasischen Ländern und Afrika verbunden werden. Der Ausbau der Infrastruktur durch dieBRI-Initiative wird die wirtschaftliche Situation in den betroffenen Ländern verändern und Auswirkungenauf die weltweiten Handelsströme haben. Für Europa und insbesondere für Bayern spielen hierbei die neuen Korridore durch die eurasischen Länder zwischen China und der EU eine wichtige Rolle. Denn derzeit stellt die mangelhafte Straßen- und Schieneninfrastruktur bei gleichzeitigem Fehlen eines Meerzugangs ein Haupthindernis im Handel mit diesen Ländern dar.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "Megatrends im Welthandel: Die neue Seidenstraße" und dem Bericht der GTAI vom April 2019.

Haftungsklausel

Die Informationen, die diese Merkblätter enthalten, sind mit größter Sorgfalt zusammengestellt worden. Eine Gewähr für die Richtigkeit können wir nicht übernehmen.

Ansprechpartner

Kurt Treumann

Betriebswirt (VWA)

Bereichsleiter International

Würzburg

Telefon: 0931 4194-353

E-Mail: kurt.treumann@ wuerzburg.ihk.de

Kontaktformular

Dominik Klein

B.A. Internationale Betriebswirtschaft

Referent International

Würzburg

Telefon: 0931 4194-309

E-Mail: dominik.klein@ wuerzburg.ihk.de

Kontaktformular

Sonja Scheuermann

M. A. Political Science, LL.M. Eur.

Referentin International

Würzburg

Telefon: 0931 4194-325

E-Mail: sonja.scheuermann@ wuerzburg.ihk.de

Kontaktformular

Silvia Engels-Fasel

Assessorin

Referentin International

Würzburg

Telefon: 0931 4194-247

E-Mail: silvia.engels-fasel@ wuerzburg.ihk.de

Kontaktformular