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ASEAN im Fokus

Vietnam

Im Jahr 2018 erreichte Vietnam ein Wachstum von 7,1 Prozent, in den ersten drei Monaten 2019 wuchs die Wirtschaft immerhin noch um 6,8 Prozent.  Für das Gesamtjahr 2019 bleiben Analysten internationaler Institutionen wie der Weltbank oder der Asian Development Bank angesichts weltwirtschaftlicher Unwägbarkeiten vorsichtig und erwarten ein Wachstum von zwischen 6,6 bis 6,8 Prozent.

Wachstumstreiber ist vor allem die verarbeitende Industrie, die 2018 mit knapp 13 Prozent und im 1. Quartal 2019 mit 12,4 Prozent zweistellig wuchs. Die steigenden Exporte schieben das Wachstum ebenso an wie die anhaltende Konsumfreude der größer werdenden vietnamesischen Mittelschicht. Die Wirtschaftsleistung des Öl- und Gassektors hingegen sinkt und schmälert das Gesamtwachstum.

Außenhandel:

Die vietnamesischen Warenausfuhren stiegen 2018 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 14 Prozent auf 245 Milliarden US$. Ausländische Investoren trugen mit gut 71 Prozent den Löwenanteil zu den vietnamesischen Exporten bei. Wichtigste Ausfuhrgüter waren neben Elektronik Textilien/Bekleidung und Schuhe. Die USA und China bleiben Vietnams Hauptexportmärkte, gut 19 Prozent aller vietnamesischen Waren gingen in die USA, 16 Prozent nach China. Im 1. Quartal 2019 stiegen die Exporte ebenfalls, allerdings mit 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal langsamer.

Chinesische Waren dominieren den Import mit einem Anteil von mehr als 27 Prozent, gefolgt von südkoreanischen und japanischen. Deutschland exportierte im 1. Quartal 2019 laut Angaben des vietnamesischen Zolls Waren im Wert von 980 Millionen US$ und liegt damit auf Rang 10 der wichtigsten Lieferstaaten. 

EU-Vietnam Free Trade Agreement steht im Ratifizierungsprozess

Die Ratifizierung des EU-Vietnam Free Trade Agreements (EU-Vietnam FTA) steht noch aus, wird aber, ebenso wie das Inkrafttreten des Abkommens, noch für 2019 avisiert. Kernaspekt des Abkommens ist sicherlich der Abbau von Zollschranken und eine Erleichterung der europäisch-vietnamesischen Handelsbeziehungen. 99 Prozent aller Zölle auf Warenlieferungen aus Europa sollen innerhalb von zehn Jahren nach Inkrafttreten abgebaut werden. Insbesondere Abgaben auf europäische Exporte aus dem Bereich Nahrungsmittel, Maschinen- und Anlagen sowie Pharmazeutika sollen, je nach Produktgruppe, entweder sofort oder schrittweise innerhalb einer sieben- bis zehnjährigen Übergangsfrist in der Regel vollständig beseitigt werden.

Chancen für Unternehmen.

Deutschland ist mit Abstand Vietnams wichtigster Lieferant aus der EU. Auch wenn für die EU noch ein deutliches Handelsbilanzdefizit mit Vietnam besteht, so werden europäische und gerade auch deutsche Unternehmen vom Abkommen profitieren können.

Zwar ist Vietnam für Deutschland als Käufer von Gütern und Anlagen noch nicht von wesentlicher Bedeutung. Auf der Rangliste der wichtigsten Lieferländer lag Vietnam 2017 lediglich auf Rang 46 von 239 Handelspartnern. Allerdings zieht der deutsch-vietnamesische Handel mit satten Steigerungsraten an. So stiegen die Ausfuhren nach Vietnam laut Destatis 2017 um gut 33 Prozent. Auch in den ersten neun Monaten 2018 verzeichneten deutsche Ausfuhren ein Wachstum von immerhin noch gut 13 Prozent. Wichtigste Artikel sind Maschinen und Anlagen, gefolgt von Pharmazeutika und chemischen Produkten. Auch Medizintechnik verkauft sich gut.

90 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Mainfranken haben aktuell geschäftliche Beziehungen mit Vietnam. Rund 58 mainfränkische Firmen exportieren nach Vietnam und eine Firma unterhält dort eine eigene Niederlassung. 

Der vietnamesische Maschinenbausektor ist bislang noch wenig ausgebildet. Eine Ausnahme bildet lediglich der Landmaschinenbau sowie Maschinen und Anlagen für die Baubranche. Vietnam benötigt immer mehr Strom. Mehr als 10 Prozent jährlich wird der Strombedarf Prognosen zufolge in den kommenden Jahren ansteigen. Neue Wind- und Solarkraftanlagen bieten zunehmend Chancen für deutsche Technologieanbieter.  Europäische Anbieter sind auch beim Ausbau der Gasenergie gefragte Partner. Branchenanalysten erwarten im Bausektor für 2019 Wachstumsraten von zwischen 7 und 9 Prozent. Der vietnamesische Hochbausektor bietet für deutsche Produkte und Dienstleistungen diverse Chancen. Vietnams Gesundheitswesen expandiert. Für die gesamte Gesundheitsversorgung sollen laut Plänen der Regierung von 2016 bis 2020 rund 32 Milliarden US-Dollar (US$) aufgewendet werden. Deutschland ist einer der wichtigsten Lieferanten für Medizintechnik und bestritt 2017 knapp 11 Prozent der Importe der wichtigsten Branchenprodukte.

Vietnam ist ausgesprochen deutschfreundlich und bietet interessante Potenziale, die bei guter Vorbereitung des Markteinstiegs konkrete Geschäftsansätze bieten. Neben großen Unternehmen wie Bosch oder Mercedes Benz engagieren sich vor allem zahlreiche mittelständische deutsche Firmen in Vietnam. Mit stabilen Rahmenbedingungen, der Vielfalt an natürlichen Ressourcen, einer günstigen geographischen Lage, einer jungen lernwilligen Bevölkerung und vergleichsweise günstigen Arbeitskosten gilt Vietnam als ein attraktiver Produktionsstandort für deutsche Unternehmen.

Weitere Informationen erteilt die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Vietnam.

Stand: 21.08.2019

Vietnam

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