27.02.2019 - 08:24 Uhr

Integrationspakts der bayerischen Wirtschaft

Integrationsbereitschaft der Betriebe steht außer Frage

Größte Hürden für Flüchtlinge sind fehlende Rechtssicherheit und Sprachkenntnisse

München – Die bayerische Wirtschaft sieht die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit im Freistaat auf einem guten Weg. Aktuell haben bereits mehr als 81.000 Flüchtlinge eine Arbeit in Bayern gefunden, rund 10.000 Flüchtlinge absolvieren eine Ausbildung und mehr als 72.000 sind in Praktika zur Vorbereitung auf eine Ausbildung oder einen Job. Auf diese Bilanz des im Oktober 2015 geschlossenen Integrationspakts der bayerischen Wirtschaft und der Arbeitsagentur mit der Bayerischen Staatsregierung verweisen der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) und der Bayerische Handwerkstag (BHT).

„Bayern hat damit bundesweit eine Spitzenstellung bei der Flüchtlingsintegration. Die Erfahrung der Wirtschaft ist ganz eindeutig, dass die allermeisten Flüchtlinge arbeiten und sich integrieren wollen. Klar ist aber auch, dass die Integration ein Marathon ist und nur gemeinsam gelingt“, so BIHK-Präsident Eberhard Sasse. „Zu oft führen bislang rechtliche Hürden und fehlende Sprachförderung zu Frustrationen auf beiden Seiten. Wer die Integrationswilligkeit bemängelt, muss deswegen zuerst fragen, ob wir die Weichen schon ausreichend in Richtung Integration gestellt haben“, so Sasse weiter. „Der Wirtschaft mangelndes Engagement bei der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund
in den Arbeitsmarkt vorzuwerfen, heißt schlichtweg die Fakten zu ignorieren“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT). Die Leistungen des bayerischen Handwerks werden nicht zuletzt durch den Erfolg der Initiative ‚Integration durch Ausbildung und Arbeit‘ belegt. Aktuell werden im bayerischen Handwerk rund 4.000 Menschen mit Fluchthintergrund ausgebildet. Peteranderl: „Hierzu tragen die Handwerksorganisationen ihren Teil bei, indem sie die jungen Leute u.a. in Praxislernwerkstätten auf die Ausbildung vorbereiten. Zudem unterstützen
speziell für Flüchtlinge zuständige Ausbildungsakquisiteure die Betriebe. An Einsatz seitens des Handwerks mangelt es also keineswegs.“

Sasse fügt an: „Auch die Integrationsbereitschaft der Betriebe in Industrie, Handel und Dienstleistungen steht vollkommen außer Frage. Hier sind bayernweit allein knapp 6.000 Flüchtlinge in Ausbildung. Der Arbeitsmarkt ist mit Blick auf den steigenden Fachkräftemangel sehr aufnahmefähig.“ Fast ein Drittel der Betriebe beschäftigten Flüchtlinge als Auszubildende, Fach- oder Hilfskräfte, zitiert der BIHK-Präsident eine bayernweite Umfrage unter IHK-Mitgliedern aus dem vergangenen Jahr. Als größte Probleme bei der Integration gaben die Unternehmen rechtliche Unsicherheiten und fehlende Sprachkenntnisse an.

Bereits 2015 haben die bayerischen IHKs das „3+2“-Modell vorgeschlagen, das Flüchtlingen im Normalfall den Aufenthalt für die Dauer der Ausbildung plus zwei Jahre Berufserfahrung sichert. Doch auch nach Aufnahme von „3+2“ ins Bundesintegrationsgesetz im Sommer 2016 kam es immer wieder zu bürokratischen Hängepartien um Abschiebungen von Flüchtlingen in Ausbildung. Deswegen fordern die bayerischen IHKs aktuell eine intelligente Stichtagsregelung, die generell Abschiebungen für Flüchtlinge aussetzen würde, die beruflich qualifiziert arbeiten, in berufsvorbereitenden Berufsschulklassen oder in Ausbildung sind. Außerdem hat sich die Wirtschaft immer wieder für eine bessere Sprachförderung stark gemacht. Allein die bayerischen IHKs haben seit 2015 mehr als acht Millionen Euro in Integrationsprojekte investiert. Sasse betont auch die bundesweit vorbildliche Arbeit in den Berufsintegrationsklassen für Flüchtlinge an den bayerischen Berufsschulen als wichtiges Fundament der Integrationsarbeit. Hier sollten erfolgreiche Pilotprojekte möglichst schnell auf ganz Bayern ausgeweitet werden, fordert Sasse. Zu diesen Projekten gehören der gezielte Einsatz
von Lehramtsstudenten zur Sprachförderung in den Berufsschulklassen sowie ein um ein Jahr verlängertes IHK-Ausbildungsmodell mit intensiver Sprachförderung.

In Mainfranken befanden sich in 2018 insgesamt 208 junge Menschen mit Fluchthintergrund in einer IHK-Ausbildung. Die ersten Absolventen haben ihre Abschlussprüfung bestanden und stehen nun dem Arbeitsmarkt als Fachkräfte zur Verfügung. In Mainfranken absolvieren derzeit rund 200 Flüchtlinge in 50 verschiedenen Ausbildungsberufen eine IHK Ausbildung. Derzeitig sind etwa 1.000 Flüchtlinge in über 60 Klassen befinden sich in sogenannten Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen